
In den Netzen fanden die Aktivisten überwiegend jungen Dorsch. Noch keiner der gefangenen Fische hatte das fortpflanzungsfähige Alter erreicht. Die östlichen Dorschbestände sind vom Aussterben bedroht. Wissenschaftler haben deshalb ein Fangverbot für den Dorsch in dieser Gegend empfohlen. Doch die Europäische Union hat für das kommende Jahr eine Quote von 38.000 Tonnen freigegeben
, sagt Ida Udovic, Meeresexpertin von Greenpeace an Bord der Arctic Sunrise.
Greenpeace-Aktivisten entdeckten zudem zwei Fischerboote in der Verbotszone für Dorschfang. An Bord der Schiffe fanden sie hunderte Kilo Dorsch, die Netze tropften noch. Dennoch behaupteten die Fischer, den Fisch weit weg im westlichen Teil der Ostsee gefangen zu haben.
Auf den Schiffen fanden die Aktivisten außerdem Verpackungskartons von Europas größtem Dorschlieferanten: Espersen A/S aus Dänemark. Bereits im Jahr 2001 wurde von Espersen illegal gefangener Dorsch aus der Ostsee verarbeitet. Die Strafe für das Unternehmen damals: 134.000 Euro.
Anfang 2006 wurde Espersen erneut erwischt: Dieses Mal bezog der Lieferant illegal gefangenen Dorsch aus der Barentssee. Espersen behauptete, über die wahre Herkunft des Dorsches nichts zu wissen - so kam es nicht zu einer Anklage.
Vermutlich arbeitet Espersen mit den Schiffen zusammen, wo wir an Bord waren
, sagt Udovic. Klar ist: Kein Unternehmen, das seinen Dorsch von Espersen erhält, hat eine Garantie dafür, dass dieser legal gefangen wurde. Jeder dritte gefangene Dorsch aus der Ostsee ist illegal gefangen.
Die Fahrt der Arctic Sunrise durch die Ostsee ist Teil der Expedition SOS Weltmeer. Ziel ist es, auf die Piratenfischerei in der Region aufmerksam zu machen. Greenpeace fordert ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten, damit sich die Fischbestände erholen können und um den illegalen Handel mit Fisch zu beenden. Erst dann werden sich die Dorschbestände erholen können. Auch das Greenpeace-Schiff Esperanza ist derzeit gegen die Piratenfischerei aktiv. Es ist im Pazifik unterwegs.
(Autorin: Cindy Roitsch)