Landwirtschaft

Bewusst essen

Fleisch ist in Deutschlands Supermärkten für wenig Geld zu haben. Doch Billigfleisch hat seinen Preis – für die Tiere, aber auch unsere Gesundheit und Umwelt.

Iss gut jetzt!

„Solange Kakao-Bohnen an Bäumen wachsen, ist Schokolade für mich Obst“. Ums Essen ranken sich viele Weisheiten. Sicher ist: Es ist mehr als eine reine Geschmackssache. Denn mit dem, was wir essen, können wir die Welt verändern.

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Das gilt vor allem für Fleisch. Die steigende Produktion trägt zu den größten Umweltproblemen unserer Zeit bei: vom globalen Klimawandel bis zur Verschmutzung unseres Trinkwassers.

Auch das von den Supermärkten betriebene Preisdumping pusht diese Entwicklung. Denn hinter einem Kilogramm Schnitzel für sechs Euro kann keine nachhaltige Landwirtschaft stecken. Dem Konkurrenzdruck trotzen meist große Mastfabriken mit bis zu 60.0000 Schweinen. Kleine Höfe könnten bald von der Landkarte verschwinden. Doch der Kunde wäre nicht König, wenn er diese Entwicklung nicht beeinflussen könnte.

Fleischeslust und Fleischeslast

So verdrängt das Wissen um die Fleischmisere die Angst vor dem Kochen mit Kürbis und Co.: Verbraucher lassen sich zunehmend von den kulinarischen Fähigkeiten vegetarischer Produkte überraschen. Der Fleischkonsum in Deutschland ist tatsächlich rückläufig – aber nur leicht. Mit 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr liegt er immer noch deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 40 Kilogramm. Die Hälfte müsste es sein – dazu rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung aus gesundheitlichen Gründen. Auch das Greenpeace „Kursbuch Agrarwende 2050“ kommt zu diesem Ergebnis. Nur dann kann Deutschland seine Klima- und Artenschutzziele erreichen sowie kommende Generationen mit gesunden Lebensmitteln ernähren. 

Denn wenn wir weitermachen wie bisher, vergeht nicht nur der Appetit:

  • Bei der Herstellung von Billigfleisch wird gespart: Deshalb landet billigeres gentechnisch verändertes Futter aus Südamerika im Trog, werden Tiere unter unsäglichen Bedingungen turbogemästet. Einem 110 Kilogramm schweren Schwein werden 0,75 Quadratmeter zugestanden. Kein Auslauf, kaum Tageslicht, wenig Beschäftigung – 24 Stunden am Tag. Dieser Alltag macht das Vieh krank – die massive Gabe von Antibiotika alarmiert auch Ärzte, die vor der Bildung resistenter Keime warnen.
  • Die ausufernde Tierhaltung produziert noch mehr Probleme: zum Beispiel Gülle. Landwirte wissen nicht mehr, wohin damit. Die Menge belastet Böden, Gewässer und unser Trinkwasser. Auch das Klima leidet: 14, 5 Prozent aller Treibhausgasemissionen gehen weltweit auf das Konto der Tierhaltung, so viel wie im Verkehrssektor.
  • 67 Millionen Hühner, 59 Millionen Schweine, 37 Millionen Puten, 3,6 Millionen Rinder wurden 2016 in Deutschland getötet. Das ergibt 8,25 Millionen Tonnen Fleisch – besonders beliebt ist das vom Schwein. In den vergangenen 20 Jahren ist die Produktion von Schweinefleisch um etwa 50 Prozent gestiegen. Deutschland produziert 20 Prozent mehr, als hierzulande gegessen wird. Die Überschüsse landen im Export.
  • Ein Bauer erhält für ein Kilogramm Schweinefleisch gerade einmal 1,60 Euro – damit kann er knapp seine Kosten decken. Um seine Tiere artgerechter und umweltschonender halten zu können, bräuchte er 50 Cent mehr. Die Niedrigpreise jedoch zwingen Bauern zur Aufgabe oder zur Expansion. 90 Prozent der Betriebe wurden in den vergangenen 20 Jahren geschlossen.

Wollen wir das alles?

Essenswert

„Nein! Aber ich kann nicht jeden Tag dem betörenden Duft einer Bratwurst wiederstehen“, mag nun dem einen oder anderen durch den Kopf schießen. Darum geht es vielleicht auch nicht. Es geht um weniger Fleisch – und um besseres. Im Supermarkt jedoch gleicht eine Salami der anderen. Label wie QS oder Initiative Tierwohl führen in die Irre und verschleiern schlechte Tierhaltung. Eine Orientierung bietet unser Siegel-Ratgeber Schweinefleisch. In der aktuellen Kampagne fordert Greenpeace vom Handel, Verantwortung zu übernehmen und kein Billigfleisch mehr anzubieten. Insbesondere Discounter wie Lidl sorgen mit Dumpingpreisen für zu viel Tierleid und dramatische Umweltschäden.

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Häufig gestellte Fragen

  • Wie sollte eine bewusste Ernährung aussehen?

    Eine bewusste Ernährung bedeutet in erster Linie, sich zu informieren, woher die Lebensmittel stammen: Bevorzugen Sie saisonale Produkte aus der Region – am besten in Bio-Qualität. Denn die ökologische Landwirtschaft setzt keine chemisch-synthetischen Pestizide ein, auch die Tierhaltung ist besser als bei konventionellen Betrieben. Weniger Fleisch, dafür aus besserer Tierhaltung, sorgt für weniger Tierleid, ist gut für die Gesundheit und entlastet die Umwelt.

  • Was versteht Greenpeace unter tiergerechterer Haltung?

    Tiere sollten ihre angeborenen Verhaltensweisen ausleben können. Das geht nur, wenn ausreichend Platz, Zugang zu Freiland, Beschäftigungsmöglichkeiten, Tageslicht und abgetrennte Liegebereiche vorhanden sind.

  • Was sind die größten Probleme der heutigen Fleischproduktion?

    Die Tierhaltung in Deutschland produziert zahlreiche Umweltprobleme: Die Tiere stoßen Treibhausgase aus, die das Klima gefährden, Ammoniak aus den Fäkalien schadet der menschlichen Gesundheit, Dünger (Gülle) belastet Böden und Gewässer und verunreinigt unser Trinkwasser. Der immense Flächenbedarf für die Erzeugung von Futtermitteln wie Soja geht auf Kosten wertvollen Regenwaldes.

    Die schlechte Haltung macht die Tiere krank. Der massive Einsatz von Antibiotika führt zur Bildung resistenter Keime – ein zunehmendes Problem für die Humanmedizin.

  • Forderungen

    • Bessere Tierhaltung: zum Beispiel keine Verstümmelungen, mehr Platz und Tageslicht
    • Verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleischprodukte – wie bei Eiern
    • Mindestens fünf Monate Düngeverbot während der Winterzeit
    • Weniger Antibiotika, Verzicht auf Reserve-Antibiotika
    • Faire Preise für Erzeuger

    Veröffentlichungen zu diesem Thema