
Da die Zahnwale mit der eckigen Stirn kaum natürliche Feinde haben, vermehren sie sich nur langsam. Die Weibchen bringen nur alle zwei bis drei Jahre ein Kalb zur Welt. Pottwale fressen bevorzugt Tintenfische, darunter auch Riesenkalmare, die sie bis in große Tiefen verfolgen. Daneben fand man in Pottwalmägen auch Haie, Rochen und andere tieflebende Fische. Pottwale können bis 3.000 Meter tief tauchen und über zwei Stunden unter Wasser bleiben. Im Normalfall gehen die Lungenatmer selten tiefer als 1.000 Meter und bleiben nicht länger als 30 bis 45 Minuten unter Wasser.
In Europa tauchen Pottwale auf ihren langen Wanderungen vor allem in zwei Regionen auf. Bei den Azoren und der Insel Madeira werden häufig Weibchen mit Jungtieren gesehen. Bullen im Alter von 18 bis 21 Jahren verlassen diesen Verband. Sie tauchen erst wieder im Alter zwischen 25 und 30 Jahren dort auf - im späten Frühjahr zur Hauptpaarungszeit.
Auch vor Nord-Norwegen lassen sich Pottwale beobachten. Hier sind es ausschließlich die Bullen, die für den Sommer nach Norden gezogen sind. Dort hat sich rund um das Wale-Beobachten, das so genannte "Whale watching", ein eigener Tourismus-Zweig gebildet, der ertragreicher und umweltschonender ist, als die Waljagd der Jahrzehnte zuvor.
Die Beobachtungen der Pottwale bei den Azoren und vor Nord-Norwegen zeigen, dass die Pottwale der nördlichen Halbkugel zwischen diesen Gebieten hin und her wandern. Da sie in der Tiefsee jagen, sind für die Pottwale flachere Meeresgebiete wie die Nord- und Ostsee eine Gefahr. Sie finden nicht genug Nahrung, und ihr Ortungssystem, das Sonar, warnt sie nicht vor flachen Stränden oder seichten Prielen. In den letzten Jahrhunderten sind immer wieder Pottwale in der Nordsee gesichtet worden. In den letzten Jahren nahm die Zahl aber deutlich zu: Allein in den 90er Jahren wurden rund 100 Pottwale in der Nordsee registriert.
Wenn die Wale ins flache Wasser schwimmen, sind sie in großer Gefahr. Liegen sie auf Sand auf, so können sie durch ihr großes Eigengewicht innere Verletzungen erleiden. Liegen sie auf der linken Seite, so gerät das Blasloch unter Wasser und die Lungenatmer ersticken. Schwimmt der Wal noch frei, so besteht die Hoffnung, ihn dadurch zu retten, dass man den Wal durch den Lärm von Bootsmotoren wieder hinaus auf das offene Meer treibt.
Im Januar 1998 gelang es Greenpeace, zusammen mit der Wasserschutzpolizei, drei von sechs verirrten Pottwalen vor St. Peter Ording wieder ins tiefere Wasser zu leiten und damit vor dem Tod am Strand zu retten.
Bisher ist unbekannt, wie sich Wale auf ihren Wanderungen genau orientieren. Klar ist nur: Wenn sie in die Nordsee gelangen, haben sie sich nördlich von Großbritannien verschwommen. Anstatt nordwestlich an Schottland und Irland vorbei zu schwimmen, haben sie den Weg östlich gewählt und mussten nun über den Ärmelkanal Richtung Azoren schwimmen.
Über die Gründe des Verirrens und Strandens gibt es zahlreiche Theorien:
V.i.S.d.P.: Thilo Maack
Stand: 01/2010