Ein Artikel von Eva Schaper

Prozess gegen die "Prestige" beginnt

Am 16. Oktober beginnt in A Coruña der Prozess um die Havarie des Öltankers Prestige. Vor 10 Jahren sank das Schiff vor der spanischen Küste, beladen mit 70.000 Tonnen hochgiftigen Schweröls. Mindestens 40.000 Tonnen Öl drangen aus dem Wrack ins Meer. Das führte zur größten Umweltkatastrophe der spanischen Geschichte. Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace, war 2002 bei der Katastrophe als freiwilliger Helfer vor Ort. Wir sprachen mit ihm über das Unglück.

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Online-Redaktion: Thilo, du warst 2002 in Galizien vor Ort, wie war es dort, was hast du erlebt und gesehen?

Thilo Maack: Wir sind damals in A Coruña angekommen und sofort an die betroffenen Strände gefahren. Was ich dort gesehen habe, spottet jeder Beschreibung. Die Strände waren voller Öl, mit allem was dort war. Unzählige tote Seevögel, das waren Bilder, die ich nicht vergessen habe.

Online-Redaktion: Welche Auswirkungen hat der Untergang der Prestige und die damit verbundene Ölpest bis heute, 10 Jahre nach der Katastrophe?

Thilo Maack: Die spanischen Umweltverbände schätzen, dass zwischen 250.000 und 300.000 Seevögel umgekommen sind. Die ganzen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, sind in der Nahrungskette gelandet und haben in der Tierwelt verheerende Schäden angerichtet. Zudem können sie Krebs auslösen.

Nahrungsketten funktionieren so: Tiere kriegen die größte Last ab und am Ende der Nahrungskette sitzen wir Menschen. Mir liegen keine direkten Studien dazu vor, aber ich gehe davon aus, dass im Seefisch und den Meeresfrüchten in Galizien Rückstände von dem Öl der Prestige zu finden sind.

Online-Redaktion: Das verbliebene Öl wurde angeblich aus dem Schiffswrack herausgepumpt, ist das Schiff wirklich sicher geborgen worden?

Thilo Maack: Offiziell heißt es, dass noch zwischen 1.300 und 1.600 Tonnen Öl auf der Prestige sind, die langsam aber sicher aus den alten Tanks in 3.500 Meter Wassertiefe raussickern. Es gibt aber spanische Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass noch 25.000 Tonnen Öl auf der Prestige sind. Das müsste dringend geborgen werden. Man kann sagen adäquat und angemessen war da gar nichts.

Online-Redaktion: Hat sich die europäische Politik in Hinblick auf die Gefahrentransporte seit dem Untergang der Prestige geändert?

Thilo Maack: Es ist tatsächlich so, dass es jetzt Notfallhäfen gibt. In Deutschland ist ein Havariekommando eingerichtet worden und es gibt die Emsa Argentur, European Maritime Safety Agency. Es hat sich einiges bewegt. Aber wie der Fall der Flaminia vor einigen Wochen gezeigt hat, ist es noch nicht ausreichend, um Katastrophen ähnlich der Prestige zu vermeiden.

Online-Redaktion: Welche Forderungen von Greenpeace wurden durchgesetzt. Gibt es inzwischen ein weltweites Verbot von Einhüllentankern oder die Lotsenpflicht?

Thilo Maack: Seit dem 1. Januar 2010 gibt es ein Verbot von Einhüllentankern. Die Hafenkontrollen sind verbessert und Notfallhäfen eingerichtet worden. Es bleibt aber die Hauptforderung: Wir müssen weg von der Nutzung fossiler Energieträger. Wir brauchen eine Energiewende weg von Schweröl, hin zu der Nutzung von regenerativen Energien.

Online-Redaktion: Ist das Verbot von Einhüllentankern weltweit durchgesetzt worden?

Thilo Maack: Ja, das Verbot ist weltweit von der Internationalen Maritimen Organisation durchgesetzt worden. Das ist ein sehr wichtiger erster Schritt, um solche Katastrophen wie die der Prestige zu vermeiden, aber wir müssen einen konsequenten zweiten Schritt gehen, raus aus der kompletten Abhängigkeit von Fossilen Energieträgern.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

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