
In Deutschland sieht es so aus: Elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel gelangen jedes Jahr auf den Müll. Privathaushalte sind für 61 Prozent des Abfalls verantwortlich. Von den knapp 82 Kilogramm pro Bundesbürger wären 53 Kilogramm vermeidbar. Pro Kopf und Jahr werden Lebensmittel im Wert von 235 Euro pro Kopf weggeschmissen. Zu diesem Ergebnis kommt eine 2012 vom Verbraucherministerium veröffentlichte Studie.
Lebensmittelverluste der Landwirtschaft wurden leider nicht untersucht. Dabei werden Obst und Gemüse mit kleinen Makeln vernichtet oder bleiben auf dem Acker, weil die überzogenen Vorgaben des Handels nicht erreicht wurden.
Die Ursachen für die Lebensmittelverschwendung sind unterschiedlich: In Entwicklungsländern werden bessere technische Ausrüstungen für Landwirte benötigt, um dort Ernte- und Lagerungsverluste zu reduzieren. Eine Verbesserung der Infrastruktur und der Logistik würde die Verluste vom Feld bis zum Verbraucher verringern.
Hierzulande liegen die Probleme weniger bei den Erzeugern, sondern eher beim Handel sowie beim Konsumenten: Viele Handelskonzerne stellen gezielt ein Überangebot an Frischwaren bereit, um ihre Regale immer prall gefüllt zu halten. Bäckereien, die Supermärkte beliefern, müssen sich verpflichten, bis Ladenschluss alle verschiedenen Produkte anzubieten. Dass durch diese Anforderungen erhebliche Mengen nicht verkauft, sondern entsorgt werden müssen, nimmt der Handel billigend in Kauf. Gleichzeitig schickt der Lebensmittelhandel palettenweise Lebensmittel bei nur geringen äußeren Mängeln an die Erzeuger zurück.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) spielt bei der Verschwendung eine wichtige Rolle. Viele Menschen glauben, dass Produkte nach Ablauf des MHD nicht mehr konsumiert werden können. Doch das ist falsch: Das MHD garantiert nur von Seiten des Verkäufers, dass die Produkteigenschaften noch zu 100 Prozent gelten. Das MHD gilt extra für Lebensmittel, von denen nur ein geringes Risiko ausgeht. Bei Produkten wie Hackfleisch oder frischem Geflügelfleisch, von denen ein tatsächliches gesundheitliches Risiko ausgeht, wenn sie zu lange aufbewahrt werden, muss hingegen ein Verbrauchsdatum auf den Produkten angegeben werden.
Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace, sieht die Verantwortung auch beim Handel: Anstatt Frischprodukte kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) auf den Müll zu schmeißen, sollten solche Lebensmittel zu deutlich verminderten Preisen angeboten werden. Leider aber werfen viele Supermärkte lieber Lebensmittel weg, statt sie günstiger anzubieten oder an Die Tafel zu verschenken, weil sie glauben, dadurch an Umsatz zu verlieren.
Hofstetter weiter: Teilweise werden von Supermärkten Produkte, die nur leichte Mängel aufweisen, gezielt zerstört, um zu verhindern, dass Menschen sich an ihren Abfallcontainern diese Produkte herausfischen. Wenn der Lebensmittelhandel nicht von selbst reagiert und Maßnahmen ergreift, um die Verschwendung zu stoppen, muss die Politik Strafmaßnahmen wie eine hohe Abgabe für Lebensmittelabfall einführen.
Podcast:
GreenBites, der Podcast von Greenpeace: #20 - Von wegen Müll
Verbraucher haben viele Möglichkeiten, ihre Lebensmittelverluste zu reduzieren. Das fängt beim Einkauf an - also möglichst ohne Hunger und dafür mit Einkaufszettel einkaufen - geht weiter über die richtige Lagerung der eingekauften Lebensmittel und hört beim regelmäßigen Blick in den Kühlschrank auf. Inzwischen gibt es zahlreiche Kochbücher die zeigen, wie man leckere Sachen aus Resten herstellen kann.
Die Slow Food Bewegung hat sich bereits dem Thema angenommen und viele Ideen entwickelt. So haben in den Niederlanden Slow Food-Aktivisten Bauern geholfen, ihre reife Erdbeerernte mitten in Amsterdam kistenweise vom Anhänger zu verkaufen, indem sie per Rundmail in kurzer Zeit zu der Aktion aufgerufen haben. In Turin haben Slow Food-Köche die Reste einer Lebensmittelmesse für Hunderte Besucher zu einem mehrgängigen Restemenü verkocht. Vielleicht sollten wir auch einfach unsere Freunde anrufen, wenn der Kühlschrank doch einmal übervoll ist und Essen zu verderben droht. Gemeinsam kochen und essen bringt Menschen zusammen und verringert sinnlosen Abfall.
Hier noch ein Lesetipp: Für dieTonne. Wie wir unsere Lebensmittel verschwenden
von Tristram Stuart.
Wie unser Essen auf dem Müll landet, zeigt auch eindrucksvoll dieser Film:
"Taste the Waste" - Der Trailer from tastethewaste.com on Vimeo