
Viele Menschen mögen überrascht sein, weil Greenpeace seit zwei Jahren kein Schiff mehr gegen den japanischen Walfang in die Antarktis geschickt hat.
Wir haben stattdessen an der Basis gearbeitet - in Japan. Das mag weniger sensationell sein. Doch den Walfang werden wir letztendlich nur stoppen, wenn wir die Herzen und Köpfe der Menschen in Japan gewinnen. Dafür muss die japanische Öffentlichkeit die Wahrheit darüber erfahren, wer ein Interesse an der Fortführung des Walfangs hat. Der Walfang ist durchsetzt von Korruption und Unterschlagung. Ich weiß das, mir drohen zehn Jahre Gefängnis, weil ich es offengelegt habe.
Die Greenpeace-Expeditionen in den Südlichen Ozean haben den notwendigen internationalen Druck hervorgerufen, besonders in Australien. In Japan lösten sie gerade mal ein kleines Plätschern aus. Die begrenzten Informationen, die die Japaner erreichen, stammen aus der regierungsgestützten Ecke des Walfangs, dem Institut für Walforschung.
Die Australier wären erstaunt, wenn sie wüssten, wie wenig die japanische Öffentlichkeit tatsächlich über den Walfang weiß. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie hat gezeigt: Mehr als 92 Prozent der Japaner wissen nicht, dass die Regierung jedes Jahr Hunderte von Walen im antarktischen Walschutzgebiet töten lässt. Und lediglich fünf Prozent der Japaner essen heutzutage Walfleisch.
Obwohl nur wenige Japaner Walfleisch essen und noch weniger vom Verkauf profitieren, hat das Walforschungsinstitut den Walfang erfolgreich als Gegenstand nationalen Stolzes vermarktet. Erst vor kurzem hat es Aktionen gegen die Walfangflotte als kulturelle Attacken hingestellt. Das wurde von den weitgehend walfangfreundlichen Medien aufgegriffen. Und es rief eher nationalistische Gegenreaktionen hervor als Sympathien für die Wale. Deshalb hat Greenpeace entschieden, seine Kampagne auf Japan zu konzentrieren. Wir müssen zeigen, dass der Walfang ein innerstaatliches Thema ist und dass er ein Abflussrohr ist, durch das öffentliche Gelder wegfließen.
Die Walfangindustrie kostet die Japaner jährlich mehr als 1,2 Milliarden Yen (etwa 15 Millionen Dollar) aus Steuergeldern. Weitere Billionen fließen aus dem Entwicklungshilfe-Etat, um Staaten für eine Mitgliedschaft in der IWC zu ködern. Dazu kommen 3,2 Milliarden Yen an ausstehenden Staatsdarlehen für das Walforschungsinstitut.
Greenpeace ist die Heimlichtuerei innerhalb der Walfangindustrie 2008 frontal angegangen. Wir haben Beweise für einen riesigen Walfleischskandal veröffentlicht: Walfänger haben ausgewählte Fleischstücke abgezweigt und auf dem schwarzen Markt verkauft. Sie haben Profit gemacht mit einem Programm, das vom Steuerzahler finanziert wird. Das hat in Japan Schlagzeilen gemacht und die Industrie aufgeschreckt. Mein Kollege Toru Suzuki und ich haben die Unterschlagung aufgedeckt, indem wir den Behörden illegalen Walspeck übergaben, der heimlich im Pappkarton transportiert worden war. Die Antwort der Regierung war heftig.
Die Wenigen, die vom Walfang profitieren, sind in der Regierung sehr mächtig. Anstatt die Walfangindustrie zu untersuchen, führte die Regierung Razzien in Greenpeace-Büros durch und verhaftete Toru und mich. Wir waren 26 Tage inhaftiert und warten noch auf unser Verfahren. Uns drohen zehn Jahre Haft, weil wir das Eigentum eines Walfängers gestohlen hätten.
Unsere Graswurzelkampagne gegen den Walfang in Japan war am erfolgreichsten, als wir die Bevölkerung über die Milliarden informierten, mit denen die Walfangindustrie subventioniert wird, über die Vergeudung öffentlicher Gelder, um Wale zu töten, deren Fleisch niemand essen will. Das ist die Botschaft, die die Japaner brauchen.
Die Rudd-Regierung kann den Druck verstärken, indem sie dafür sorgt, dass der Walfleischskandal von der IWC eingehend untersucht wird.
(Autor: Junichi Sato)