Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Türkische Behörden warnen vor Fischverzehr

Die türkischen Behörden warnen davor, Fisch aus der Umgebung des gesunkenen Giftfrachters Ulla zu essen. Auch vom Schwimmen und Tauchen in der Nähe der Unglücksstelle sei dringend abzuraten. Der Uralt-Frachter war mit 2.200 Tonnen Krebs erregendem Abfall an Bord am Dienstag im Hafen von Iskenderun gesunken. Die Unglücksstelle ist in einem Radius von 200 Metern abgesperrt.

Die MV Ulla hat schwermetallhaltige Asche aus spanischen Kohlekraftwerken geladen. Nach Angaben des türkischen Krisenzentrums genug, um 300.000 Tonnen Wasser zu verseuchen. Mit dieser hochgiftigen Fracht rostete das Schiff gut vier Jahre lang, seit Februar 2000, in dem südosttürkischen Hafen vor sich hin. Die Verantwortlichen verschleppten die Lösung des Problems, bis der 35 Jahre alte Kahn durchgerostet war.

Für Christian Bussau, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace, ein klassischer Fall: Das Interesse am Umweltschutz endet offenbar, sobald Geld im Spiel ist. Dieser gefährliche Unfall hätte leicht vermieden werden können, wenn die spanische und die türkische Regierung sich nicht jahrelang in einen Streit um die Kostenübernahme verwickelt hätten.

Greenpeace-Aktivisten hatten schon im Juni 2000 in Iskenderun gegen den Gifttransport protestiert. Die Asche enthält Chrom-VI, eine Krebs erregende Substanz, die nicht in die Türkei eingeführt werden darf. Nach internationalem Recht war die Lage klar: Gemäß Basler Konvention für den Handel mit gefährlichen Abfällen war Spanien als Herkunftsland verpflichtet, die giftigen Rückstände zurückzunehmen.

Greenpeace vermittelte Gespräche zwischen Spanien und der Türkei. Nach zweijährigen Verhandlungen war es so weit - Spanien erklärte sich bereit, die Fracht zurückzunehmen. Ein türkischer Schiffsagent stoppte die Rückführung per Gerichtsbeschluss und sorgte damit für die nächste Debatte: Die Ladung musste vom Schiff, doch wer sollte dafür die Kosten tragen? Spanien oder die Türkei?

Jetzt hat das Schachern und Mauern unheilvolle Fakten geschaffen. Die türkischen Behörden sind gezwungen zu handeln, um die Bevölkerung vor den Folgen des Unglücks zu schützen. Ob beziehungsweise wie viel Gift bereits aus dem Wrack ausgetreten ist, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. (sit)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Der Erdöl-Reader

Dieser umfassende Bericht vermittelt Fach- und Spezialwissen zum Thema Öl auf anschauliche Art und Weise.

Mehr zum Thema

„Ein gewaltiges Unterfangen“

Vor 22 Jahren besetzten Greenpeace-Aktivisten die Ölplattform Brent Spar – Christian Bussau war dabei. Im Interview schildert er die Aktion – und die aktuelle Situation vor Ort.

Doppelt hält besser

Erfolg fürs Wattenmeer! Auch ein von Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck in Auftrag gegebenes Gutachten besagt: Ölbohrungen im Wattenmeer sind nicht rechtens.

Ein klarer Fall

Der schleswig-holsteinische Umweltminister kann Ölbohrungen im Wattenmeer umgehend untersagen. Das Recht ist auf seiner Seite, so ein Gutachten im Auftrag von Greenpeace.