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Stellungnahme zum Spiegel-Artikel Fehlerhafte Fisch-Fibel von Greenpeace

Der Spiegel-Artikel Fehlerhafte Fisch-Fibel von Greenpeace vom 14. Dezember 2009 stellt die Fakten zu unserem Fischratgeber verkürzt und nicht korrekt dar. Greenpeace bewertet in seinem Ratgeber "Fisch - beliebt, aber bedroht" bereits im zweiten Jahr sehr detailliert einzelne Fischbestände/Fischereien. Insgesamt werden 70 Arten und 250 Fischbestände bewertet. Im Folgenden finden Sie detaillierte Antworten auf die unwahren Behauptungen, die in dem Spiegel-Artikel aufgeworfen werden.

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Behauptung im Spiegel-Artikel: Der Ratgeber gibt zum Teil falsche Tipps und verbreitet Panik.

Klarstellung Greenpeace: Es ist unwahr, dass der Ratgeber Fisch - beliebt, aber bedroht falsche Tipps gibt oder Panik verbreitet. Der Ratgeber spiegelt die Situation der weltweiten Fischbestände wider, deren Situation dramatisch ist. So schreibt die Welternährungsorganisation (FAO):

  • 52 Prozent der weltweiten Fischbestände werden bis an ihre Grenze genutzt,
  • 19 Prozent sind überfischt und
  • 8 Prozent sind bereits erschöpft.

Auch bei den Fischbeständen in den europäischen Gewässern sieht es nicht besser aus. Laut Europäischer Kommission sind 88 Prozent der europäischen Speisefischbestände überfischt.

Die Kritik am Greenpeace-Fischratgeber durch das Institut für Seefischerei, welches das Fischereiministerium berät, ist auf ein unterschiedliches Verständnis einer nachhaltigen Fischerei zurückzuführen. Für Greenpeace ist eine nachhaltige Fischerei deutlich mehr als ein gesunder Zustand des Fischbestandes, wie es die Fischereibiologen häufig interpretieren. Die im Fischratgeber angewandte umfangreichere Bewertungsmethode hat Greenpeace zusammen mit Wissenschaftlern entwickelt. Zur Bewertung gehören der Zustand des Fischbestandes ebenso wie zum Beispiel die Fangmethode und der Beifang.

Eine nachhaltige Fischerei hält den Bestand der Zielart auf einem gesunden Niveau, ohne andere Arten des Ökosystems negativ zu beeinflussen. So werden durch eine nachhaltige Fischerei andere Arten weder getötet noch ihre Nahrunsgquellen beziehungsweise ihr Lebensraum zerstört. Die Situation der weltweiten Fischbestände erfordert ein Fischereimanagement, was nicht nur die Fischbestände, sondern das gesamte Ökosystem betrachtet.

Behauptung im Spiegel-Artikel: So sollen Garnelen und Heringe aus der Nordsee vom Teller verschwinden, weil sie angeblich bedroht sind. In Wahrheit sind die Bestände gesund.

Klarstellung Greenpeace: Bei der Heringfischerei in der Nordsee liefert der nicht gesunde Zustand des Bestands den Hauptgrund für die Bewertung nicht zu empfehlen. Bei der Garnelenfischerei in der Nordsee ist es der sehr hohe Beifang, der bei dieser Art der Fischerei anfällt.

Behauptung im Spiegel-Artikel: Unverständlich sei zudem, warum der Kabeljau auf der Roten Liste stehe (...) Im Nordostatlantik befinden sich die Bestandszahlen derzeit auf einem Rekordhoch wie seit den sechziger Jahren nicht mehr. Die Lage wird dramatischer dargestellt, als sie ist.

Klarstellung Greenpeace: Auch beim Kabeljau bezieht sich die Bewertung nicht ausschließlich auf den Zustand des Bestandes, sondern auch zum Beispiel auf die Fangmethode. Da es aber gesunde Kabeljaubestände gibt, sind auch genau diese als empfehlenswerte Alternative in dem Ratgeber detailliert ausgeführt.

Behauptung im Spiegel-Artikel: Ein offizielles ganzjähriges Fangverbot für Makrelen, wie in der Broschüre behauptet, bestehe allerdings in der Tat nicht.

Klarstellung Greenpeace: Die Makrele ist überwiegend empfehlenswert. Makrelen aus dem Skagerrak/Kattegat und der Nordsee sollte man lieber meiden, da das bereits vorhandene ganzjährige Fangverbot vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) für diese Bestände weiterhin empfohlen wird.

Behauptung im Spiegel-Artikel: Greenpeace (will) die Scholle vom Speisezettel verbannt sehen (...). Dieser Plattfisch bewegt sich in biologisch sicheren Grenzen, er ist nicht bedroht.

Klarstellung Greenpeace: Der Bestand der Scholle in der Nordsee ist zwar in einem guten Zustand, aber sie werden mit Baumkurren (eine Art Grundschleppnetz) gefangen. Bei dieser Fangmethode wird der Meeresboden umgepflügt und zerstört. Außerdem ist rund die Hälfte des Fangs nicht genutzter Beifang, der meist tot wieder über Bord geworfen wird. Aus Sicht von Greenpeace ist das keine nachhaltige Fischerei.

Behauptung im Spiegel-Artikel: Auch bei der Einschätzung der Aquakultur gibt es Streit. Greenpeace preist neben Karpfen und der Forelle auch den Verzehr von Pangasius. Dieser Farmfisch wird in Vietnam in Abertausenden Teichen und Schwimmkäfigen gehalten. Die Weltproduktion stieg in den letzten Jahren von 10000 auf 1,1 Millionen Tonnen. Man behandelt die Tiere oft mit Antibiotika. Ihr Kot zerstört sensible Naturräume, zudem gibt es viele illegale Zuchtanlagen (...). Greenpeace dagegen hält die Situation in Vietnam für erträglich.

Klarstellung Greenpeace: Greenpeace empfiehlt Pangasius nicht uneingeschränkt. Der Ratgeber weist deutlich darauf hin, dass Pangasius aus Öko-Aquakulturen zu bevorzugen ist. Greenpeace hat sowohl die ökologischen als auch die konventionellen Aquakulturen in Vietnam bewertet. Bei den konventionellen gibt es bezüglich der Verschmutzung und des Futters Bedenken. Die vorhandene Datenlage führte zwar nicht zu einer rot-Bewertung, aber die Bedenken gegen die konventionellen Aquakulturen haben uns veranlasst, die ökologischen Aquakulturen bevorzugt zu empfehlen.

Publikationen

Kurzinfo: Überfischung

Lange Zeit galten die Fischbestände in den unendlichen Weiten der Meere als unerschöpfliche Reichtümer. Doch seit industrielle, hochmodern ausgestattete Fangflotten die Ozeane plündern, schrumpfen die Bestände dramatisch.

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