Nachdem Greenpeace bereits im März 2001 Chloramphenicol-belastete Shrimps in einer Filiale der österreichischen Supermarkt-Kette Merkur gefunden hatte, stieß das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen bei Routine-Kontrollen am 7. August 2001 auf Rückstände des Antibiotikums in Shrimps aus China. Weitere Funde in anderen Bundesländern folgten, und im Januar 2002 wies auch das Magazin Ökotest Chloramphenicol nach - und zwar in sieben von 20 untersuchten Shrimps-Produkten!
Sowohl die Anwendung von Chloramphenicol in der Tierzucht als auch Rückstände in Nahrungsmitteln sind seit 1994 in der EU strengstens verboten. In Südostasien allerdings wird das Antibiotikum häufig in der Garnelenzucht gegen Krankheiten sowie als Wachstumsförderer verwendet. In vielen Shrimps-produzierenden Ländern fehlt eine diesbezügliche Gesetzgebung völlig. In den Tropen werden Antibiotika oft unkontrolliert und ohne gesetzliche Handhabe in Aquakulturen eingesetzt.
Inzwischen hat die Europäische Union die Einfuhr von Shrimps, Geflügel, Honig und Kaninchenfleisch aus China gestoppt. Shrimps aus anderen Produktionsländern, wie zum Beispiel Thailand (Hauptexporteur für den deutschen Markt), werden aber weiterhin nur stichprobenartig kontrolliert.
Dass der Verzehr von Shrimps, die mit Chloramphenicol belastet sind, für Verbraucher in jedem Fall gefährlich ist, zeigt ein von Greenpeace in Auftrag gegebenes Gutachten von Prof. Dr. Franz Daschner. Der Leiter des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg, bestätigt darin, dass die Konzentration des Antibiotikums unerheblich ist. Unabhängig von der Dosis kann der Verzehr von Chloramphenicol in seltenen Fällen zu aplastischer Anämie führen, die ähnliche Symptome wie Blutkrebs aufweist. Der Mediziner kommt zu dem Schluss, dass ein Verkaufsverbot von mit Chloramphenicol belasteten Nahrungsmitteln aus medizinischer Sicht dringend geraten ist.
Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen ist der Konsum von Shrimps bedenklich. Die ökologischen Folgen ihrer Aufzucht sind ebenfalls katastrophal. In den Produktionsländern werden ganze Mangrovenwälder für die Anlage der Zuchtbecken gerodet. Weltweit ist bereits die Hälfte aller Mangrovenwälder unwiederbringlich zerstört.