
Vergleichsweise unbedenklich ist der traditionelle Silvesterkarpfen, solange er aus deutscher Öko-Aquakultur stammt. Bei vielen Wildfischarten, Kabeljau oder Rotbarsch zum Beispiel, sieht es jedoch ganz anders aus: 88 Prozent der europäischen Fischbestände sind bereits überfischt und damit massiv bedroht. Die Fangflotte der EU ist zu groß, die Schiffe sind technisch so weit hochgerüstet, dass sie zu viele Fische fangen. Die erlaubten jährlichen Höchstfangmengen richten sich noch immer nicht nach wissenschaftlichen Empfehlungen.
Die Europäische Kommission hat diesen Zustand wahrgenommen und verspricht zu handeln. Nächstes Jahr soll das politische Instrument der Fischerei in Europa, die gemeinsame Fischereipolitik der EU, nach zehn Jahren reformiert werden. Auf der Agenda stehen vor allem der Abbau der Überkapazitäten der Fischereiflotte und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände.

Das Gelingen der Reform hängt dabei im politischen Prozess vor allem von dem Willen der EU-Mitgliedstaaten ab. Es wird in der Verantwortung der zuständigen Minister liegen, sich gegen die kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile der Überfischung auszusprechen und sich zu einem wirksamen Schutz unserer Bestände zu bekennen. Hier muss die deutsche Regierung als starke Stimme Europas eine Vorreiterrolle einnehmen.
Da die Neuausrichtung der gemeinsamen Fischereipolitik der EU kommendes Jahr vielleicht die letzte Chance für viele Fischbestände in unseren Gewässern sein könnte, setzt sich Greenpeace aktiv für den europäischen Meeresschutz ein. Wir fordern konkrete Maßnahmen für einen Kapazitätsabbau der Fischereiflotte, ein auf Nachhaltigkeit beruhendes Fischereimanagement sowie die Errichtung von Meeresschutzgebieten, die nicht bloß auf dem Papier existieren.
Und genau dafür muss sich die Bundesregierung in Brüssel stark machen. Ganz klar ist: Nur durch den Abbau der Überkapazitäten der Fischereiflotte können wir ein nachhaltiges Fischereimanagement erreichen und damit auch eine Zukunft sichern - für Fische und Fischer gleichermaßen.
(Umweltkolumne von Brigitte Behrens, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland)