Corexit: So harmlos wie Spülmittel oder giftiges Zeug?

Um das freigesetzte Öl in kleinere Tröpfchen zu zerlegen, setzte BP insgesamt 6,8 Millionen Liter der Chemikalie Corexit ein - genaugenommen wurden die Detergenzien Corexit EC9500A auf die Wasseroberfläche gesprüht und Corexit EC9527A am Meeresboden ausgebracht.
  • /

Während BP Corexit als harmlos wie ein Spülmittel einstuft, bewertet der Meereswissenschaftler und UN-Berater Professor Rick Steiner Corexit als giftiges Zeug. Es schade den Fischen und Korallen massiv und gelange in die Nahrungskette. Es gibt effektivere wie auch ungefährliche Alternativen zu Corexit. Deshalb forderte die amerikanische Umweltbehörde EPA den BP-Konzern am 19. Mai 2010 auf, anstelle von Corexit andere von EPA geprüfte Detergenzien einzusetzen. BP widersetzte sich jedoch letztendlich der Aufforderung und sagte, die Alternativen seien weniger sicher und nicht verfügbar. Der Widerstand von BP, auf Alternativen zu Corexit zu setzen, erklärt sich eher aus der Tatsache, dass BP frühzeitig alle Corexit-Reserven aufgekauft hatte und zudem im Aufsichtsrat des Corexit-Herstellers Nalco sitzt.

Corexit lässt das Öl von der Wasseroberfläche verschwinden. Das Öl ist jedoch nicht weg, es ist nur weniger sichtbar für die Augen der Öffentlichkeit. Katastrophen-Fotos von ölverschmierten Vögeln können so weitgehend vermieden werden. Aber jeder zusätzliche Giftbeitrag ist eine zusätzliche Belastung für die Meeresumwelt im Golf von Mexiko.

Kein Ende der Ölpest in Sicht

Auch Rick Steiner mahnt zur Vorsicht: Er zweifelt daran, dass die offiziellen Zahlen präzise sind. Rund ein Viertel des Öls soll bereits chemisch oder natürlich zersetzt worden sein - ob es damit auch verschwunden ist, weiß niemand. Keinesfalls sei die Ölpest damit vorbei. Die Folgen werden uns noch für ein Jahrzehnt, wenn nicht sogar für länger begleiten, sagt Steiner.

Während der derzeitigen Expedition der Arctic Sunrise im Golf von Mexiko führen die Wissenschaftler Charles Messing und Jose Lopez von der Nova Southeastern University Untersuchungen an Schwämmen durch. Die am Meeresboden festklebenden Tiere saugen Wasser, Schwebstoffe und Nahrungspartikel ein und können somit als Bioindikatoren Auskunft über die Auswirkungen des Öls und des Corexits geben.

Ein Jahr nach Deepwater Horizon

Greenpeace - Ölexperte Jörg Feddern machte sich ein Jahr nach dem "Deepwater Horizon" - Unglück auf den Weg in die USA um dort die Folgen zu dokumentieren.

Mehr zum Thema

BP kehrt Ölkatastrophe unter den Teppich

Mit Chemikalien rückt der BP-Konzern jetzt gegen die ausfließenden Ölmassen im Golf von Mexiko vor. Ein Lösungsmittel zersetzt das Öl direkt an den Lecks in kleine Tröpfchen, um die...