Ausbaggerungen bedrohen Great Barrier Reef

Grünes Licht für dreckige Kohle

Böse Bescherung: Aller Kritik zum Trotz hat Australien die umstrittenen Ausbaggerungen für den Ausbau des Kohlehafens am Great Barrier Reef bewilligt.

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Weder Warnungen von Wissenschaftlern noch Proteste von Umweltschützern rund um den Globus konnten ihn umstimmen: Der australische Umweltminister Greg Hunt hat die Genehmigung für die größte Kohlemine der Welt erteilt. Um die Kohle ins Ausland zu verschiffen, sollen Hafen und Fahrrinnen durch Ausbaggerungen am Meeresgrund vergrößert werden. Die 1,1 Millionen Kubikmeter Baggerschlamm sollen angeblich in Industrieanlagen an Land entsorgt werden. Shani Tager von Greenpeace Australien ist erschüttert: „Auf einer Fläche von 61 Hektar unberührten Meeresboden auszuheben, ist an sich schon unverantwortlich. Und das alles für eine riesige dreckige Kohlemine, die den Klimawandel weiter anheizen wird – das ist grob fahrlässig!“ 

Tatsächlich sind der Klimawandel und seine Folgen laut Forschung der größte Feind für das Korallenriff, das in den letzten 30 Jahren bereits die Hälfte seiner Korallendecke verloren hat. Das Great Barrier Reef ist Heimat unzähliger bedrohter Arten wie den majestätischen Mantarochen. Es bietet Nahrungsgrundlage für Dugongs, graue Seekühe, die die Seegraswiesen des Riffs gemächlich abweiden. Der geplante Kohlehafen Abbot Point liegt direkt am Great Barrier Reef, einem geschützten UNESCO-Weltnaturerbe. Längst haben die Kohlepläne Australiens deshalb die UNESCO auf den Plan gerufen, die um ihr Weltnaturwunder fürchtet. Das Welterbe-Komitee gab auf seiner diesjährigen Sitzung Juli 2015 in Bonn Australiens Kohleplänen eine scharfe Verwarnung.

„Eine Sackgasse!“

Beim Run auf die Kohle ist eine indische Firma ganz vorne mit dabei: Kohlegigant Adani will trotz fehlender finanzieller Basis mit der Carmichael-Mine eine der größten Kohleminen des Landes bauen. „Das ist eine Sackgasse! Adani besitzt die erforderlichen 16 Milliarden Dollar nicht, niemand wird ihnen diesen Betrag zur Verfügung stellen und die Kohlepreise fallen. Selbst die Internationale Energie Agentur stellt das Projekt in Frage“, fasst es die Greenpeace-Expertin zusammen. Mehrere internationale Banken haben zuletzt dem Projekt eine Absage erteilt. Hoffnung ruht nun auch auf dem Wahlversprechen der Labourpartei, die die Regierung im Bundesstaat Queensland stellt: Diese hat versprochen, das Projekt am Abbot Point nicht voranzutreiben, solange es nicht finanziell abgesichert ist. „Die Landesregierung muss ihr Wahlversprechen einhalten und die Ausbaggerungen aufhalten, egal welche Genehmigungen auf Bundesebene ausgestellt wurden“, fordert Tager.

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