Gen-Food - Was ist das?

Eine genmanipulierte Anti-Matsch-Tomate oder Gen-Bananen mit vielen Vitaminen gibt es in keinem Supermarkt der Welt zu kaufen. Auch nicht in den USA, dem El Dorado der Gentechnik.
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Viele Gen-Pflanzen sind nie über das Stadium der Forschung hinaus gekommen. Tatsächlich zugelassen und angebaut werden im Wesentlichen Soja, Baumwolle, Raps und Mais. Die Industrie verwendet diese Pflanzen hauptsächlich für Futtermittel, die Baumwolle als textilen Rohstoff. Rund 80 Prozent der weltweiten Sojaernte landet im Tierfutter. Es werden jedoch auch Zutaten für die Lebensmittelherstellung aus Gen-Pflanzen gewonnen wie zum Beispiel Maisstärke, Sojalecithin, Soja- und Raps-Öl sowie Zucker. So sind die in den USA angebauten Zuckerrüben in der Regel gentechnisch verändert.

Diese Lebensmittelzutaten werden vor allem in Fertigprodukten und Süßwaren verarbeitet. Auch in der EU sind sie erlaubt, obwohl in den Mitgliedsländern kaum eine Gen-Pflanze zum Anbau zugelassen ist – sie dürfen aber importiert werden. Generell verboten sind in der EU genmanipulierte Papayas, Zucchinis und Kürbisse, die beispielsweise in den USA angebaut werden.

In Deutschland sind so gut wie keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf dem Markt. Da diese entsprechend gekennzeichnet werden müssten, gelangen sie in der Regel nicht in die Supermärkte. Denn die Lebensmittelbranche hat erkannt, dass die meisten Verbraucher Gen-Pflanzen im Essen ablehnen. Sie wollen mit ihrem Einkauf weder den risikoreichen Anbau unterstützen noch etwas essen, was nicht ausreichend erforscht ist.

Ist Gen-Food gefährlich?

Zwar schreibt die EU für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen, die angebaut oder als als Lebensmittel verwendet werden sollen, eine Risikoprüfung vor, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) durchgeführt wird. Die EFSA wird aber schon lange wegen ihrer zu laxen Prüfkriterien kritisiert - insbesondere dafür, dass sie unabhängige Studien zu wenig berücksichtigt. So werden die den Bewertungen zugrunde liegenden Daten zum Großteil von der Industrie erhoben. Tatsächlich hat die europäische Behörde bisher jede Gen-Pflanze als sicher bewertet, auch wenn unabhängige wissenschaftliche Studien dagegen sprachen.

Dadurch gelangen die Produkte aber nicht zwangsläufig auf den europäischen Markt, denn über die Zulassung entscheiden die EU-Mitgliedsstaaten beziehungsweise die EU-Kommission. Meist können sich die Länder sowohl bei der Zulassung von Gen-Pflanzen für den Import, als auch für den Anbau nicht einigen. Die dann verantwortliche Europäische Kommission hat bisher den meisten Importzulassungen zugestimmt. Schwerer tut sie sich beim Anbau in Europa, da dieser weitaus umstrittener ist.

Akute Auswirkungen von Gen-Pflanzen auf die Gesundheit wie beispielsweise Giftigkeit oder das Auslösen allergischer Reaktionen sind möglich, aber über Tests weitgehend auszuschließen. Eine Abschätzung von Langzeitfolgen jedoch findet kaum statt. Mögliche längerfristige Gesundheitseffekte von Gen-Food werden nicht systematisch überwacht. Auch Kombinationseffekte zwischen verschiedenen Gen-Pflanzen werden nicht untersucht. Im Oktober 2013 hielten Wissenschaftler des European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER) in einer öffentlichen Stellungnahme fest, dass es - entgegen der Behauptungen der Gen-Industrie und anderer Gentechnik-Befürworter - keinen wissenschaftlichen Konsens über die Sicherheit von gentechnisch veränderten Lebensmitteln gibt. Inzwischen haben über 300 Wissenschaftler dieses Statement unterschrieben.

Die Risiken von Gen-Pflanzen fangen allerdings schon viel früher an, nämlich auf dem Acker: In dem Moment, in dem Gen-Pflanzen angebaut werden, können sie sich über Pollenflug unkontrolliert verbreiten. Ob illegaler Gen-Reis, Gen-Leinsaat im Brot oder Gen-Raps im Honig: Lebensmittelskandale in der Vergangenheit zeigen, dass sich diese Risikotechnologie nicht kontrollieren lässt. Beim Anbau dieser Pflanzen werden zudem viele Agrargifte eingesetzt, die Artenvielfalt zerstört und die gentechnikfreie Landwirtschaft gefährdet.

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