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REWE will auf Gen-Soja und Soja aus dem Regenwald verzichten

Erfolg im Kampf gegen Gentechnik

Die REWE-Group hat angekündigt, bei ihren Eigenmarken zukünftig auf Gen-Soja und auf Soja aus Südamerika im Futter der Nutztiere zu verzichten. Das Unternehmen will auf heimische Futtermittel umsteigen. Wichtig ist jetzt die richtige Kennzeichnung dieser Produkte, damit der Verbraucher sie gleich erkennen kann.

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"Das ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Urwaldzerstörung und ein Erfolg für alle Verbraucher, die keine Gentechnik im Essen wollen, auch nicht indirekt über Futtermittel. Andere Supermarkt-Ketten und Lebensmittelproduzenten wie Edeka können sich daran ein Beispiel nehmen", sagt Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. "Rewe muss jetzt allerdings deutlich machen, in welchem Zeitraum eine Umstellung für die einzelnen Bereiche erfolgen soll. Zudem ist es ganz wichtig, dass die Verbraucher diese Produkte im Ladenregal auch erkennen können. Daher sollten die Produkte mit dem "ohne Gentechnik"-Siegel gekennzeichnet werden."

Vorsicht: Versteckte Gentechnik

Ein Großteil der weltweit angebauten Gen-Pflanzen landet im Futtertrog von Schwein, Rind und Geflügel. Tierische Produkte wie Eier, Fleisch oder Milch müssen aber nicht gekennzeichnet werden, wenn Gen-Soja oder Gen-Mais an die Tiere verfüttert wurden. Bei vielen konventionellen tierischen Produkten fördern die Verbraucher mit ihrem Kauf also indirekt den Anbau von riskanten Gen-Pflanzen, ohne dies zu wissen.

Greenpeace weist seit vielen Jahren massiv auf diese Lücke in der Gentechnik-Kennzeichnungsverordnung hin und fordert von Lebensmittelproduzenten, auf Gen-Pflanzen im Tierfutter zu verzichten. Der Greenpeace-Ratgeber "Essen ohne Gentechnik" versucht hier Licht ins Dunkel zu bringen und zeigt, welche Markenhersteller bei tierischen Produkten Gen-Pflanzen im Tierfutter einsetzen. Damit konnte mancher Stein bereits ins Rollen gebracht werden: Landliebe-Produkte, Bauer-Joghurt, Zott-Mozarella oder Grünländer-Käse sind nur einige der Markenhersteller, die  in den vergangen Jahren auf Gentechnikfreiheit umgestiegen sind. Rewe hatte bereits 2012 im Greenpeace-Ratgeber angekündigt, unter der Marke ProPlanet auf gentechnikfreie Futtermittel umzustellen.

"Die Entscheidung von Rewe zeigt: Geht nicht, gibt es nicht. Im Gegenteil: Die Handelskette geht sogar noch einen Schritt weiter, indem sie auf Soja aus Übersee verzichtet. Der Soja-Anbau in Südamerika ist eine der Hauptursachen für die alarmierende Urwaldzerstörung", sagt Töwe. „Der hohe Bedarf an Futtermitteln in Deutschland für die Produktion von Eiern, Fleisch und Milch ist ein extrem wichtiges Thema. Die Erzeugung von Futtermitteln bringt viele ökologische und soziale Probleme mit sich. Es besteht die Hoffnung, dass ein so großes Unternehmen wie Rewe hier einen Dominoeffekt auslösen kann.“

Fleisch und Milch werden heute ohne Rücksicht auf Tiere und Umwelt massenweise und billig produziert. Für Rinder, Schweine und Hühner ist zu viel Kraftfutter nötig. Über 35 Millionen Tonnen Soja kommen jährlich nach Europa. 80 Prozent davon werden als billiges Kraftfutter verwendet. Um den Bedarf in den Industrieländer und die steigende Nachfrage nach Fleisch in Schwellenländern zu decken, werden die Anbaugebiete für Soja in Südamerika ständig vergrößert. Die Ausdehnung der Soja-Anbaufläche verschlingt Weideland, verdrängt andere Nahrungspflanzen und zerstört den Urwald.

Im Rahmen der nationalen Umsetzung der EU-Agrarreform muss der Anbau von heimischen Eiweißfutterpflanzen endlich gezielt gefördert werden. Hier besteht aufgrund der zögerlichen Haltung von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner riesiger Handlungsbedarf.

Die REWE-Group ist eines der größten deutschen Handelsunternehmen. Zu ihr zählen unter anderem die Märkte Rewe, Penny, Billa und toom.

Mehr dazu bei Greenpeace:

Gen-Pflanzen: riskant, unkontrollierbar, nutzlos!

Gentechnik im Tierfutter muss nicht sein!

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