Interview mit Maria Tiimon, COP21-Delegierte von Kiribati

„Es ist immer noch Zeit“

Kiribati droht im Meer zu versinken: Folge des Klimawandels, an dem der Inselstaat kaum Schuld trägt. Wir sprachen mit Maria Tiimon, die auf dem Klimagipfel für ihr Land kämpfte.

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Ein erster, wichtiger Schritt ist getan – so bewertet Maria Tiimon die Ergebnisse der diesjährigen Klimaschutzkonferenz. Ihre Heimat steht an vorderster Front des Klimawandels: Wenn der Meeresspiegel weiter ansteigt, versinkt der Inselstaat Kiribati in den Fluten, schon heute hat das Land mit den Auswirkungen der Erderwärmung zu kämpfen. Als Delegierte der Pacific Calling Partnership (PCP) kämpfte sie in Paris für ehrgeizige Klimaziele und letztlich den Erhalt der Pazifischen Inseln.

Greenpeace: Wie haben Sie reagiert, als das Ziel beschlossen wurde, die Erderwärmung sogar unter 1,5 Grad Celsius zu halten? War das ein Grund zum Feiern?

Maria Tiimon: Dieses Mal sind wir immerhin zuversichtlich. Die letzte Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen lief für die Pazifischen Inseln und andere Entwicklungsländer mehr als schlecht. Mit dem diesjährigen Ergebnis sind wir sehr zufrieden: Wir wissen jetzt, dass das Abkommen alle fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt wird und hoffen, dass das Ziel noch unter 1,5 Grad fällt.

Glauben Sie denn, dass das Ziel realistisch ist?

Die Leute, mit denen ich derzeit hier in Deutschland rede, zeigen sich oft skeptisch und besorgt. Aber ich finde, wir müssen einfach zuversichtlich sein, das ist unsere einzige Chance! Es ist immer noch Zeit, unser Land zu retten. Wir werden in regelmäßigen Abständen sehen können, was die reichen Länder der Erde tun, um ihre CO2-Emissionen zu senken.                     

Wie haben Sie das ehrgeizigere Ziel erreicht?

Als Teil einer Nichtregierungsorganisation arbeite ich hinter den Kulissen: Meine Aufgabe ist es, die Stimme der Pazifischen Inseln hörbar zu machen. Vor allem unsere Regierungen haben sehr hart für die 1,5 Grad Celsius gekämpft: der Premierminister von Tuvalu, der Präsident von Kiribati, die Repräsentanten der Marshall-Inseln, und ihre jeweiligen Teams. Sie schlafen kaum und verlassen den Verhandlungsraum nicht, bis sie angehört wurden. Wir sind sehr stolz auf sie.

Wieviel Zeit hat Kiribati denn noch?

Bis es im Meer verschwunden ist? Manche Wissenschaftler sagen, 20 bis 30 Jahre. Wirklich voraussagen kann man es nicht. Aber wir leiden bereits jetzt schwer an den Folgen des Klimawandels. Die Menschen müssen ihre Wohnorte verlassen, ihre Ernten werden zerstört, außerdem wurden Kiribati und Tuvalu schwer vom Zyklon Pam getroffen. Im Juli hab ich mit Jugendlichen in Kiribati gearbeitet. Sie wollen dennoch nicht weg. Sie würden ihre Kultur und ihre Identität verlieren – das ist es, was uns der Klimawandel auch nimmt!

Unterschätzen die Menschen vielleicht die Gefahr?

Oh nein, sie kennen sie genau. Sie können es fühlen. In der Vergangenheit war das nicht so, da wussten die Leute nichts mit dem Begriff „Klimawandel“ anzufangen. Unsere Regierung leistet aber mittlerweile gute Arbeit bei der Aufklärung der Bevölkerung. Die Zivilgesellschaft trägt auch ihren Teil dazu bei. Zudem erfahren die Menschen die Auswirkungen ja am eigenen Leib: Der Meeresspiegel steigt, es wird heißer, und Tropenstürme wüten weit verheerender als früher.

Kann Kiribati überhaupt aus eigener Kraft etwas für seine Rettung tun?

Kiribati ist ein armes Land mit sehr wenig Industrie, wir haben zu der Klimaerwärmung kaum etwas beigetragen – darum kämpfen wir umso verzweifelter um unser Recht. Wir bauen Dämme zum Schutz vor dem Meer und pflanzen Mangrovenwälder, die die Küstenerosion verlangsamen. Aber viele Leute können sich den Zement für die Dämme nicht leisten und nehmen dafür Material aus Korallenriffen. Das verschlimmert das Problem aber nur.

Haben Sie sich in der Vergangenheit von der internationalen Politik im Stich gelassen gefühlt?

Vor der COP21 auf jeden Fall. Auf den vorangegangenen Klimagipfeln fühlte es sich für die Entwicklungsländer oftmals an, als würde man gegen eine Wand reden. Ich war auf einigen Klimakonferenzen, und jedes Mal, wenn ich wieder nachhause fuhr, fühlte sich das Ganze wie eine riesige Zeitverschwendung an – als hätte ich niemals dorthin fahren sollen, weil es mir sowieso nur das Herz bricht. Dieses Mal war es anders: Die reichen Länder erkennen, dass der Klimawandel Wirklichkeit ist, und sie wollen daran arbeiten. Das Gefühl, mit dem ich diesmal fuhr, war ein ganz anderes.

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