Obwohl von der Bundesregierung bei der EU als “Natura 2000-Schutzgebiet“gemeldet, findet im Sylter Außenriff täglich zerstörerische, wirtschaftliche Nutzung statt. In diesem ausgewiesenen Meeresschutzgebiet wird nicht nur Sand und Kies abgebaut. Zusätzlich durchpflügen Fischereiflotten mit Grundschleppnetzen den Meeresboden dieses artenreichen Steinriffs. Außerdem gefährdet die Stellnetzfischerei vor allem in den Sommermonaten das Überleben der Schweinswale, für die das Sylter Außenriff ein Rückzugsgebiet sein soll.
Greenpeace hatte sich im Sommer 2008 entschlossen, im Sylter Außenriff hunderte Natursteine zu versenken. Die tonnenschweren Felsbrocken wirken wie ein Schutzschild und sollen zerstörerische Aktivitäten verhindern. Die Versenkungsgebiete finden sich jetzt auch in den aktuellen Seekarten der deutschen Nordsee wieder. Fischer, die ihren Beutezug planen, werden diese Gebiete meiden – das Sylter Außenriff hat den Schutz bekommen, den es verdient.

Die Nordsee gehört zu den beliebtesten Feriengebieten in Deutschland. Sie ist aber nicht nur Erholungsraum, sondern zeichnet sich durch Artenvielfalt und Fischreichtum aus. 230 Fischarten sind bisher bekannt. Millionen von Zugvögeln bietet die Nordsee mit ihren Weichböden, Sandbänken, Riffen, Felsküsten, Dünenlandschaften und Fjorden lebenswichtige Rast-, Überwinterungs- und Brutplätze.

In den ausgedehnten Flächen des Wattenmeers tummeln sich Milliarden von Würmern, Krebsen, Schnecken und Muscheln. Als Kinderstube für Fische wie Scholle und Seezunge hat dieses Gebiet überregionale Bedeutung. Einzigartig sind neben dem Wattenmeer auch die Doggerbank - eine Sandbank in der zentralen Nordsee - und die norwegische Rinne im Skagerrak mit Tiefen bis zu 700 Metern.
Die Nordsee ist ein flaches Rand- und Schelfmeer des Nord-Ost-Atlantiks. Vor allem durch die nördliche Verbindung zum Atlantik erfolgt ein Wasseraustausch. Dieser ozeanische Einfluss ist auch für den hohen Salzgehalt (35 g pro Liter) in der Nordsee verantwortlich.
Die Ostsee ist mit ihren 8.000 Jahren ein sehr junges Meer und fast vollständig vom Kontinent eingeschlossen. Ihr Wasser wird durch zahlreiche Flüsse gespeist - die einzige Verbindung zu salzreichem Wasser führt über die Nordsee. Daher ist der Salzgehalt in der Ostsee gering und nimmt zudem von West nach Ost ab; durch Zergliederung in viele separate Teilbecken findet kaum Wasseraustausch statt. Wegen all dieser Besonderheiten sind die Tier- und Pflanzenarten in der Ostsee nicht so vielfältig wie in der Nordsee. Ebenso mannigfaltig sind jedoch die Küstenformen: Hier wechseln sich Bodden-, Schären-, Nehrungs-, Kliff-, Dünenwall- und Fjordküsten ab.

