Ein Artikel von Beate Steffens

Lebensmittel gehören nicht in den Tank

In jedem Jahr am 16. Oktober ist Welternährungstag. Das Fazit der Welternährungsorganisation zu diesem Gedenktag ist traurig: über 850 Millionen Menschen weltweit sind unterernährt, rund 15 Prozent der Menschheit hungert. Gleichzeitig sagt die Niederländische Rabobank voraus, dass viele Agrarprodukte im kommenden Jahr noch deutlicher teurer werden und ein Allzeithoch erreicht wird.

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Für Hunger und Unterernährung gibt es viele Ursachen. Ein wichtiger Grund ist, dass Menschen sich ihre Nahrung nicht mehr finanziell leisten können. Daran haben Agrarkraftstoffe einen wichtigen Anteil. In immer größerem Umfang wird Agrosprit aus Lebensmittelpflanzen hergestellt. Dadurch steigt die weltweite Nachfrage und damit die Preise.

Allein in Deutschland flossen im vergangenen Jahr drei Millionen Tonnen Getreide - verarbeitet zu Ethanol - in die Autotanks. Mit drei Millionen Tonnen Getreide könnten gut und gerne zehn Millionen Menschen ernährt werden. Der Flächenverbrauch für den Anbau von Agrospritpflanzen ist gewaltig. Umgerechnet kann mit dem Getreide für zwei Tankfüllungen reinen Agrosprits einen Menschen ein Jahr lang ernähren. Oder anders gesagt: Mit dem Getreide von einem Hektar Land werden genug Kalorien erzeugt um 33 Menschen ein Jahr vegetarisch zu ernähren oder zwei Autos mit durchschnittlichem Spritverbrauch ein Jahr lang zu fahren.

Biosprit schon heute im Tank

In Deutschland wird derzeit heftig über den Einsatz von E10 debattiert. Dabei ist E10 nur die Spitze des Eisberges. Die meisten Verbraucher wissen nicht, dass sie bereits heute an der Tankstelle Biosprit tanken. In Superbenzin sind rund fünf Prozent Ethanol beigemischt, das überwiegend aus Getreide hergestellt wurde. Im Diesel sind sogar sieben Prozent Biodiesel aus Ölpflanzen wie Soja, Raps oder Palmölpflanze enthalten.

Für all diese Pflanzen werden wertvolle Ackerflächen benötigt. Schuld an der Beimischung ist das Biokraftstoffquotengesetz. Das verpflichtet die Mineralölindustrie, bestimmte Mengen an Biosprit zu verkaufen. Andernfalls müssen die Mineralölkonzerne Strafen zahlen.

Dabei sind die Klimaeffekte von Biosprit mehr als fraglich. Nur Biosprit aus Abfallstoffen hat eine wirklich gute Umwelt- und Klimabilanz und ist eine gute Alternative.

(Autor: Martin Hofstetter)

Update vom 17. Oktober 2012:

Die Europäische Kommission schlägt vor, sogenannten Biosprit aus Agrarpflanzen von 10 Prozent auf 5 Prozent des Gesamtspritverbrauchs zu reduzieren. Gleichzeitig hat sie den Berechnungsfaktor für die Klimabilanz von Agrosprit verwässert. Den Vorstoß kommentiert Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter:

Die Verringerung des Biospritanteils ist ein richtiger Schritt, reicht aber bei weitem nicht aus. Besser wäre es, die Umwandlung von Nahrungsmittelpflanzen in Kraftstoff grundsätzlich zu verbieten.

Der Vorschlag der EU-Kommission ist weder logisch noch ökologisch – Biosprit aus Pflanzenölen ist klimaschädlicher als herkömmlicher Diesel. Trotzdem sollen Palm- und Sojaöl weiterhin als Treibstoff im Verkehr eingesetzt werden. Da hat die Agrar- und Industrielobby ihre Interessen durchgesetzt. Für den Anbau von Palm- und Sojaöl wird Urwald gerodet, aber diese CO2-Emissionen sollen nicht in die Klimabilanz von Agrosprit einfließen. Die angeblich grüne Alternative soll weiterhin an europäischen Tankstellen verkauft werden. Die EU nimmt in Kauf, dass sie mit ihrer Biosprit-Politik der Umwelt schadet und den weltweiten Hunger fördert.

Unterstützten sie uns

Schreiben sie Umweltminister Altmaier eine E-Mail (leitungsregistratur@bmu.bund.de) und fordern Sie ihn auf:

  • E10 zu stoppen und die Herstellung von Ethanol aus Getreide zu verbieten.
  • Das deutsche Biokraftstoffquotengesetz auszusetzen.
  • Sich innerhalb der EU dafür einzusetzten, dass nur noch Abfälle zur Herstellung von Biokraftstoff eingesetzt werden.

Agrar- und Industrieverbände machen Stimmung gegen notwendige Reformen, da sie mit Biosprit viel Geld verdienen. Um so wichtiger ist es, dass Sie der Politik klar ihre Meinung sagen.

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