Martin Kaiser, Greenpeace-Experte für Klima, zum Abschluss des Klimagipfels

"Klimaschutz - alternativlos"

In Marrakesch herrschte Entschlossenheit, sagt Martin Kaiser, Greenpeace-Experte für Klima, über das Gipfeltreffen. Alle Länder wissen: Sie müssen handeln beim Klimaschutz. Schnell.

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Martin Kaiser, Experte für Klima und Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, war bei der Klimakonferenz in Marrakesch vor Ort. Im Interview zieht er Bilanz.

War der Klimagipfel von Marrakesch eine gute Konferenz?

Martin Kaiser: Marrakesch war eine Belastungsprobe für den globalen Klimaschutz – und er hat diese Probe bestanden. Insofern war es eine gute Konferenz.

Was bedeutet „gut“ in diesem Zusammenhang?

Die Wahl von Donald Trump hat auch hier erst mal viele verunsichert. Niemand kann bislang sagen, ob Trump seine Wahlkampfaussagen tatsächlich wahr machen wird und das Pariser Abkommen verlässt. Aber statt das Abkommen deshalb grundsätzlich in Frage zu stellen, hat sich schnell eine „Jetzt erst recht!“-Stimmung breit gemacht.

Warum?

Weil allen hier klar ist, dass die Schäden durch Stürme, Überflutungen und Trockenheit jedes Jahr steigen werden, wenn wir nicht sehr schnell handeln. Klimaschutz ist alternativlos. Und er ist im Interesse der Menschen. Das wird auch Donald Trump rasch merken.

Und wenn nicht?

Dann wird der Prozess schmerzlich gebremst, aber er wird nicht gestoppt. Dafür gab es in Marrakesch zu viele starke Signale. Knapp 50 der ärmsten Länder haben angekündigt, ihre Energieversorgung so schnell wie möglich, spätestens aber bis zur Mitte des Jahrhunderts vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Ausgerechnet die Schwächsten gehen am mutigsten vor.

Das beschämt nicht nur ein reiches Land wie Deutschland, das beim unausweichlichen Kohleausstieg seit Jahren herumeiert, es hilft auch ganz konkret dabei, die in Paris beschlossenen Ziele zu erreichen. Schließlich ist der CO2-Ausstoß dieser Länder zusammen etwa so groß wie der von ganz Russland – und das steht immerhin auf Platz fünf der weltgrößten Klimasünder.

Das alleine dürfte trotzdem kaum reichen, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Richtig, dafür müssen alle Länder mehr tun. Es ist frustrierend, dass die EU nicht in der Lage oder nicht willens ist, auf die sich verschärfende Klimakrise angemessen zu reagieren. Europas Ziele beim Klimaschutz und beim Ausbau der Erneuerbaren passen nicht zu den Pariser Zielen. Sie müssten dringend nachgeschärft werden, aber es passiert einfach nichts. Dabei müsste Europa gerade jetzt, als Antwort auf die Unsicherheit, wie es mit den USA weitergeht, eine Führungsrolle im Klimaschutz übernehmen.

Wie geht es jetzt weiter?

Nachdem in Paris gemeinsame Ziele festgelegt wurden, muss jetzt jedes Land einen Plan vorlegen, wie es diese erreichen will. Manche Länder haben das bereits getan, andere aber haben keinerlei Erfahrung mit Klimaschutzplänen. Deshalb ist es gut, dass sie nun über eine zentrale Stelle Hilfe dabei bekommen. Auf einer anderen Plattform sollen Klimaschutzpläne gesammelt werden, so dass sie verglichen werden und die Länder sich darüber austauschen können. Dort können nicht nur Länder, sondern auch Städte ihre Klimapläne einreichen.

Bekommt die Welt also doch noch die Kurve?

Wie glimpflich wir durch den Klimawandel kommen, der ja längst spürbar ist, das wird sich in den kommenden Jahren entscheiden. Unsere Generation muss den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas schaffen. Technisch ist das möglich. Die Frage ist nur, ob wir es schaffen, die mächtige Lobby der fossilen Energien soweit in Schach zu halten, dass sie den Weg in eine saubere und nachhaltige Zukunft nicht länger blockieren.

Wie schwer das ist, sehen wir zuhause in Deutschland. Dort ist längst allen klar, dass es ohne einen Kohleausstieg nicht gehen wird und dass der nur ohne schmerzhafte Brüche abläuft, wenn er jetzt sozial gestaltet wird. Darüber muss die Bundesregierung jetzt mit den Revierregionen in der Lausitz und in Nordrhein-Westfalen reden.

Damit in der anstehenden Verkehrswende nicht wieder Konzernen erlaubt wird, die Entwicklung zu ignorieren, muss die Politik jetzt auch über den Abschied vom Verbrennungsmotor reden und diesen einleiten. Auch die Landwirte müssen darauf vorbereitet werden, dass Massentierhaltung keine Zukunft mehr hat. Es bleibt noch reichlich zu tun.

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