
Auf der englischen Insel Jersey hat am 11. Juli die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) begonnen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren deutet sich dort eine glückliche Wende für die Großwale an. Ein Vorstoß vom vergangenen Jahr, wieder offizielle Fangquoten zu vergeben, ist vom Tisch - auch dank der aktiv vertretenen deutschen Walschutzverpflichtung.
Ganz anders sieht es beim Schutz der kleinen Wale in den Meeren vor unserer Haustür aus. In deutschen Nord- und Ostseeschutzgebieten soll die Stellnetzfischerei weiterhin erlaubt sein. Ihr fallen jedes Jahr hunderte Kleinwale zum Opfer. Einzige Gegenmaßnahme sollen sogenannte Pinger sein, akustische Scheuchvorrichtungen, die die Wale aus den Stellnetzgebieten vertreiben.
Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, konsequent zu sein. Man kann sich bei der IWC nicht für den Walschutz feiern lassen, um dann zu Hause den Tod von Kleinwalen in Kauf zu nehmen
, sagt Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace. Die Pläne des BMELV sind eine Rückwärtsrolle für den Meeresumweltschutz. Vor einem Jahr beschloss der deutsche Bundestag parteiübergreifend, sich in der EU für einen konsequenten Walschutz einzusetzen. Die Vorschläge des Aigner-Ministeriums ignorieren den Beschluss.

Vor sieben Jahren wies die damalige Bundesregierung über ein Drittel der deutschen Nord- und Ostsee als Beitrag für das Schutzgebietsnetzwerk Natura-2000 aus. Einige der Gebiete, wie zum Beispiel das Sylter Außenriff, wurden dabei wegen der besonderen Rolle für das Überleben der einzigen deutschen Walart ausgesucht, der Schweinswale.
Eine Arbeitsgruppe des Umwelt- und des Wirtschafts- und Verbraucherschutzministeriums hat Vorschläge erarbeitet, wie mit der Fischerei in den Schutzgebieten zu verfahren ist. Während die Umweltseite konsequenten Walschutz fordert, lehnt das für die Fischerei verantwortliche BMELV ein ganzjähriges Stellnetzverbot ab. Statt der Netze sollen die Schweinswale verschwinden. Mit den lauten Tönen der Pinger werden die Tiere aus den Schutzgebieten - also aus ihren Lebens- und Nahrungsgründen - vertrieben.

Die gemeinsame europäische Fischereipolitik durchläuft zurzeit einen Reformprozess, der Ende 2012 abgeschlossen sein soll. Greenpeace fordert den Abbau der riesigen Überkapazitäten in der Fischfangflotte, wissenschaftsbasierte Fangquoten, die konsequente Kontrolle der Fischereigesetze und die Ausweisung großflächiger Meeresschutzgebiete, in denen keine Fischerei stattfindet. Nur so können sich die überfischten Bestände und die Meeresnatur erholen. Ein Test für den Erfolg der Reform und die Position der Bundesregierung ist das Überleben der Schweinswale in Nord- und Ostsee.