Ein Artikel von Mirja Schneemann

Bio-Lebensmittel: die bessere Wahl

Immer wieder taucht bei Verbrauchern die Frage auf, wie gesund Lebensmittel aus biologischem Anbau wirklich sind. Klar ist: Bei Obst und Gemüse handelt es sich grundsätzlich um gesunde Lebensmittel. Die Frage des Anbaus spielt dabei aber eine entscheidende Rolle. Konventionell bewirtschaftete Früchte sind häufig mit Pestiziden belastet. Die wirken sich nicht unbedingt auf den Vitamingehalt aus, sind aber schädlich für Mensch und Umwelt. Christiane Huxdorff von Greenpeace ist Expertin für Nachhaltige Landwirtschaft und kann die Auswirkungen erklären.

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Online Redaktion: Eine aktuelle Studie der Universität Stanford findet keinen eindeutigen Nachweis dafür, dass biologische Lebensmittel nährstoffreicher sind oder ein geringeres Gesundheitsrisiko bergen.

Christiane Huxdorff: Laut Meldung der dpa zeigt die Studie der Universität Stanford, dass im Urin von Kindern, die sich ökologisch ernähren, weniger Pestizidrückstände zu finden sind als bei Kindern, die konventionelle Lebensmittel verzehren. Und dies ist auch der entscheidende Unterschied: Bio-Obst und Gemüse sind in aller Regel unbelastet, da im biologischen Anbau keine chemisch-synthetischen Pestizide zugelassen sind - lediglich in Ausnahmen werden Spuren von Pestiziden gefunden.

In konventionellem Obst und Gemüse hingegen kann auch durchaus mehr als nur ein Pestizid enthalten sein. Es finden sich immer wieder sogenannte Pestizidcocktails, die ein besonderes Problem darstellen können. Studien zeigen, dass sich die Wirkung von mehreren gleichzeitig vorhandenen Chemikalien, wie sie häufig in Obst und Gemüse vorkommen, verstärken kann. Diese Einschätzung belegt auch die aktuelle Greenpeace-Studie Mehrfachbelastung durch Pestizide auf Mensch und Umwelt.

Online Redaktion: Warum werden Pestizide überhaupt eingesetzt?

Christiane Huxdorff: Unter Pestiziden versteht man chemische Mittel, die in der konventionellen Landwirtschaft zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden. Zum Beispiel sind Insektizide dazu da, Insekten abzutöten. Herbizide vernichten Unkräuter und Fungizide bekämpfen Pilzbefall. Im biologischen Anbau dürfen solche chemisch-synthetischen Pestizide nicht eingesetzt werden - Umwelt und die Lebensmittel werden somit nicht belastet. Ökobauern setzen außerdem Nützlinge ein, bekämpfen Unkräuter mechanisch und achten auf optimale Fruchtfolgen, durch welche Schädlinge auf natürliche Weise eingedämmt werden. Zudem dienen die Fruchtfolgen im Ökolandbau der Bodengesundheit und Bodenfruchtbarkeit.

Online Redaktion: Und was ist noch besser an Bio?

Christiane Huxdorff: In der ökologischen Landwirtschaft darf keine Gentechnik eingesetzt werden. Verbraucher, die keine Gen-Pflanzen auf ihrem Teller wollen, sind da also auf der sicheren Seite. Auch bei Fleisch, Milch und Eiern von Biobetrieben können die Verbraucher sicher sein , dass die Nutztiere keine Gentechnik im Futtertrog hatten.

Desweiteren ist der ökologische Landbau besser für das Klima, da weniger klimaschädliche Gase wie Kohlendioxid und Lachgas freigesetzt werden. Langfristig gesehen sind daher Umwelt und Böden gesünder und somit ist auch eine langfristige Lebensmittelsicherheit gewährleistet.

Online Redaktion: Inwiefern wirkt sich Biolandbau auf die Tierhaltung und den Tierschutz aus?

