EU-Parlament gegen Zulassung neuer Gen-Pflanze

Das Europäische Parlament hat heute die EU-Kommission aufgefordert, sich gegen die Zulassung des Gen-Maises 1507 auszusprechen. Greenpeace begrüßte diese Aufforderung ausdrücklich.

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"Das Europäische Parlament hat erkannt, dass es viele schwerwiegende Gründe gibt, warum der Gen-Mais keine Zulassung erhalten darf", sagt Dirk Zimmermann, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "1507 ist eine veraltete, riskante Gen-Pflanze, die nicht auf den Acker darf."

Der Mais 1507 der US-Saatgutunternehmen DuPont und Dow ist wie der in Deutschland verbotene Gen-Mais Mon810 eine so genannte Bt-Pflanze. Das heißt, sie produziert ein eigenes Insektengift, das permanent über alle Pflanzenteile an die Umwelt abgegeben wird. In einigen Teilen der Pflanze, etwa im Pollen, ist die Konzentration des Giftes sogar höher als im verbotenen Mon810. Zudem wurde der Mais gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat resistent gemacht, das in Deutschland wegen Gesundheitsrisiken verboten wurde und dessen Zulassung in der EU 2017 ausläuft.

Das selbst produzierte Insektengift gefährdet im Besonderen Schmetterlinge. Auch die Ökologie des Bodenlebens kann gestört werden. Weiterhin wurden die Auswirkungen der permanenten Giftabgabe auf Gewässersysteme nicht ausreichend untersucht.

Eine Zulassung für den Gen-Mais 1507 wurde bereits 2001 beantragt. In der Folge klagte Pioneer beim europäischen Gerichtshof gegen die EU-Kommission wegen Untätigkeit in Bezug auf die Anbauzulassung und bekam 2013 Recht. Die Kommission legte daraufhin einen Vorschlag zur Zulassung vor. Danach müssen die zuständigen Minister der Mitgliedsstaaten bis Februar 2014 darüber abstimmen. An diesem Freitag soll eine Expertenrunde bestehend aus Vertretern der Mitgliedsstaaten über die nächsten Schritte in Bezug auf die Abstimmung beraten.

Derzeit werden in Deutschland keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut. Aufgrund von Umweltrisiken wurde im April 2009 der Anbau des Gen-Maises Mon810 in Deutschland verboten. Die Zulassung der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora wurde wegen gravierender Fehler im Zulassungsverfahren im Dezember 2013 vom Europäischen Gerichtshof zurück genommen. Auch beim Mais 1507 wurde wie bei der Gen-Kartoffel Amflora von der EU-Kommission versäumt, den europäischen Mitgliedsstaaten aktualisierte Gutachten zur Sicherheitsbewertung zur weiteren Prüfung vorzulegen. Eine Zulassung unter diesen Umständen wäre allein schon deshalb unzulässig.

"Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich muss mit einem klaren Nein gegen den Gen-Mais stimmen", fordert Dirk Zimmermann. "Eine Enthaltung wäre zu wenig, sie könnte die Anbauzulassung für 1507 zur Folge haben und damit weiteren Gen-Pflanzen den Weg auf den Acker ermöglichen. Eine nachhaltige, klimafreundliche und fortschrittliche Landwirtschaft kann es nur ohne Agrogentechnik geben."

Publikationen

Hintergrund Gen-Mais 1507

Im Februar 2014 wurde auf dem Rat in Brüssel gegen die Anbauzulassung für den Gen-Mais gestimmt. Deutschland enthielt sich. Jetzt liegt es an der EU-Kommission.

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