Ein Artikel von Beate Steffens

EU-Verordnung bedroht Vielfalt

Am 6. Mai wird die EU-Kommission einen Entwurf für eine Neuregelung des Saatgutverkehrsrechtes vorlegen. Noch ist nicht ganz klar, was die Europäische Kommission genau vorstellen wird. Doch die Stoßrichtung ist deutlich: Die Rechte von Bauern und Saatgutinitiativen, eigenes, sogenanntes nicht zertifiziertes Saatgut in Umlauf zu bringen, soll erheblich eingeschränkt werden.

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Angeblich sollen künftig neben Landwirten auch Kleingärtner nur noch zugelassenes Saatgut verwenden dürfen. Das wäre ein Stück aus dem Tollhaus. Die EU Kommission bestreitet zwar dies, gibt aber zu, dass es in Zukunft verschärfte Regeln für den Umgang mit alten und seltenen Sorten geben soll. So ist vorgesehen, dass sämtliches Saatgut zukünftig registriert werden muss. Für Saatgutinitiativen, die teilweise mehrere tausend alter Sorten vermehren und vermarkten, ein gigantischer Aufwand.

Auch Landwirte, die aufgrund des Mangels an geeigneten zugelassenen Sorten bisher intern einen Saatgutaustausch für Körnerleguminosen an der Saatgutindustrie vorbei organisiert haben, werden in Zukunft Schwierigkeiten bekommen.

Der Handel mit alten oder seltenen Sorten war bisher rechtlich eine Grauzone und nicht eindeutig geregelt. Viele Initiativen hatten gehofft, dass die Bedingungen für ihre Arbeit im Rahmen der EU-Neuregelung verbessert würden, doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Die geplanten bürokratischen Hürden könnten den Aufwand so hoch machen, dass viele wohlgemeinte Initiativen ihre Arbeit einstellen müssen.

Wir erleben seit Jahrzehnten wie die Sortenvielfalt auf den Äckern und gewerblichen Gärtnereien dramatisch abnimmt. Ein Verbot oder verschärfte Regeln für die Erzeugung und den Handel mit regionaltypischen oder seltenen Sorten zwischen Privatpersonen würde die Vielfalt an Gemüsesorten und Ackerpflanzen weiter drastisch reduzieren und großen Saatgutkonzernen wie Monsanto in die Hände spielen.

Denen ist die Arbeit der kleinen Saatgutinitiativen nicht nur aus kommerziellen Gründen schon lange ein Dorn im Auge. Viele Initiativen sind auch politisch gegen die Grüne Gentechnik und die Patentierung von Pflanzen aktiv. Das sind genau die Felder, über welche die Saatgutmultis versuchen ihre Herrschaft/Claims auszudehnen. Die Konzentration im Saatgutmarkt ist bereits heute extrem groß: nur 10 Saatgutkonzerne kontrollieren Dreiviertel des globalen Saatgutmarktes.

"Über Patentanträge, Verbote oder Einschränkung des Nachbaus auf konventionelle Sorten versuchen Saatgutmultis seit Jahren die Kontrolle über unser Essen zu gelangen", sagt Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. "Die durchgesickerten Pläne der Kommission unterstützen sie dabei. Verbraucher und Gärtner dürfen sich das nicht gefallen lassen, wir brauchen Vielfalt in den Gärten und auf dem Teller und nicht zunehmende Einöde und gentechnische Einfalt."

Verbraucher, die aktiv werden wollen, können hier eine Petition gegen die Pläne der EU-Kommission unterzeichnen.

Weitere Hindergrundinformationen zu dem Thema finden Sie auf der Webseite von Save our Seeds.

Aktuelle Publikationen zum Thema

Der Greenpeace-Report fasst eine europaweite Untersuchung gesammelter Bienen-Pollen zusammen.Das beauftragte Labor hat in den Pollen Pestizidcocktails mit bis zu 17 Agrargiften gefunden. In acht von 15 Pollenproben aus Deutschland fand sich das für Bienen gefährliche Neonicotinoid Thiacloprid von Bayer.
Weitgehend unbemerkt findet in der Pflanzenzüchtung eine echte Revolution statt: die Markergestützte Selektion (MAS, marker assisted selection) oder auch Smart Breeding - eine Präzisionszucht ohne Risiken und Nebenwirkungen.

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