Der Kollaps des antarktischen Wilkins-Schelfeises

1.600 Kilometer von der Südspitze Südamerikas entfernt, gegenüber Feuerland, liegt das Wilkins-Schelfeis – einstmals rund 16.000 Quadratkilometer groß. Bis Anfang der Neunzigerjahre war es stabil. 1992 zeigten sich erste Risse. Über Satellitenaufnahmen der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) konnte der Zerfall 2008/2009 live verfolgt werden.
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Das Schelfeis verband die Antarktische Halbinsel und die vorgelagerten Inseln Alexander-Island, Rothschild-Island, Latady-Island und Charcot-Island. Als die letzte Phase des Zerfalls begann, war die Eisplatte noch rund 13.000 Quadratkilometer groß. Anfang 2008 beobachteten Forscher, wie immer neue Teile des Schelfeises abbrachen und zerfielen. Schließlich wurde es nur noch von einer schmalen Eisbrücke zwischen den Inseln Charcot und Latady zusammengehalten. Ende April 2009 brach auch dieser 50 Kilometer lange, 900 Meter breite Steg auseinander.

Das Wilkins-Schelfeis steht exemplarisch für die Gefährdung der Schelfeisgebiete in der Antarktis. In den vergangenen 20 Jahren sind sieben dieser großen schwimmenden Eisflächen zerfallen. So brach im Frühjahr 2002 ein über 3.000 Quadratkilometer großes Stück vom Larsen B-Eisschelf ab und löste sich in tausende Eisberge auf, die anschließend ins Weddellmeer trieben. Forscher gehen davon aus, dass das Gebiet bis dahin rund 10.000 Jahre lang stabil gewesen war.

Der Meeresspiegel steigt durch das Auseinanderbrechen des Schelfeises zwar nicht direkt an. Die Masse des Eises verändert sich nicht. Das Schelfeis hat jedoch die wichtige Funktion, das Eis der Festlandgletscher zurückzustauen. Zerbricht es, erhöht sich das Tempo der Gletscher, die ständig in Richtung Meer fließen. Es rutscht mehr Inlandeis vom Festland ins Meer. Dies wirkt sich auf den Meeresspiegel aus: Er steigt.

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