Obwohl von der Bundesregierung bei der EU als “Natura 2000-Schutzgebiet“gemeldet, findet im Sylter Außenriff täglich zerstörerische, wirtschaftliche Nutzung statt. In diesem ausgewiesenen Meeresschutzgebiet wird nicht nur Sand und Kies abgebaut. Zusätzlich durchpflügen Fischereiflotten mit Grundschleppnetzen den Meeresboden dieses artenreichen Steinriffs. Außerdem gefährdet die Stellnetzfischerei vor allem in den Sommermonaten das Überleben der Schweinswale, für die das Sylter Außenriff ein Rückzugsgebiet sein soll.
Greenpeace hatte sich im Sommer 2008 entschlossen, im Sylter Außenriff hunderte Natursteine zu versenken. Die tonnenschweren Felsbrocken wirken wie ein Schutzschild und sollen zerstörerische Aktivitäten verhindern. Die Versenkungsgebiete finden sich jetzt auch in den aktuellen Seekarten der deutschen Nordsee wieder. Fischer, die ihren Beutezug planen, werden diese Gebiete meiden – das Sylter Außenriff hat den Schutz bekommen, den es verdient.

Die Hohe See nimmt weltweit 64 Prozent der Ozeane ein, doch ausgerechnet sie wird am wenigsten reguliert, kontrolliert und geschützt. Alle Meeresgebiete ab 200 Seemeilen vor den Küsten zählen zur Hohen See. Sie liegt außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer, gilt als weltweites Gemeingut und steht unter der Verwaltung des Seerechts der Vereinten Nationen.
In vielen Regionen der Hohen See fehlt bislang ein umfassendes Fischereimanagement. In anderen Regionen gibt es sogenannte Regionale Fischereimangement-Organisationen, denen aber der Schutz und die nachhaltige Nutzung wenig am Herzen liegt. Seit die meisten Küstengewässer leer gefischt sind, fahren die Trawler und schwimmenden Fischfabriken immer weiter hinaus, oft mehrere Monate am Stück, um auch noch die entlegensten Meeresgebiete auszuplündern.
Im Auftrag von Greenpeace erarbeitete der renommierte Meeresbiologe Prof. Callum Roberts von der britischen Universität York zusammen mit 40 Forschern einen Entwurf für ein repräsentatives globales Netzwerk von Meeresschutzgebieten auf der Hohen See. Es beinhaltet 29 einzelne Schutzgebiete, die zusammen 40,8 Prozent der Meeresoberfläche ausmachen und in dieser Größenordnung und Verteilung ausreichen sollten, um das gesamte Spektrum an verschiedenen Ökosystemen, Tier- und Pflanzenarten langfristig zu erhalten.
In Gebieten mit sehr beweglichen, also weit wandernden Arten, und in besonders sensiblen Lebensräumen wurden die Schutzgebiete größer bemessen. Grundsätzlich gilt: Die Populationen an Tieren oder Pflanzen müssen groß genug sein, um sich im Schutzgebiet untereinander fortpflanzen zu können, oder sie müssen mit Populationen anderer Schutzgebiete in Verbindung stehen.
Greenpeace hat seine „Hausaufgaben“ gemacht, detaillierte Vorschläge erarbeitet und veröffentlicht. Nun sind die Entscheider in Politik und Wirtschaft aufgefordert zu handeln.
(Autorin: Nicoline Haas)