Ein Artikel von Beate Steffens
Milliardenumsätze des Chemiekonzerns auf Kosten der Bienen

Syngenta: Blockbuster-Bienengifte

"Syngenta Pesticides Kill Bees!" steht auf dem Banner, das Greenpeace-Aktivisten am Hauptsitz des Schweizer Chemiekonzerns befestigt haben. Der Konzern erwirtschaftet mit seinem Bienenkiller-Pestizid Umsätze in Milliardenhöhe. Zu einem hohen Preis: Pestizide, insbesondere Syngentas Thiamethoxam, töten Bienen.

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Dass seine Pestizide - vor allem das zur Gruppe der Neonicotinoide gehörende Thiamethoxam - Bienen töten, bestreitet der Basler Konzern Syngenta. Mit einem Jahresumsatz von 14,2 Milliarden US-Dollar ist er der weltweit grösste Pestizidkonzern. Die Umsatzzahlen für Thiamethoxam hält der Industrieriese unter Verschluss - doch das Blockbuster-Bienengift dürfte etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.

Fatale Folgen für Bienen

Thiamethoxam ist eines der bienenschädlichsten Pestizide überhaupt. Die Syngenta-Produkte Actara und Cruiser basieren auf diesem Wirkstoff. Sie werden zur Saatgutbeizung eingesetzt oder direkt auf die Pflanze gespritzt. Schon eine geringe Dosis führt bei Bienen zu akuten Vergiftungserscheinungen.

Die Folgen: Flug- und Navigationsprobleme, die Fortpflanzungsfähigkeit sowie die Fähigkeit für eine effiziente Nahrungssuche werden reduziert und Bienenvölker werden anfälliger für Krankheiten oder Parasiten. Das belegt die Greenpeace-Studie "Bye, bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa". Auch eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) weist darauf hin.

Auf dem Prüfstand: Die Argumente von Syngenta - und wie Greenpeace dagegen hält

Syngenta wehrt sich gegen die Vorwürfe und kommt mit fadenscheinigen Argumenten um die Ecke. Greenpeace hat diese einmal genauer betrachtet:

1. Hauptsächlich Schuld am Bienensterben sei die Varroamilbe - der Einsatz von Pestiziden habe damit nichts zu tun.

Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig: Varroa ist einer von verschiedenen Faktoren; und Pestizide können einen direkten negativen Einfluss auf Wild- und Honigbienen haben. Zudem können beinahe tödlich wirkende Neonicotinoide Bienen krankheits- und parasitenanfälliger machen.

2. Der EU-Vorschlag, drei für Bienen gefährliche Neonicotinoide zu verbieten, basiere auf lückenhafter Datengrundlage und sei überstürzt erstellt worden.

Die EFSA, eine als eher industrienah bekannte Institution, hat alle aktuell verfügbaren Feld- und Laborstudien berücksichtigt, insbesondere auch diejenigen der Industrie - soweit diese zugänglich gemacht wurden. Die Behörde kam dabei zu dem Schluss, dass hohe Risiken nicht ausgeschlossen werden können.

3. Neonicotinoide seien sicher, da sich der Beizwirkstoff nur in der Pflanze verteile und nur ganz gezielt Schädlinge töte.

Zahlreiche Studien zeigen auf, dass bereits geringste Konzentrationen Bienen schädigen können. So konnten Honigbienen, die mit Thiamethoxam kontaminierten Pollen aufnahmen, selbst bei geringen Dosen den Rückweg zum Bienenstock nicht immer finden, die Wahrscheinlichkeit zur Schwächung eines Volkes stieg massiv.

4. Wenn Neonicotinoide verboten würden, drohten der europäischen Landwirtschaft Ernteeinbussen von 40 Prozent und das würde die EU in den nächsten fünf Jahren 17 Milliarden Euro kosten.

Syngenta verschweigt den volkswirtschaftlichen Nutzen, den Bienen nur schon mit ihrer Bestäubung an Kultur- und Wildpflanzen leisten: nämlich pro Jahr ganze 15 bis 22 Milliarden Euro. Der Nutzen ist also etwa fünfmal mehr als der von Syngenta prophezeite Schaden. Bei den Ernteeinbussen ebenso: Syngenta lässt ausser Acht, dass es pestizidfreie Schädlingsbekämpfung gibt und berücksichtigt auch nicht, dass Länder wie Italien schon Neonicotinoid-Verbote ohne Ernteeinbussen haben.

Ein Verbot bienenschädlicher Pestizide ist ein erster wichtiger Schritt, um Bestäuberinsekten vor dem Massensterben zu bewahren. Die von Greenpeace identifizierten sieben schlimmsten Bienenkiller-Pestizide, die sofort verboten werden müssen sind Thiamethoxam (Syngenta), Clothianidin, Imidacloprid (Bayer), Fipronil (BASF), Chlorpyriphos, Cypermethrin und Deltamethrin (verschiedene Hersteller).

Greenpeace fordert Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) auf, sich auch auf nationaler Ebene für das umgehende Verbot bienengefährlicher Chemikalien einzusetzen. Es ist unbestritten, dass die industrielle Landwirtschaft einen entscheidenden Anteil am Bienensterben hat: Monokulturen und intensiver Ackerbau in ausgeräumten Kulturlandschaften entziehen den fleißigen Bestäubern die Nahrungsgrundlage. Greenpeace setzt sich für eine moderne, naturnahe Landwirtschaft ein, die sich an den natürlichen Kreisläufen ausrichtet und Lebensmittel ohne Schadstoffe erzeugt.

(Autorin: Mirja Schneemann)

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