Die Nordsee gehört zu den von der Fischerei am stärksten geplünderten Meeren. Pro Jahr werden hier 2,5 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte angelandet. Der Großteil davon geht auf das Konto dänischer Fischer (45 % der Fangmenge), gefolgt von Norwegen (22 %), Großbritannien (12 %) und Deutschland (5 %). Jedoch sind viele Fischbestände akut bedroht: Das gilt vor allem für Kabeljau, Wittling, Scholle und Seezunge. In der Ostseefischerei sind Hering, Dorsch und Sprotte sowie wegen des hohen Marktwertes auch Scholle und Lachs von Bedeutung. Aber auch hier sieht es düster aus: Dorsch und Scholle sind extrem überfischt. Früher hatten es die Fischer leichter: Die Doggerbank in der Nordsee war für ihre großen Heringsund Makrelenschwärme bekannt, in einer Stunde gingen bis zu 100 Zentner Fische ins Netz. Heute ist dieses Gebiet leergefischt. Bis in die späten 50er Jahre konnten noch Thunfische von mehr als drei Meter Länge aus der Nordsee gezogen werden. Nun sind sie verschwunden.
Längst vorbei sind die Zeiten, in denen kleine Fischerboote mit handgeknüpften Netzen zum Fang hinaus fuhren. Heute werden mit skrupellosen Methoden auch die letzten Fischschwärme geplündert. Die Scherrbretter der Grundschleppnetze und Scheuchketten der Baumkurren zerpflügen brutal den Meeresgrund. Sie erschlagen unzählige Meerestiere und begraben andere im Sandboden, die dort ersticken. Weitere Folge der skrupellosen Fangmethoden: Zig Tausende von Meerestieren wie Jungfische, Seesterne, Muscheln, Krebse, Vögel, ja sogar Haie und Wale, landen als Beifang in den Netzen. So gehen in der Nordsee beim Schollen-Fang für jede gefangene Scholle vier Tiere - weil zu klein - meist tot wieder über Bord. In der dänischen Stellnetzfischerei in Nord- und Ostsee sterben jährlich Tausende Schweinswale.

Welche Brutalität herrscht, zeigt auch die Industriefischerei (Gammelfischerei): Hier werden Meerestiere gefangen, um sie zu Fischmehl und -öl zu verkochen. Das Fischmehl landet in den Trögen von Schweinen und Hühnern oder wird in Aquakulturen an Lachse und Garnelen verfüttert. Neben der Ignoranz dem Lebewesen gegenüber eine pure Verschwendung: Für rund ein Kilo Lachs sind vier Kilo Fischmehl nötig.

Neben der Fischerei setzt die Öl- und Gasförderung der Nordsee zu. Rund 500 Plattformen gibt es heute; Tausende Kilometer Pipelines sind verlegt. Ölhaltiges Produktionswasser und Bohrschlämme gelangen in Wasser und Boden und gefährden Seevögel und Meerestiere. Beim Sand- und Kiesabbau vor allem in der südlichen Nordsee saugen Förderschiffe tonnenweise Meeresboden ein, Tausende Bodenbewohner finden dabei den Tod - zurück bleiben riesige Löcher.
Zudem nimmt der Schiffsverkehr rapide zu. Mehrere Hunderttausend Schiffe durchqueren die Nordsee pro Jahr, auch in der Ostsee sind es mehrere Zehntausend jährlich. Die Folge: wachsende Ölverschmutzung, Müll- und Schadstoffeinträge. In der Ostsee durchqueren bereits heute über 8.000 Tanker pro Jahr die Kadetrinne, eine schwer zu passierende Meerenge. Mit wachsenden Öltransporten aus Russland werden es bald mehr sein - und eine Ölpest an der Ostseeküste ist schon heute jederzeit möglich.
Nur mit Hilfe eines weltweiten Netzwerks von Meeresschutzgebieten ist die Vielfalt der Meere zu retten. Für die Nord- und Ostsee schlägt Greenpeace insgesamt 17 Schutzgebiete vor. Diese bestehen aus einer Kern- und einer Pufferzone. In der Kernzone ist außer wissenschaftlicher Forschung jegliche menschliche Nutzung verboten. In der Pufferzone ist menschliche Nutzung innerhalb strenger ökologischer Grenzen möglich: Nicht-industrielle (klein-skalige) Fischerei, Schifffahrt, Windparks und Tourismus etc. können hier erlaubt sein. So lassen sich bedrohte Arten und Lebensräume schützen. Bestände können sich erholen, so dass die Ökosysteme Nord- und Ostsee als Ganzes erhalten bleiben.