
Doch trotz Schutzvertrag ist die Antarktis nicht vor Gefahren sicher. Wie die Arktis ist auch sie schon heute massiv vom Klimawandel betroffen. Die dramatischsten Veränderungen sind auf der Antarktischen Halbinsel zu beobachten. Über 80 Prozent der Gletscher haben sich dort in den letzten 50 Jahren zurückgezogen und rund 28.000 Quadratkilometer Schelfeis brachen ab. Dramatische Beispiele sind der Verlust des Larsen-A- und des Prinz-Gustav-Schelfs 1995 und der Kollaps des Larsen-B-Schelfs 2002.
Derzeit ist das Wilkins-Eisschelf dem kompletten Zusammenbruch nahe. Nach zahlreichen Abbrüchen in den vergangenen Jahren und weiteren Rissen im Schelf zerbrach im April 2009 die schmale Brücke, die das Wilkins-Schelf mit dem antarktischen Kontinent verbindet. Damit ist das Risiko eines kompletten Zerfalls weiter gestiegen.
Das Eis ist das Fundament der polaren Ökosysteme. Schrumpft und schwindet es, hat dies erhebliche negative Folgen für alle Polbewohner. So nutzt der Krill das Wintereis als Kinderstube. Ein Rückgang des Eises führt zu einer Verringerung der Krillbestände im folgenden Sommer. Doch ausgerechnet diese winzigen Krebse bilden die Basis der antarktischen Nahrungskette. Wovon werden sich Wale, Robben und Pinguine in der Zukunft ernähren?
Hinzu kommt, dass trotz Weltpark und Moratorium auch in der Antarktis die Gier nach Ressourcen regiert. Und auch hier ist es wieder der Krill, dessen Bestände in Gefahr sind. Neue Fangtechniken ermöglichen einem Trawler die Aufnahme von bis zu 45.000 Tonnen Krill in einem einzigen Fangzug. Dabei wird der in großen Schwärmen lebende Krebs wie mit einem Staubsauger aufgesaugt. Zusammen mit dem rasant wachsenden Markt für Aquakultur-Futtermittel und Ernährungszusätze wird der Krillfang in Zukunft weiter massiv steigen. Schon jetzt zeigt sich eine Zunahme der Krillfischerei, die auf Dauer dramatische Auswirkungen auf das Ökosystem haben wird.
Ein weiteres Beispiel ist die zum Teil illegale Jagd auf den Schwarzen Seehecht. Dieser Fisch wird bis zu 35 Jahre alt und erst im Alter von 6 bis 9 Jahren geschlechtsreif. Er ist daher schnell überfischt. Illegale Fischer operieren vor allem in der Ross-See, einer der letzten nahezu unberührten Meeresregionen der Welt, die eigentlich als Meeresschutzgebiet ausgewiesen sein sollte. Der Schwarze Seehecht wird überwiegend mit kilometerlangen Langleinen gefischt. Der Beifang an Seevögeln aus der illegalen Fischerei ist nicht abzuschätzen.

Und nicht nur die Gier nach Ressourcen hält die Antarktis in Atem. Auch immer mehr Touristen kommen, um die heile Welt zu sehen. Die Antarktis wird als Expeditions- und Reiseziel immer beliebter. Der Tourismus stieg in den letzten zehn Jahren rapide an und gipfelte in der Saison 2007/2008 mit 40.000 Besuchern. Immer mehr Kreuzfahrtschiffe ankern vor den eisigen Küsten. Die Gäste werden zumeist in Zodiacs ausgebootet und um die Eisschollen chauffiert mit dem Ziel, Pinguine, Robben oder sogar Wale aus der Nähe zu beobachten. Wildnis zieht an. An ihre Störung oder Zerstörung denkt leider kaum jemand.
Mehr als unsere Bewunderung benötigt die Antarktis unseren Schutz. Dazu gehört eine drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen, aber dies allein reicht nicht aus. Die Mitgliedsstaaten des Antarktischen Schutzvertrages müssen endlich ihr Versprechen einlösen, die Antarktis dem Frieden und der Wissenschaft zu widmen. Dazu gehört der Aufbau eines umfassenden und repräsentativen Netzwerks an Schutzgebieten im Südpolarmeer. Dieses sollte mindestens 40 Prozent des Meeres umfassen.