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Zwei Jahre Prestige: Trügerischer Alltag

Bereits zwei Jahre ist es her, da ereignete sich die größte Umweltkatastrophe Spaniens: Am 13. November 2002 geriet der Großtanker Prestige mit 77.000 Tonnen Schweröl an Bord in Seenot. Sechs Tage später versank er im Meer. Eine der größten Ölkatastrophen in europäischen Gewässern war die Folge.

Fehler der Behörden

Schon Tage vor dem eigentlichen Untergang des Öltankers Prestige schlug die Besatzung, direkt vor der Küste Galiciens Alarm. Doch die spanische Regierung schickte das Schiff weit aufs Meer zurück, anstatt es in einen Hafen schleppen und auspumpen zu lassen. Auf hoher See zerbrach der Tanker und ingesamt 64.000 Tonnen Öl flossen aus.

Notfallpläne für solche Unglücke - auch für kleinere - existieren immer noch nicht, kritisiert Andrea Cederquist, Meeresexpertin bei Greenpeace. Bei einem erneuten Unfall wie dem der Prestige würden wieder sämtliche Entscheidungen ad-hoc in der Hitze des Gefechts gefällt. Wie ein Vorfall des letzten Jahres beweist, als sich bei der Betankung eines Fischereischiffes nahe Vigo der Schlauch löste und 1.000 Liter Diesel ins Meer flossen.

Kosten und Schuldige

Mehr als hundert Millionen Euro berechneten allein Spezialfirmen für das Abpumpen der 13.600 Tonnen Öl, die in den zwei Wrackteilen der Prestige am Meeresgrund verblieben waren. Die spanische Regierung rechnet vor, dass die Umweltkatastrophe die spanischen Steuerzahler bis jetzt mindestens eine Milliarde Euro gekostet hat. An die durch die Katastrophe am stärksten betroffenen Fischereibetriebe zahlte Madrid bislang insgesamt 83 Millionen Euro in Form von Hilfsgeldern aus. Hinzu kommen knapp tausend unbearbeitete Anträge auf Schadenersatz.

Die Regierung will sich ihre Kosten zu einem Großteil erstatten lassen: Vom internationalen Fonds für Schäden durch Brennstoffverseuchung verlangt Madrid insgesamt mehr als 633 Millionen Euro. Das American Shipping Bureau, einst für die technische Überprüfung der Prestige zuständig, soll eine weitere Milliarde Dollar (770 Millionen Euro) Schadenersatz beisteuern.

So wie man sich noch nicht einigen konnte, wer die finaziellen Auswirkungen zu tragen hat, ist auch heute noch nicht die strafrechtliche Schuld geklärt. Einer der Beschuldigten, der Kapitän des Schiffs, Apostolos Mangouras, wurde nach dem Tankerunglück im November 2002 festgenommen. Nach dem Beschluss eines spanischen Gerichts darf er erst jetzt wieder in seine Heimat zurückkehren.

Auswirkungen noch für Jahre spürbar

Rund 90.500 Tonnen Altlasten sollen in komplizierten Verfahren recycelt werden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Sand von verunreinigten Stränden in Galicien und dem benachbarten Kantabrien. Das zuückgewonnene Öl könnte - ausgerechnet! - zu Treibstoff für Motorboote vor der galicischen Küste raffiniert werden.

Trotz der bereits erfolgten Reinigungsarbeiten wird die Wiederherstellung der fast 800 betroffenen Strände noch einige Zeit dauern. Noch immer sind Helfer damit beschäftigt, die Überreste der 64.000 ausgelaufenen Tonnen Öl aus dem Landschaftsbild der nordspanischen Küste zu entfernen.

Doch während vor zwei Jahren noch tausende von Freiwilligen mithalfen, sind inzwischen nur noch rund 40 Angestellte eines dem Umweltministerium unterstehenden Unternehmens damit beschäftigt. Untersuchungen beweisen, dass abgelegene und schlecht erreichbare Buchten überhaupt nicht oder schlecht gesäubert wurden. So blieben an einigen Felsen deutlich sichtbare Schmutzränder, die nach und nach das Gift des Öls an die Umwelt abgeben.

Für einige Fischer ist der Alltag inzwischen wiedergekehrt, dennoch warnt die Greenpeace-Expertin Andrea Cederquist: Auch wenn die direkt sichtbaren Auswirkungen der Prestige langsam verschwinden, werden die Auswirkungen, wie die Anreicherung von hoch toxischen Stoffe in der Nahrungskette, auch in vielen Jahren das Ökosystem belasten. Wie beispielsweise bei der Exxon Valdez, wo heute - 15 Jahre danach - noch Schädigungen und Immunkrankeiten in den dort lebenden Tieren auftreten.

Moderne Schiffe mit Doppelhülle und Ersatzantrieb sowie schärfere Bestimmungen werden zwar das Unfallrisiko minimieren, aber das Grundproblem liegt woanders, erklärt Cederquist. Die Abhängigkeit unserer Gesellschaft vom Erdöl ist nicht nur der Auslöser von Einzelkatastrophen, sie beeinflußt auch das Weltklima drastisch.

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