Teilerfolg: EU setzt Zulassung für Fischfutter-Zusatz Ethoxyquin aus

Mit Wenn und Aber

Greenpeace-Untersuchungen im vergangenen Dezember belegten teils große Mengen eines Pflanzenschutzmittels in Fischprodukten. Die EU reagiert nun – aber nicht konsequent genug.

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Es ist nicht unbedingt einfach, das Amtsblatt der Europäischen Union bis ins Letzte zu verstehen. In dem offiziellen Veröffentlichungsblatt der EU werden Verordnungen, Richtlinien, Entscheidungen und Beschlüsse verlautbart, entsprechend strotzen die Seiten vor Amtssprache. So muss man auch in der Ausgabe vom 8. Juni im sperrig betitelten Abschnitt „Durchführungsverordnung (EU) 2017/962 der Kommission vom 7. Juni 2017 zur Aussetzung der Zulassung von Ethoxyquin als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten und Tierkategorien“ eine Weile nach der eigentlichen Nachricht suchen. Die steht als Nebensatzungetüm auf Seite 15: „Die Zulassung (…) für den Zusatzstoff Ethoxyquin (…) wird ausgesetzt.“

Als Futterzusatz darf das Pestizid Ethoxyquin damit nicht länger neuen Produkten beigemengt werden. Die Verordnung tritt 20 Tage nach der Veröffentlichung in Kraft – das ist heute.

Was ist Ethoxyquin?

Die Chemikalie ist ein Pflanzenschutzmittel, das in der Landwirtschaft bereits seit 2011 verboten ist, dafür aber in der Fischzucht verwendet wird – und zwar um Futter, insbesondere Fischmehl, haltbar zu machen. Greenpeace untersuchte Ende vergangenen Jahres im großen Maßstab Fischprodukte und fand in allen Proben aus konventioneller Fischzucht Rückstände von Ethoxyquin. Dass die EU nun reagiert, ist auch eine Folge der großen öffentlichen Empörung nach der Greenpeace-Veröffentlichung. Viele Verbraucher schrieben an ihre Supermärkte und baten sie um Aufklärung.

Warum ist das eine gute Nachricht?

Zunächst einmal ist es ein Unding, dass Fischprodukte Pflanzenschutzmittel enthalten. Das ist nicht bloß unappetitlich, sondern könnte auch der Gesundheit schaden. So genau weiß das allerdings niemand – wie Ethoxyquin auf den menschlichen Körper wirkt, ist kaum erforscht. Was wir an Erkenntnissen haben, stammt aus Tierversuchen. Der Toxikologe Prof. Dr. Edmund Maser erklärte im Interview, wie der Stoff zum Beispiel auf Hunde wirkt: „Es kam zu Schilddrüsenfunktionsstörungen, zu Störungen von Leber und Niere, auch bei der Fortpflanzung der Tiere gab es Probleme.“ Nichts, was man gerne auf seinem Teller hätte.

Nur ein Teilerfolg für den Verbraucher

Es handelt sich bei der Verordnung aber nicht um ein Verbot: Die Zulassung ist lediglich ausgesetzt, Futterzusätze, die neu auf den Markt kommen, dürfen demnach kein Ethoxyquin enthalten. Die mit der Chemikalie belasteten Futtermittelzusätze, die es schon gibt, bleiben allerdings vorerst im Verkauf. Bis 2019 dürfen sie weiterhin verwendet werden, dann will die EU erneut über die Ethoxyquin-Zulassung entscheiden. „Die lange Übergangsfrist für die Fischindustrie ist überzogen“, sagt Thilo Maack, Greenpeace-Experte für Meere. Die Verordnung greife viel zu kurz: „Solange nicht zweifelsfrei geklärt ist, dass Ethoxyquin keinen Schaden bei Mensch, Tier und Umwelt verursacht, muss die Chemikalie komplett vom Markt.“

Auch später in der Verwertungskette müssen Maßnahmen greifen, um die Verbraucher vor möglichen Gesundheitsfolgen zu schützen. „Die EU-Kommission sollte zumindest eine Ethoxyquin-Höchstmenge für Aquakulturprodukte festlegen, wie sie für Fleischprodukte längst gängige Praxis ist“, so Maack. Bei Fleisch sind höchstens 50 Mikrogramm pro Kilogramm erlaubt – im Greenpeace-Test aus dem vergangenen Dezember lagen 32 von 54 Fischproben über diesem Wert.

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