Greenpeace-Kletteraktion gegen Plastiknester auf Helgoland

Brüten im Abfall

Am Lummenfelsen auf Helgoland bauen Vögel ihre Nester mit Plastikabfall der Fischerei. Umweltschützer und Journalisten untersuchen vor Ort die oftmals tödlichen Folgen.

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Helgoland liegt 40 Kilometer vom Festland entfernt in der Nordsee, der Vogelfelsen der Insel, auch Lummenfelsen genannt, ist das kleinste Naturschutzgebiet Deutschlands. Doch Plastik aus dem Meer bedroht diesen ökologischen Schatz. Für diese Einschätzung genügt schon der bloße Augenschein: Immer wieder werden Plastikfäden, Seile und Netzreste am Ufer angeschwemmt – Hinterlassenschaften der industriellen Fischerei, vor allem aus der Nordsee.

Am Lummenfelsen verenden immer wieder Basstölpel und Trottellummen qualvoll in dem Plastikmüll, den sie aus dem Meer fischen und zum Nestbau verwenden. Erstmalig seilten sich heute Greenpeace-Aktivisten und Journalisten des Magazins GEO an dem Vogelfelsen ab, um plastikverseuchte Nester zu bergen. Der Klettereinsatz in 40 Metern Höhe ist der Auftakt eines neuen Forschungsprojekts zur zunehmenden Plastikvermüllung der Meere: An diesem Beispiel wird sie schmerzlich sichtbar.

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Grundschleppnetzfischerei hinterlässt tonnenweise Müll im Meer

Viele der bunten Polyethylenfäden in den Nestern stammen aus der industriellen Fischerei. Dabei stehen besonders die sogenannten Dolly Ropes im Fokus: Als Scheuerschutzfransen bewahren sie schwere Grundschleppnetze vor vorzeitigem Abrieb. Als Verschleißartikel verfilzen und zersetzen sich nach und nach, wenn sie über den Meeresgrund gezogen werden, denn die Fransen sind so konstruiert, dass bei Bodenkontakt mit der Zeit einzelne Fäden abreißen. Ihr Abrieb ist demnach vorbestimmt – und damit auch ihr Eintrag in die Meeresumwelt. Alleine die europäische Fischerei sorgt so jährlich für hunderte Tonnen zusätzlichen Plastikmüll im Meer.

„Die deutsche Politik muss dieser gängigen Praxis einen Riegel vorschieben und Dolly Ropes verbieten“, sagt Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meere. „Mit dieser einkalkulierten, permanenten Plastikverschmutzung der Meere verstößt die Fischereiindustrie gegen geltendes internationales Recht. Wir brauchen einen Umstieg auf umweltschonende, biologisch abbaubare Alternativen. Die Fischerei mit tonnenschwerem Grundschleppgeschirr ist ohnehin zerstörerisch wie keine andere.“

Von Plastikschlingen befreit

Die Kletterer am Lummenfelsen nutzten die Zeit außerhalb der Brutsaison, um die Vögel nicht zu stören; Vogelkundler berieten sie vor Ort. Die Umweltschützer und Forscher haben einen Teil der  Nester geborgen und einen anderen Teil von Plastikschlingen befreit. Ein Referenzbereich blieb unberührt; dieser soll später als Vergleich dienen.

Die wissenschaftliche Auswertung übernehmen der Verein Jordsand, das Institut für Vogelforschung Helgoland, die Biologische Anstalt Helgoland und das Forschungs- und Technologiezentrum Westküste. Unter anderem wollen die Wissenschaftler und Greenpeace herausfinden, wie viel und welche Art von Plastik zum Nestbau genutzt wird, woher es stammt – und ob solche Aktionen das Vogelsterben künftig aufhalten können.

Illustration: Was sind Dolly Ropes?

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© Tanja Deutschländer / Greenpeace

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