Ein Artikel von greenpeace.de

Japanischer Walfangskandal: Ein Fünkchen Hoffnung für Sato und Suzuki

Im Verfahren gegen die beiden Greenpeace-Mitarbeiter hat es einen kleinen Aufschub gegeben. Die Anklage wegen Diebstahls von Walfleisch kann jetzt doch nicht ganz unabhängig vom Anlass, der Unterschlagung durch die Walfangfirma, abgewickelt werden. Die Bedrohung für die beiden Familienväter ist damit jedoch nicht vom Tisch. Sie erhalten nun Beistand durch internationale Rechtsexperten.

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Die Gerichtsanhörung vom 23. März erfüllte die schlimmsten Erwartungen vorerst nicht: Der zuständige Richter folgte der skandalösen Argumentation der Staatsanwaltschaft nicht umunwunden: Sie wollte den Vorwurf der Unterschlagung an die Adresse der Walfangfirma aus dem Verfahren heraushalten. Stattdessen muss sie jetzt nachweisen, weshalb dieser Vorwurf nicht Bestandteil des Verfahrens gegen die beiden unter Hausarrest stehenden Aktivisten sein soll.

Dem Skandal um unterschlagenes Walfleisch, der die kommerzielle Ausrichtung des japanischen Walfangs sichtbar gemacht hat, droht nun ein weiterer Skandal zu folgen - diesmal vor Gericht. Denn während die Ermittlungen gegen den Schmuggel von Walfleisch bereits wenige Wochen nach Bekanntwerden eingestellt wurden, stehen diejenigen, die den Skandal aufgedeckt haben, unter Anklage wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs. Ihnen drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Junichi Sato und Toru Suzuki stecken in einer äußerst schwierigen Lage. Zwar finden sie außerhalb ihres Landes Unterstützung: Mehr als 250.000 Leute schickten Protestbriefe und E-Mails an die japanische Staatsanwaltschaft. In Japan selbst ist davon augenscheinlich nur wenig bekannt. Es wird von offizieller Seite Stimmung gegen die beiden Greenpeacer gemacht. Die Regierung dreht den Spieß einfach um und beschuldigt Sato und Suzuki, die Fischereiindustrie nicht zuletzt vor dem Ausland in Misskredit bringen zu wollen. Die Angelegenheit wird als anti-japanische Aktion dargestellt und als Angriff auf das traditionelle Walfleischessen durch westlich-geprägte Gruppen.

Sowohl Junichi Sato als auch Toru Suzuki liegt der Schutz der Wale sehr am Herzen, gerade auch im Interesse Japans. Sein Bewusstsein habe sich verändert, erklärt Sato. Bevor er bei Greenpeace angefangen habe, sei ihm nicht klar gewesen, dass und in welchem Ausmaß es internationalen Protest gegen den japanischen Walfang gebe.

Über den Walfang und das Verhalten der Fischereiindustrie und der Regierung weiterhin aufzuklären, ist Satos großes Ziel: Ich möchte das zur japanischen Sache machen. Die Menschen in Japan müssen begreifen, dass es ihre Angelegenheit ist, wie die Regierung mit Steuergeldern den Walfang finanziert.

Sato hat sich in früheren Jahren erfolgreich für die Vermeidung von (Gift-) Müll eingesetzt. Sein Konzept zur Müllvermeidung überzeugte auch die Stadt Kamikatsu, die es umsetzen wird. Privat geht der 31-Jährige gern mit seinem Sohn in den Bergen seines Heimatortes wandern. Denn nur im direkten Kontakt könne die nachfolgende Generation die Ehrfurcht vor der Natur erwerben, sagt er.

Toru Suzuki haben die Aktivitäten gegen den Walfang zu Greenpeace geführt. Er setzt sich dafür ein, dass der Walfang schleunigst beendet wird: In ein bis zwei Jahren spätestens!, davon ist der 41-jährige Vater einer kleinen Tochter überzeugt.

Der Fall zeigt: Sich in Japan für den Schutz der Wale einzusetzen, kann existenziell bedrohliche Folgen haben. Inzwischen haben sich internationale Rechtsgelehrte, wie der Menschenrechtsexperte Prof. Dirk Voorhoof, mit einem Appell zur Wahrung des Rechts auf Meinungsfreiheit und für ein faires Verfahren an das Gericht gewandt. Es bleibt zu hoffen, dass ihre Beweisführungen auch Gehör finden.