Klimaschutz im Kino: Start der Al-Gore-Doku „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“

Der Weltwandler

Wie eindrucksvoll Ex-US-Vizepräsident Al Gore für Klimaschutz wirbt, zeigte 2006 eine Oscar-prämierte Doku. Nun kommt die Fortsetzung „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ ins Kino.

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Im Kampf gegen den Klimawandel reist er unentwegt um die Welt, klärt Menschen auf über die Ursachen und Folgen der Erderwärmung und macht sie zu seinen Mitstreitern. „Das ist eine Mission, der ich mich verschrieben habe“, sagt Al Gore, einst US-Vizepräsident und Präsidentschaftskandidat, heute unermüdlicher Botschafter für Klimaschutz.

Seine Mission kam erstmals 2006 in „Eine unbequeme Wahrheit“ in die Kinos – die Doku gewann zwei Oscars. Sie zeigte vor allem Gores eindrucksvolle Bühnenshows, in denen er mit starken Worten und Fakten sowie Bildern von Krisen und Katastrophen wachrüttelt – die Fortsetzung präsentiert mehr nun auch seine Suche nach Lösungen, wie die Erderhitzung eingedämmt werden kann.

Unter Rebellen und Fossilenergie-Fanatikern

Denn es ist viel passiert in den vergangenen elf Jahren, auch die Technik hat sich entwickelt. Erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft sind besser, billiger und massentauglicher geworden – Grund für Gore, rund um den Globus für diese Technologien zu werben. Die Kamera klebt ihm dabei dicht an den Fersen, bringt den Zuschauer ganz nah ran, wenn er etwa in Indien auf Fossilenergie-Fanatiker trifft oder im US-Ölstaat Texas einen Bürgermeister kennenlernt, der in seiner Stadt auf Erneuerbare umstellen will. Immer wieder gibt der Film Einblick in die alltägliche Arbeit von Gore und seinem Team, zeigt zudem ein paar private Randnotizen, und auch U-Bahn-Fahrten und Selfies mit Fans sind zu sehen. Und immer hat man das Gefühl, beinahe selbst mit dabei zu sein – so wird Gores Botschaft umso dringlicher.

Doch die Doku zeigt auch erschreckend faszinierende Bilder einstürzender Gletscher und schmelzenden Grönland-Eises, das zu Rinnsalen, Strömen, reißenden Wasserfällen wird. Teile dieser Wassermassen erreichen Indien, die Philippinen oder Miami, und dort watet Gore dann durch überflutete Straßen, hört Menschen zu, die bestätigen: Die Fluten werden immer höher und heftiger.

„Wenn die nächste Generation“, so Gore, „in einer Welt leben muss mit Überschwemmungen und Stürmen, steigendem Meeresspiegel und Dürren sowie Millionen von Flüchtlingen, die ihre unbewohnbar gewordenen destabilisierten Länder verlassen, dann darf sie zu Recht fragen: ‚Was habt ihr euch nur dabei gedacht‘?“

Redner und Macher

So appelliert er an die moralische Verantwortung, das Klima zu schützen, aber auch an die politische, vor allem – und Trump-kritisch – an die seines eigenen Landes: „Kein anderes Land kann die Rolle spielen, die die USA spielen können.“

Doch Gore redet nicht nur – einnehmend, drängend, leidenschaftlich in seinen Bühnenshows oder 2015 beim Klimagipfel in Paris –, sondern er macht auch, fädelt etwa einen Deal ein, der Indien den Umstieg auf Erneuerbare Energien erleichtern soll.

So bleibt am Ende das Bild eines bemerkenswert unbeirrbaren Optimisten. Eines Mannes, dessen Strahlkraft auch von der Kinoleinwand herab wirkt. „Die Tatsache, dass so viele Leute überall auf der Welt aktiv sind, gibt mir die meiste Hoffnung“, sagt Gore – nach der beeindruckenden Doku versteht man, warum ein Kämpfer wie er immer mehr Menschen bewegt. Denn man selbst ist einer von ihnen.

„Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ läuft ab 7. September 2017 in den deutschen Kinos.

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