Greenpeace-Schiff unterwegs im Schutzgebiet Sylter Außenriff

Die Spur der Steine

2008 und 2011 versenkten Greenpeace-Aktivisten Felsbrocken zum Schutz des Sylter Außenriffs. Die Crew der Arctic Sunrise sieht jetzt nach, was seitdem am Meeresgrund passiert ist.

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Vor wenigen Tagen erst war die Arctic Sunrise in der Nordsee unterwegs, um gefährliche herrenlose Fischernetze zu bergen. Und schon wieder ist sie zurück auf See. Derzeit kreuzt das Greenpeace-Aktionsschiff im Sylter Außenriff, um bestimmte Orte in dem Schutzgebiet genauer anzuschauen: Hier brachten Aktivisten vor mehreren Jahren Hunderte von tonnenschweren Findlingen aus. Wie Steine vor Umweltzerstörung schützen, welchen Beitrag sie zum Erhalt der Artenvielfalt leisten und warum Schutzgebiet nicht gleich Schutzgebiet ist – das erklären wir hier.

Warum ist das Sylter Außenriff besonders schützenswert?

Das Sylter Außenriff ist eine einzigartige Unterwasserwelt vor Deutschlands Küste: Zwischen Seenelken und Seesternen jagen Kegelrobben und Seehunde, nirgends in der Nordsee gibt es so viele Schweinswale wie hier. Auch zahlreiche Fischarten sowie seltene und bedrohte Seevögel leben hier. Völlig zu Recht ist dieses Gebiet mit seinen nahrungsreichen Sandbänken und farbenprächtigen Riffen also ein Schutzgebiet. Absolut widersinnig ist hingegen, dass darin Fischerei und Kiesabbau dennoch gestattet sind. Dadurch wird der Meeresboden buchstäblich umgepflügt, wichtiger Lebensraum zerstört – und mit ihm das kostbare und vielfältige Leben am Grund.

Wieso sind dann Fischerei und Kiesabbau dort überhaupt erlaubt?

Das Außenriff gehört seit 2006 zum EU-weiten Schutzgebietsnetz Natura 2000, das wirtschaftliche Nutzung nicht ausdrücklich ausschließt. Allerdings hätte Deutschland die damit verbundenen Auflagen in der Nordsee längst erfüllen müssen, etwa strengere Regeln für die Fischerei. Bislang ist in dieser Richtung wenig passiert. So wenig, dass die Europäische Kommission vergangenes Jahr sogar ein formales Vertragsverletzungsverfahren in Gang setzte. 

Wie hat sich Greenpeace bislang für das Sylter Außenriff eingesetzt?

Mit einer Menge Tatkraft! 2008 und 2011 versenkten Greenpeace-Aktivisten vom Schiff aus hunderte von tonnenschweren Natursteinen, sogenannte Findlinge, auf dem Meeresgrund: als Hindernis für Fischkutter. Aber auch an Land kämpft Greenpeace schon seit Jahren für den Schutz des Sylter Außenriffs: Unsere Meeresexperten begleiten aktiv den politischen Prozess für die nationale Unterschutzstellung der Natura-2000-Gebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone. Die sogenannte AWZ ist das Meeresgebiet jenseits des Küstenmeeres; in Umweltschutzfragen hat hier die Bundesregierung das Sagen, nicht das angrenzende Bundesland.

Wie schützen die Steine das Außenriff?

Die natürlichen Felsbrocken sind eine simple, aber wirksame Schutzvorrichtung gegen ausbeuterische Fischerei mit Grundschleppnetzen, die an dieser Stelle nichts zu suchen hat. Wer dennoch hier mit derartigen Netzen fischt, riskiert, sie zu zerreißen oder zu verlieren. Die Findlinge sind auf Seekarten verzeichnet, Gefahr für Fischkutter besteht keine.

Jetzt ist die Arctic Sunrise wieder im Außenriff unterwegs. Was macht sie da?

Das Greenpeace-Aktionsschiff begibt sich auf die Spur der versenkten Steine. Wie Greenpeace bereits 2011 dokumentierte, wirken die Felsbrocken unter Wasser nicht wie Fremdkörper, sondern bieten vielen Meerestieren einen attraktiven Lebensraum. Wovon sich Schleppnetzfischer gestört fühlen, kommt den Bewohnern des Riffs gerade recht: Anemonen, Krebse, Muscheln und viele weitere Meerestiere haben sich mittlerweile auf den Steinen angesiedelt – eine vielfältige, bunte Lebensgemeinschaft ist entstanden. Die Findlinge sind so ein wichtiger Teil des Meeresbodens geworden, das zeigen auch die aktuellen Bilder (Fotogalerie oben).

Wie geht es jetzt weiter im Schutzgebiet?

Natürlich kann nur ein Teil des Sylter Außenriffs mit solchen Maßnahmen vor industrieller Ausbeutung geschützt werden. Darum ist es unbedingt notwendig, dass die Bundesregierung endlich ihren europäischen Verpflichtungen nachkommt. Greenpeace arbeitet weiter zu Meeresschutzgebieten und lässt die Politik dabei nicht vom Haken.

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