Christiane Huxdorff: Die Tiere auf den Ökohöfen haben mehr Platz, leben meist in kleineren Gruppen und erhalten vorwiegend Futter direkt vom Betrieb. In Abhängigkeit von klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheit haben die Tiere auch Zugang zu Weide- und Freiflächen. Durch mehr Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten als in der konventionellen Tierhaltung haben die Tiere mehr artgerechte Verhaltensmöglichkeiten.

Auch sind in der Bio-Haltung schmerzhafte Eingriffe wie das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen und das Kürzen von Schnäbeln verboten. Zusätzlich ist es ein Ziel, die Lebensdauer jedes einzelnen Tieres zu erhöhen, was sich auch darin wiederspiegelt, dass Bio-Masttiere langsamer wachsen dürfen als ihre Artgenossen im konventionellen Stall.

Im ökologischen Landbau dürfen Antibiotika nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden, wenn ein Tier schwer krank ist. Dadurch bilden sich weniger Keime, die gegen Antibiotika resistent sind. Resistente Krankheitserreger sind ein Problem, das gerade durch die industrielle Massentierhaltung enorme Ausmaße angenommen hat.

Fleisch und Milch von Biobetrieben sind aber auch gesünder: Studien zeigen , dass Bio-Milch und Bio-Rindfleisch mehr essenzielle Omega 3 Fettsäuren enthalten - somit ein für den Menschen gesünderes Fettsäuremuster aufweisen. Das liegt daran, dass ökologisch gehaltene Kühe in aller Regel weniger Kraftfutter und Mais bekommen und dafür mehr Grünfutter und Heu als ihre konventionellen Artgenossen. Da macht also das bessere Futter den Unterschied aus.

Online Redaktion: Die ARD zeigte am 3. September die Sendung "Exclusiv im Ersten: Wie billig kann Bio sein?" Die darin gezeigten Tiere aus Bio-Haltung sahen alles andere als glücklich aus. Was sagst du dazu?

Christiane Huxdorff: Auch bei Bio gibt es Unterschiede. Verbandssiegel wie Demeter und Bioland haben teilweise deutlich strengere Anforderungen als das europäische Bio-Siegel. Die Tiere haben mehr Platz, Haltung und Fütterung sind besser. So dürfen zum Beispiel laut Bio-Verordnung der EU 230 Legehennen bzw. 580 Masthühner pro Hektar (ha) gehalten werden; bei Demeter und Bioland sind es hingegen 140 Legehennen bzw. 280 Masthühner. Wer diese höheren Standards unterstützen will, muss also schauen, ob sich neben dem sechseckigen Bio-Siegel zusätzlich ein Bioland- oder Demeter-Logo auf der Verpackung befindet. Für den Verbraucher wird das aber unüberschaubar: Grundsätzlich muss jede Bio-Tierhaltung besonders hohen Ansprüchen genügen, damit solche Bilder nicht mehr vorkommen können.

Online Redaktion: Herzlichen Dank für das Gespräch!

(Das Interview führte Mirja Schneemann)

Zum Weiterlesen ein paar Links:

Ökomonitoring: Wo BIO draufsteht muss auch BIO drin sein

Das Futter macht's - Milch ist nicht gleich Milch!

 

Aktuelle Publikationen zum Thema

Der Greenpeace-Report fasst eine europaweite Untersuchung gesammelter Bienen-Pollen zusammen.Das beauftragte Labor hat in den Pollen Pestizidcocktails mit bis zu 17 Agrargiften gefunden. In acht von 15 Pollenproben aus Deutschland fand sich das für Bienen gefährliche Neonicotinoid Thiacloprid von Bayer.
Weitgehend unbemerkt findet in der Pflanzenzüchtung eine echte Revolution statt: die Markergestützte Selektion (MAS, marker assisted selection) oder auch Smart Breeding - eine Präzisionszucht ohne Risiken und Nebenwirkungen.

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