Greenpeace-Aktion gegen Plastik in Kosmetik vor Beiersdorf-Hauptversammlung

Nivea in Erklärungsnot

Bei der Hauptversammlung des Kosmetikherstellers Beiersdorf machten Greenpeace-Aktivisten heute auf Plastik in Nivea-Produkten aufmerksam – und hinterließen Eindruck.

  • /

Update vom 21. April 2017:

Im Verlauf der Hauptversammlung hatte Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meere, noch Gelegenheit, selbst vor den Aktionären zu sprechen und einen Appell an den Vorstand zu richten: In Beiersdorf-Produkten wie Nivea kommen nach wie vor Plastikpartikel sowie Kunststoffe in flüssiger und anderer Form zum Einsatz – dennoch bezeichne Beiersdorf seine Produkte als „mikroplastikfrei“ und pflege gleichzeitig ein Image als innovatives, vertrauenswürdiges und verbrauchernahes Unternehmen. Das passe nicht zusammen. Dafür gab es vom Plenum großen Beifall. Das Thema beschäftigte die Aktionärsversammlung sogar mehrfach: Zwei Vorredner brachten das Problem Plastik in Kosmetik ebenfalls vor, eine Aktionärin machte dabei deutlich: „Ich will in meinen Cremes und Shampoos kein Plastik, egal ob fest oder flüssig!“

Dass es zu dem Redebeitrag von Greenpeace kam, war nicht selbstverständlich: Nur auf Einladung eines Beiersdorf-Aktionärs durfte Sandra Schöttner an der Versammlung teilnehmen und dort für saubere Meere und Kosmetik ohne Plastik eintreten. Der langjährige Greenpeace-Förderer sagt dazu: „Natürlich möchte ich mit meinen Aktien Gewinne machen. Aber ich möchte auch, dass Beiersdorf ein sauberes Unternehmen ist.“ Diese Einstellung fand Zustimmung bei weiteren Aktionären, die sich nach dem Greenpeace-Redebeitrag spontan am Rande der Veranstaltung austauschten.

Auf der Aktionärsversammlung bot Beiersdorf an, sich mit Greenpeace an einen Tisch zu setzen, um weitere Schritte zu beraten – auch ein Erfolg jener Aktionäre, die „ihren“ Konzern zum Umdenken bewegen wollen. Auf einen konkreten Gesprächstermin wartet Greenpeace jedoch bis heute.

______________________________________________________________________________

Bei Hauptversammlungen von Börsenunternehmen gibt es immer Gesprächsbedarf: Einmal im Jahr muss der Vorstand den Aktienhaltern Rede und Antwort stehen. So auch Beiersdorf heute in den Hamburger Messehallen. Greenpeace-Aktivisten nutzten am Morgen die Gelegenheit, den Aktionären des Kosmetikherstellers hierfür ein paar Fragen mit auf den Weg zu geben. Denn in seinen Produkten verwendet das Unternehmen weiterhin Kunststoffe, die nicht zweifelsfrei umweltverträglich sind – obwohl es Alternativen gibt. Da muss die Frage erlaubt sein: Warum ist in Nivea so viel Plastik?

Die Umweltschützer demonstrierten vor dem Tagungsgebäude mit Bannern und sprachen mit den Besuchern der Veranstaltung. Die nicht ganz überraschende Erkenntnis: Niemand möchte Kunststoff in Kosmetik. Etwas bemerkenswerter: Vielen ist das Problem gar nicht bewusst.

Was sind die Folgen von Plastik in Kosmetik?

Umso wichtiger, dass Greenpeace über die Folgen von Plastik in Kosmetik aufklärt. Denn die Inhaltsstoffe landen über den Abfluss im Bad und unsere Flüsse letztlich im Meer; um von Kläranlagen herausgefiltert zu werden, sind die Kunststoffpartikel häufig zu klein. Durch ihre Beschaffenheit lagern sich in den Ozeanen Giftstoffe daran an. Kleintiere und Fische verschlucken diese Schadstoffcocktails, über die Nahrungskette gelangen sie auf unsere Teller.

Im sogenannten Kosmetikdialog mit der Bundesregierung hat sich die Kosmetikindustrie zwar zum Verzicht auf Mikroplastik bekannt, aber das ist in großen Teilen Augenwischerei, wie ein aktueller Hersteller-Check von Greenpeace befand. Was unter den Begriff Mikroplastik fällt, bestimmen die Firmen nämlich selbst, mit teils abenteuerlichen Ausnahmen. Flüssiges, gel- oder wachsartiges Plastik kommt in den Definitionen überhaupt nicht vor. Was diese Stoffe in der Umwelt anrichten, ist noch überhaupt nicht zufriedenstellend erforscht.

Beiersdorf: Keine Antworten auf drängende Fragen

Vor der Messe persifliert ein Greenpeace-Banner ein Nivea-Werbemotiv mit dem Spruch „Mama, was ist eigentlich Acrylate Crosspolymer?“ Das ist sogar relativ leicht zu beantworten: ein „Hilfsstoff (Verdicker) zur Stabilisierung von Emulsionen und tensidischen Systemen“, so eine Beiersdorf-eigene Seite. Anders gesagt: Plastik.

Warum der Konzern weiterhin umweltschädliche Kunststoffe in seine Produkte mischt, ist eine weit schwierigere Frage. Aber sie wird nun auch von den Aktionären gestellt. Gleich der erste Redebeitrag aus dem Plenum zielt auf Plastik ab: Eigentlich sei der Redner davon ausgegangen, dass Beiersdorf mittlerweile mikroplastikfrei produziere, durch ein Greenpeace-Flugblatt am Eingang wisse er aber nun, dass in der Produktion weiterhin Kunststoffe verwendet würden. Wie könne das sein? Eine Antwort von Beiersdorf steht noch aus – die Halle reagierte auf das resolute Nachfassen schon einmal mit Applaus.

>>> Fordern Sie ein gesetzliches Verbot von Plastik in Kosmetik – schicken Sie hier eine Protestmail an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks!

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Baby-Brei fürs Fischgericht

In China werden jährlich vier Millionen Tonnen junger Wildfische zu Brei zermahlen und an Fische in Aquakulturen verfüttert. Ein Desaster für das Ökosystem Meer.

Genug geredet

Umweltpolitiker der G20-Staaten tagen in Bremen zum Thema Plastik im Meer. Doch haben sie die richtigen Lösungen für das Problem? Greenpeace-Aktivisten treiben sie zum Handeln an.

Post per Flaschenzug

37.000 hatten ihr geschrieben, nun traf die Post ein. Greenpeace überreichte Umweltministerin Barbara Hendricks die Karten von Menschen, die fordern: Plastik raus aus Kosmetik!

Infokarte: Plastik in Kosmetik