Positionen zum Pflanzengift Glyphosat

Harmlos – oder hoch riskant?

Soll das Pflanzengift Glyphosat erneut zugelassen werden? Politiker und Organisationen sind uneins. Wer sagt was zur Giftspritze? Ein Überblick.

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Am kommenden Montag könnte sie endlich fallen: Die Entscheidung darüber, ob Glyphosat für den Einsatz in der EU weiter zugelassen wird. Das Pflanzengift gilt als wahrscheinlich krebserregend; die EU-Mitgliedsstaaten müssen nun darüber abstimmen, ob es weiter auf europäischen Äckern versprüht werden darf.

Dabei sollte die Entscheidung eigentlich längst gefallen sein. Doch bei der Abstimmung vor zwei Wochen kam keine qualifizierte Mehrheit zustande. Denn Deutschland hatte sich enthalten – die Politik ist sich nicht einig.

Welche Position vertreten die entscheidenden Politiker und Organisationen? Wie liefern einen Überblick und geben Einschätzungen dazu.

Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU):

Die Kanzlerin ist dafür: Im Streit um das Pflanzengift Glyphosat spricht Merkel sich für eine Verlängerung der Zulassung aus. (Die Zeit vom 18.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Kanzlerin und Bundesregierung drücken sich vor der konsequenten Anwendung des Vorsorgeprinzips. Dabei sind die Gesundheitsrisiken des Pflanzengifts Glyphosat sind nach wie vor ungeklärt.

Das sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD):

„Es bleibt dabei: Gemeinsam mit allen SPD-geführten Ressorts sage ich NEIN zur Wiedergenehmigung von Glyphosat, solange die gesundheitlichen Risiken nicht restlos geklärt sind.“ (Twitter, 24.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Frau Hendricks wendet das Vorsorgeprinzip konsequent an und sagt klar Nein zur Wiederzulassung.

Das sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender vom Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

„Die Landwirtschaft muss weg von der Glyphosat-Nadel und kann das auch. 25.000 Bio-Betriebe und eine große Zahl konventioneller Bauern in Deutschland zeigen, wie Pflanzenschutz ohne Glyphosat funktioniert. Bio-Bauern halten Unkräuter mit innovativen Verfahren erfolgreich ohne Risiken für Mensch und Umwelt und ohne externe Kosten im Zaum.“ (Pressemitteilung vom 12.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Die Mitglieder des BÖLW zeigen, dass es auch anders geht!

Das sagt Joachim Rukwied, Vorsitzender des Deutschen Bauernverbandes (DBV):

„Alle mit der Bewertung befassten Behörden kommen zum Schluss, dass bei sachgemäßer Anwendung keine negativen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt zu verzeichnen sind. Weil die unabhängige und wissenschaftliche Risikobewertung zu diesem Ergebnis kommt, erwarten wir eine Wiederzulassung.“ (Rheinische Post vom 18.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Der Bauernverband ignoriert die Bewertung der IARC (Krebsexperten der WHO), die Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einstuft. Es geht also ein potenzielles Risiko von dem weltweit am meisten verwendeten Totalherbizid aus.

Das sagt Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU):

„Nach der Wissenschaftlichen Bewertung aller zuständigen Behörden in der EU kann der Wirkstoff genehmigt werden. Alles andere wäre Politik nach Beliebigkeit.“ (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)

So beurteilt das Greenpeace:

Eine weitere Zulassung ist unvereinbar mit dem europäischen Verbraucherschutz. Bis zur tatsächlichen Abstimmung muss Schmidt sich klar gegen Glyphosat aussprechen.

Das sagt Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA):

„Dass die Nachricht dennoch so hohe Wellen schlägt, liegt daran, dass die Glyphosat-Debatte zuletzt hysterisch, überdreht und in Teilen unredlich geführt wurde. Kurz vor der Entscheidung über die Verlängerung der EU-Genehmigung des Wirkstoffs ist es höchste Zeit, sie wieder zu versachlichen.“ (Pressemitteilung vom 17.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Die Gesundheitsrisiken des Pflanzengifts Glyphosat sind nach wie vor ungeklärt und dürfen auch vom IVA nicht ignoriert werden. Bis zur abschließenden Klärung muss das Vorsorgeprinzip greifen - das Pflanzengift darf nicht angewendet werden.

Das sagt Anton Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Die Grünen):

„Wir brauchen ein klares Bekenntnis für den Schutz der Menschen vor gesundheitlichen Risiken. Denn das Gefahrenpotenzial von Glyphosat für Gesundheit, Umwelt und Artenvielfalt ist groß und nicht abschließend geklärt.“ (Pressemitteilung vom 19.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Der Schutz der menschlichen Gesundheit muss vor Profit und Konzerninteressen stehen; Umwelt und Artenvielfalt müssen geschützt werden.

Das sagt die Bundesärztekammer:

„Der 119. Deutsche Ärztetag in Hamburg  hat die Bundesregierung und die Europäische Kommission aufgefordert, gemäß dem sogenannten Vorsorgeprinzip in Art. 191 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union keiner weiteren Verlängerung der Zulassung von Glyphosat zuzustimmen.“ (Papier vom 27.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Ein klares Statement der Bundesärztekammer gegen Glyphosat und für die Gesundheit. Diese Forderung darf von der Politik nicht ignoriert werden. 

Das sagt das Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU): 

„Im letzten Sommer gab es eine gemeinsame Risikobewertung der zuständigen Geschäftsbereiche des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums, die einem Einsatz nicht entgegensteht“, teilte das Gesundheitsministerium auf Anfrage in Berlin mit. „Da sich an den Fakten seitdem nichts geändert hat, sehen wir keine neue Sachlage, die dieser Bewertung entgegenstehen sollte.“ (FAZ vom 25.5.16)

So beurteilt das Greenpeace:

Dieses Verharren des Gesundheitsministers ist ein Armutszeugnis. Es gibt genug Belege, um sich gegen die Wiederzulassung zu stellen.

>>> Glyphosat schadet der Artenvielfalt und steht im Verdacht krebserregend zu sein, trotzdem soll seine EU-Zulassung verlängert werden. Fordern Sie Agrarminister Christian Schmidt auf, gegen das Gift zu stimmen!

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