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Steine schützen Schutzgebiet

Mit tonnenschweren Felsbrocken schützen Greenpeace-Aktivisten erneut das Sylter Außenriff vor zerstörerischer Fischerei. Die Greenpeacer setzen von Bord ihres Aktionsschiffes Beluga II eine Arbeit fort, die sie 2008 westlich vor Sylt begonnen hatten. Der Grund: Das Gebiet ist ein ausgewiesenes Schutzgebiet, in dem noch immer zerstörerische Aktivitäten wie Fischerei mit Grundschleppnetzen oder Sand- und Kiesabbau erlaubt sind.

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Unsere Natursteine schützen das Gebiet wirksam vor Schleppnetzfischerei, Sand- und Kiesabbau, sagt Thilo Maack, Meeresbiologe von Greenpeace. Die aktuell vorliegenden Pläne der Bundesregierung sehen für diese Abschnitte des Sylter Außenriffes hingegen überhaupt keine Schutzmaßnahmen vor.

Mit Natursteinen gegen zerstörerische Fischerei

2008 ist Greenpeace gegen die Untersagungsverfügung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) vor Gericht gezogen. Seither beraten die Gerichte um die Rechtmäßigkeit der Aktionen. Auch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) Leipzig hat letzte Woche diese Frage wieder offen gelassen. Zwar hat es geurteilt, dass die Wasser und Schiffahrtsdirektion berechtigt war, im September 2008 gegenüber Greenpeace eine Untersagungsverfügung zu erlassen.

Doch die Frage, ob das Einbringen von Steinen, die auch natürlich in dem Gebiet vorkommen, gegen das Verbot verstoße, Gegenstände in die Hohe See einzubringen oder nicht, wurde an das Verwaltungsgericht Schleswig zurückverwiesen. Greenpeace hatte die sogenannte London Convention für den Schutz der Meere unter anderem mit der Brent Spar-Kampagne 1995 erkämpft.

Damit geht es endlich um den Kern der Sache, sagt Maack. Mit dem Protest haben Greenpeace-Aktivisten auf den mangelhaften Meeresschutz in Deutschland hingewiesen. Die Tauchexpeditionen der letzten Jahre zeigen deutlich, dass die Greenpeace-Steine vielen Meerestieren eine neue Heimat bieten und das natürliche Riff vor Sylt erweitern.

Die Greenpeace-Natursteine sind Teil des natürlichen Riffs

Die im Sommer 2008 versenkten Steine sind inzwischen mit zahlreichen Meeresorganismen bewachsen und Teil des natürlichen Riffs vor Sylt geworden. Greenpeace-Taucher untersuchen regelmäßig die Flora und Fauna auf den versenkten Felsbrocken und die umliegende Bodenfauna.

Riffe haben generell eine wichtige ökologische Funktion. Sie sind Lebensraum und Kinderstube mit hoher Artenvielfalt. Zudem sind sie Laichplatz von Fischen und bieten Nahrung für Vögel und Meeressäugetiere wie dem Schweinswal.

Auch in den Niederlanden haben Greenpeacer vor einigen Wochen Steine mit metergroßen Seepferdchen-Skulpturen vor der Nordseeküste versenkt. Die Klaverbank ist zwar als NATURA 2000-Schutzgebiet ausgewiesen, doch wird auch dort der Meeresboden weiter durch die Grundschleppnetzfischerei zerstört.

Die Europäische Fischereipolitik (GFP) soll bis Ende 2012 reformiert werden. Und da die Bundesregierung untätig ist, fordert Greenpeace den Abbau der Überkapazitäten in der Fischfangflotte, wissenschaftsbasierte Fangquoten und die Ausweisung großflächiger Meeresschutzgebiete; in denen keine Fischerei stattfindet. Denn nur so können sich die überfischten Bestände erholen und ein langfristiges Überleben des Fischereisektors gewährleistet werden.

Unter dem Text finden Sie eine Karte zum Sylter Außenriff.

Update 17.08.2011:

Der Umwelt- und Agrarausschuss des Schleswig-Holsteiner Landtages in Kiel hat am Mittwoch, 17.08.2011, über die Auswirkungen und das Gefahrenpotential – unter anderem für die Fischerei – der durch Greenpeace in die Nordsee vor Sylt versenkten Felsbrocken beraten. Für Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, ist die Lage klar: Die Bereiche der versenkten Steine sind den Fischern bekannt. Sie liegen im Gebiet der seltenen Sylter Steinriffe und sind in den aktuellen Seekarten eingezeichnet. Wie bei anderen Hindernissen und Gestein am Meeresboden sollten Fischer diese Bereiche meiden. Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU) hat offensichtlich ihre Verpflichtung vergessen, die Meere zu schützen. Sie und der Umweltausschuss sollten nicht über Steine diskutieren und an überholten Fangmethoden festhalten, sondern sich mit dem vollkommen unzureichenden Meeresnaturschutz auseinandersetzen.

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