Klimawandel – das Tempo steigt

Verursacht der Mensch die Erderwärmung?

Wenn im Laufe der Erdgeschichte das Klima schwankte, dann dauerte dies Jahrtausende. Tiere und Pflanzen hatten Zeit, sich anzupassen. Die letzte Eiszeit begann vor rund 2,5 Millionen Jahren. Elf Prozent der Erde waren mit Eis bedeckt, es war bis zu zwölf Grad kälter als heute. Vor 12.000 Jahren endete dieses Eiszeitalter. Seitdem befinden wir uns in einer Art Zwischeneiszeit (geologisch: Interglazial) mit relativ stabilen klimatischen Bedingungen.
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In den letzten hundert Jahren hat die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre rapide zugenommen. Gleichzeitig stieg die globale Temperatur. Heute steht das gesamte Klimasystem der Erde auf der Kippe.

Der UN-Klimarat (IPCC) bestätigt in seinem Bericht von 2014, dass natürliche Faktoren bei der derzeitigen Klimaerwärmung kaum eine Rolle spielen. Mit der Intensität der Sonnenaktivität lässt sich die gemessene Erwärmung nicht erklären. Die Klimaforscher stellen fest, dass mit mehr als 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit menschliche Aktivitäten die Hauptursache des Temperaturanstieges sind.

Energiehunger der Industriestaaten belastet das Klima

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts begann das Zeitalter der Industrialisierung. Seitdem hat sich die Lebensweise der Menschen in den westlichen Industrienationen radikal verändert. Für unsere Maschinen, Fabriken, Dampflokomotiven, Autos, Flugzeuge, Computer und Handys fördern wir Bodenschätze zutage, die in hunderten Millionen Jahren entstanden sind. Wir verbrennen Kohle, Öl und Gas in großen Mengen und setzen damit das Klimagas Kohlendioxid (CO2) frei. Dieses gelangt in die Atmosphäre und verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt.

Unser hoher Energieverbrauch ist aber nicht das einzige Problem. Auch die moderne Landwirtschaft mit Massentierhaltung und hohem Einsatz von Kunstdünger belastet das Klima. Die Abholzung von Urwäldern zerstört natürliche CO2-Speicher. Und auch unsere so hoch geschätzte Mobilität trägt ihren Teil bei. In Europa sind 20 Prozent des CO2-Ausstoßes auf den Verkehr zurückzuführen.

Klimagerechtigkeit: zwei Tonnen CO2-Ausstoß für jeden

Die Industriestaaten haben eine historische Verantwortung für den Klimaschutz, denn sie sind für den größten Teil des Problems verantwortlich. Sie sind auch diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind zu handeln.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte, auch auf die Nutzung von Energie. Zugleich dürfen die Emissionen nicht unendlich weiter wachsen. Eine global gerechte Reduktion von Treibhausgasen muss sich nach Ansicht von Greenpeace an der Pro-Kopf-Emission für jeden Weltbürger orientieren. Diese lag 2013 durchschnittlich bei etwa 4,9 Tonnen pro Jahr. Wollen wir das Klima retten, müssen wir diesen Wert bis 2050 auf knapp zwei Tonnen senken.

Für die Industrieländer bedeutet das starke Verringerungen. Deutschland hat eine durchschnittliche CO2-Emission von rund 10, die USA von etwa 17 Tonnen pro Kopf. Diese Länder müssen ihre Energiepolitik sofort umstellen und die Energiewende sowohl im eigenen Land als auch im internationalen Rahmen vorantreiben.

Top Ten: CO2-Emittenten 2015 absolut

(Quelle: The Global Carbon Project)

Rang

Staat

CO2-Emissionen 2015

1 China 10357 Millionen Tonnen
2 USA 5414 Millionen Tonnen
3 Indien 2274 Millionen Tonnen
4 Russland 1617 Millionen Tonnen
5 Japan 1237 Millionen Tonnen
6 Deutschland 798 Millionen Tonnen
7 Iran 648 Millionen Tonnen
8 Saudi Arabien 601 Millionen Tonnen
9 Südkorea 592 Millionen Tonnen
10 Kanada 557 Millionen Tonnen

CO2-Emissionen Pro Kopf 2015

(Die Tabelle zeigt kein Ranking, sondern eine Auswahl von Staaten; Quelle: The Global Carbon Project)

Staat

Pro-Kopf-Emission

USA 17 Tonnen
Kanada 16 Tonnen
Südkorea 12 Tonnen
Russland 11 Tonnen
Deutschland 9,9 Tonnen
Japan 9,8 Tonnen
Großbritannien 6,4 Tonnen
China 7,5 Tonnen
Italien 6 Tonnen
Indien 1,5 Tonnen

Auch Entwicklungs- und Schwellenländer müssen ihre Emissionen verringern, wobei vor allem die großen Schwellenländer vorangehen müssen. Das Beispiel China zeigt, wie wichtig es ist, die Weichen rechtzeitig zu stellen. Noch 2004 lag die Pro-Kopf-Emission von China unter dem globalen Durchschnitt, mittlerweile hat auch China einen CO2-Ausstoß von 7,5 Tonnen pro Kopf – und liegt damit fast gleichauf mit Großbritannien. Diese Emissionen sind allerdings zum großen Teil einer städtischen Mittel- und Oberschicht anzurechen. Zudem entsteht ein beträchtlicher Teil der chinesischen Emissionen durch die Produktion von Exportgütern, die wir als Verbraucher in westlichen Ländern konsumieren.

Auch die Ressourcen gehen zur Neige. Selbst wenn der Klimawandel uns nicht zum Handeln zwingen würde, müssten wir auf eine klimafreundliche Energieerzeugung umsteigen, denn die Ressourcen fossiler Brennstoffe sind endlich. Zuverlässige Prognosen sind schwer zu treffen, da etwa neue Vorkommen entdeckt oder Fördertechniken weiterentwickelt werden und der Verbauch nicht eindeutig vorhersehbar ist. Doch Experten schätzen, dass beim derzeitigen Verbrauch und der heute verfügbaren Technik Öl und Erdgas noch gut 50 Jahre reichen, Kohle noch knapp 115 Jahre. Die Uran-Vorräte sollen etwa 2050 erschöpft sein. Für unsere Ur-Urenkel werden Öl, Gas und Uran also knapp. Wir können nicht warten, bis die letzten Ressourcen verbraucht sind.

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