Kleinfischer Bengt Larsson

„Wir brauchen härtere Regeln“

Immer weniger Fisch, immer mehr Industrieschiffe: Der schwedische Kleinfischer Bengt Larsson fängt wenig. Deshalb fordert er strengere EU-Regeln. Und er hilft sich selbst.

  • /

Kabeljau, Hering, Aal: Für diese Fische ist die Hanö-Bucht im Süden Schwedens bekannt. Jeden Sommer kommen Tausende Touristen an die langen Ostseestrände, um den frischen Fang zu genießen: Fische, die der Kleinfischer Bengt Larsson und seine Kollegen an Land bringen. Schon seit Generationen lebt die Familie Larsson von der Fischerei – eine Arbeit, der Bengt mit Stolz und Hingabe nachgeht.

Aber Jahr für Jahr geht ihm weniger ins Netz. Bengt Larsson muss beobachten, wie sich die Fischbestände immer weiter verkleinern. Tummelten sich in den 1970er Jahren noch jede Menge Tiere vor Schwedens Küste, schrumpften die Bestände schon in den Achtzigern. Eine Dekade später fielen die Zahlen dann massiv ab. Ursache dafür, so weiß Larsson, sind die Industrieschiffe. Sie fischen die Bestände der Ostsee schneller leer, als die Fische nachwachsen können.

„In ihre Fangquote muss auch der Beifang eingehen“, fordert Larsson. „Denn es kommt darauf an, wie viel Fisch tatsächlich gefangen wird – und nicht darauf, wie viel nachher tatsächlich im Laden landet.“ Zudem sei die Industrie-Fischereiflotte eh viel zu groß. „Wir brauchen härtere EU-Regeln mit sehr viel niedrigeren Kabeljau-Quoten für die Ostsee“, sagt Larsson. „Diese Quoten müssen den vorhandenen Beständen entsprechen.“

Auch sollen die Kleinfischer gefördert werden, verlangt Larsson. „Es darf nicht sein, dass industrielle Fischereibetriebe den Kleinfischern die Fangquoten abkaufen“, sagt er. Das zu verhindern, sei vor allem Aufgabe der europäischen Länder, denn die müssen die Vorgaben der EU schließlich umsetzen.

Bisher benachteilige die Gesetzgebung Kleinfischer wie ihn gegenüber den industriellen Fangflotten. Larsson hält sich an die schwedischen Vorgaben für nachhaltige Fischerei; mit den Riesenfängen der Industrieschiffe kann und will er nicht mithalten. Denn Larsson fischt nur mit Equipment wie Leinen, Haken und Stellnetzen.

Auf solch nachhaltige Fangmethoden sollten auch die Ostsee-Touristen und alle anderen Konsumenten beim Fischkauf achten, sagt Larsson. Denn letztlich machen die Politiker zwar die Regeln – doch Einfluss nehmen, einen Beitrag leisten gegen Überfischung und für die Förderung nachhaltigen Fangs könne jeder. Deshalb initiierte Larsson eine Online-Plattform, auf der er seinen Fisch direkt verkauft.

„Wir filetieren und verpacken den Fisch im Hafen und verkaufen ihn dann direkt an die Konsumenten“, erzählt er. „Ohne Zwischenhändler, direkt übers Internet. Auf diese Weise kann jeder von der Kleinfischerei profitieren. Und er kann ganz genau nachvollziehen, wo und wann der Fisch gefangen wurde.“

Unterstützen auch Sie die Kampagne gegen die Überfischung der Meere durch industrielle Fangschiffe! Unterschreiben Sie unsere Protestmail an Fischerei- und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) - Informationen finden Sie hier.

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Staubsauger der Meere

Sie sind wahre Fischereimonster - Industrie-Fangschiffe mit XXL-Netzen plündern die Weltmeere und machen ganzen Fischbeständen den Garaus

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

EU-Fischerei auf dem Prüfstand

Neue Fischereigesetze sollen dafür sorgen, dass nachhaltige Fischerei bei der Vergabe der Fangquoten wirklich berücksichtigt wird. Doch wie fair fischen die EU-Länder wirklich?

Schlechte Quoten für Fischbestand

Die Fangquoten fürs kommende Jahr sind gesetzt. Und liegen in vielen Fällen deutlich höher, als für den Schutz der Fischbestände nötig ist.

Küste ohne Fisch

Sie fischen mit einfachsten Mitteln: westafrikanische Kleinfischer wie Mamadou Sarr. Das reichte für den eigenen Lebensunterhalt – bis die industriellen Fangflotten kamen.