Tierfutter - ein Risiko
Abkehr von der Massentierhaltung ist überfällig
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- Artikel veröffentlicht am: 26.10.2002,
- Artikel veröffentlicht von: Greenpeace Redaktion
Millionen europäischer Verbraucher mussten in den letzten Jahren Fleisch mit gesundheitsschädlichen Antibiotika, Hormonen, Dioxinen, PCBs und anderen Chemiegiften essen. Das Fleisch stammte von Hühnern, Puten und Schweinen, die mit verseuchtem Tierfutter gefüttert worden waren. Dazu kam noch BSE-verseuchtes Rindfleisch, das vermutlich bei hunderten Menschen die neue Form der Kreutzfeld-Jacob-Krankheit ausgelöst hat. Gegen Antibiotika widerstandsfähige Krankheitserreger wurden wiederholt über Fleisch, Rohmilch oder Eier auf den Menschen übertragen. Die Folge: Behandlungs-Notstand in der Humanmedizin. Ärzte werden machtlos, weil die Wunderwaffe Antibiotikum nicht mehr wirkt.

Für Landwirte, Lebensmittel-Handel und Steuerzahler entstehen Jahr für Jahr Schäden in Milliardenhöhe: durch Rückruf-Aktionen von Lebensmitteln im Handel, die Schließung hunderter Betriebe, die Tötungtausender Nutztiere, die Vernichtung belasteter Tierkörper sowie durch die Folgen von Exportstopps. Gesundheitsschäden und sogar Todesfälle durch Krankheitserreger, die gegen Antibiotika widerstandsfähig sind, Kreutzfeld-Jacob-Erkrankungen und Rückstände von Chemikalien kommen hinzu.
EU-Kommission und Bundesregierung haben es trotz der zahlreichen Futtermittel-Skandale in den letzten Jahren versäumt, wirksame Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher zu ergreifen. Viele Politiker scheinen nicht zu begreifen, dass es unmöglich ist, Lebensmittel frei von gefährlichen Rückständen zu erzeugen, so lange viele gefährliche Stoffe im Tierfutter erlaubt sind, oder dort nicht wirksam kontrolliert werden.
Futtermittel-Skandale sind Lebensmittel-Skandale
- 1998: Dioxinverseuchte Zitrusschalenreste aus Brasilien werden
Futtermitteln beigemischt und verursachen in Deutschland erhebliche
Dioxin-Belastungen in der Kuhmilch.
- 1999: Ein belgischer Futtermittelproduzent mischt PCB-belastetes
Altöl in Hühnerfutter. Mit PCB (polychlorierte Biphenyle) verseuchte
Hähnchen und Eier kommen in Europa auf den Markt und gelangen zum
Verbraucher.
- 1999: In Frankreich wird in Futtermitteln für Schweine und Geflügel
Klärschlamm gefunden. Französische Hersteller hatten das Tierfutter
jahrelang mit Klärschlamm gestreckt.
- 2001: Mit Chloramphenicol (CAP) belastete Hähnchen und Shrimps aus
Thailand und China kommen auf den europäischen Markt. Dem Futter der
Tiere war das in Europa verbotene Antibiotikum zugesetzt worden.
- Bis 2001: Die Beimischung von Tiermehl zu Futtermitteln löst in Europa möglicherweise die Rinderseuche BSE aus.
- 2001/02: Greenpeace weist das Antibiotikum Tetracyclin in deutschen
und in besonders hohem Maße in italienischen Putenkeulen nach. Die
Putenmäster geben das Antibiotikum legal über das Geflügelfutter bzw.
das Tränkenwasser.
- 2002: Das in der EU verbotene Antibiotikum Nitrofuran wird in aus
Südostasien importieren Geflügelprodukten und Garnelen (= Krabben)
nachgewiesen. Auch dieses Antibiotikum wird dem Futter zugesetzt.
- Hinzu kommen Belastungen mit Pestiziden, die in Futtermitteln kaum untersucht werden.
Greenpeace fordert:
Um Verbraucher, Tiere und Umwelt zu schützen, müssen Lebensmittelhandel und Landwirtschaft der Massentierhaltung endlich den Rücken kehren. Greenpeace setzt sich seit Jahren für die Produktion ökologisch nachhaltiger und gesunder Lebensmittel ein.
Greenpeace fordert von der Bundesregierung und der EU-Kommission Sofortmaßnahmen, damit die oft durch verseuchte Futtermittel ausgelösten Lebensmittel-Skandale endlich ein Ende nehmen:
- Verbindliche europäische Positivliste für alle
Futtermittel-Inhaltsstoffe. Bisher sind alle Zusätze erlaubt, die nicht
explizit verboten wurden. Eine Positivliste dreht den Spieß um: Es
dürfen dann nur noch solche Stoffe ins Futter, die der Gesetzgeber
explizit zulässt.
- Verbot von gentechnisch veränderten Bestandteilen in Futtermitteln.
- Europaweit scharfe Kontrollen von Futter- und Lebensmitteln.
- Schadens-Fonds der Futtermittelindustrie zur Entschädigung der Opfer von Futter- und Lebensmittel-Skandalen.
- Verschärfung der Sanktionen und strafrechtlicher Maßnahmen gegen
verantwortliche Futtermittel- und Lebensmittelproduzenten bei
Gesetzesverstößen.
Vor allem Skandale wie die um das Pflanzenvernichtungsmittel Nitrofen sowie das Hormon MPA (Medroxy-Progesteron-Acetat) können nur verhindert werden, wenn Kontrollen und Sanktionen drastisch verschärft werden.
Das können Sie tun:
- Wenn Sie auf Fleisch nicht verzichten möchten, dann bevorzugen Sie
Fleisch aus ökologischer Produktion. Die Tiere wachsen unter besseren
Haltungsbedingungen auf. Ihr Futter unterliegt hohen Anforderungen und
wird streng kontrolliert. Gentechnik im Futter wie zum Beispiel
Gen-Soja sind dabei genauso verboten wie der Zusatz von Antibiotika als
Mastbeschleuniger.
- Fordern Sie Ihren Lebensmittelhändler auf, Fleischprodukte aus Massentierhaltung aus den Regalen zu nehmen.