Medienberichten zufolge hat Fischereiminister Svein Ludvigsen dem norwegischen Parlament nahegelegt, die Quote aufzustocken. Dieses wiederum erließ am Dienstag eine unverbindliche Resolution, die das Herz der Walfänger höher schlagen ließ: Die Regierung solle die Fangquote so schnell wie möglich und beträchtlich erhöhen.
In der Resolution heißt es weiter, Robben und Wale würden jährlich mindestens 5,5 Millionen Tonnen Fisch und Krill fressen - das Doppelte von dem, was die norwegischen Fischer fangen. Schon einen einzigen Minkewal zu töten, erhöhe den Ertrag der Fischer um fünf Tonnen Kabeljau oder Hering.
Die Meldung kommt wenige Tage, nachdem eine neue kanadische Studie für Aufregung gesorgt hatte. Sie belegt, dass Menschen und Meeressäugetiere sich beim Beutefang kaum in die Quere kommen. Kristin Kaschner von der University of British Columbia hat herausgefunden, dass rund 99 Prozent der Futterplätze von Meeressäugern in Regionen mit wenig Fischfang liegen.
Dass Wale, dort wo sie fressen, viel fressen, ist unbestritten. Seltsam ist nur, dass erstens das ökologische Gleichgewicht dadurch nie in Gefahr geraten ist und zweitens die drastische Dezimierung der Wale im 20. Jahrhundert zu keinem deutlichen Anstieg des Fischvorkommens geführt hat.
Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace, weist auf eine weitere Merkwürdigkeit im norwegischen Vorgehen hin: Die Norweger konnten die Quote schon letztes Jahr nicht erfüllen, weil sie gar nicht genug Minkewale gefunden haben. Umso absurder ist es, diese Quote noch weiter zu erhöhen. Das kann nur als schlichte Provokation gewertet werden.
Wale als Plünderer - Ein modernes Märchen
Die Studie von Kristin Kaschner: Modeling And Mapping Trophic Overlap Between Marine Mammals And Commercial Fisheries In The North Atlantic