
Rund 20 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland sind auf den Autoverkehr zurückzuführen. Jeweils knapp 30 Millionen Tonnen Benzin und Diesel verbrennen allein deutsche KFZ jedes Jahr. Seit 2007 müssen Kraftstoffe in Deutschland einen festgelegten Mindestanteil an Bio-Sprit enthalten. Beim Benzin sind das 1,2 Prozent, beim Diesel 4,4 Prozent. EU-weit will die Europäische Kommission den Anteil bis 2020 auf insgesamt zehn Prozent steigern.
In Deutschland werden knapp zwölf Millionen Hektar Land als Ackerfläche genutzt. Das sind rund 33 Prozent der Landesfläche. Auf zwei der zwölf Millionen gedeihen sogenannte nachwachsende Rohstoffe - Pflanzen, aus denen sich Treibstoff herstellen lässt. Das ist hierzulande vor allem Raps.
Die Menge an Treibstoff, die sich daraus herstellen lässt, ist verschwindend gering: 1600 Liter Bio-Diesel aus einem Hektar. Selbst wenn die Hälfte der verfügbaren Ackerfläche in Deutschland für den Rapsanbau genutzt würde, könnte der Ertrag den Bedarf nicht annähernd decken.
Schon 2007 muss Deutschland mehr als zwei Millionen Tonnen Öl für die Treibstoffherstellung importieren. Zum Beispiel aus Indonesien. Palmöl ist mittlerweile einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des südostasiatischen Landes. Für die profitablen Plantagen wird der Urwald niedergebrannt. Der größte Teil des Öls geht nach Europa - unter anderem für die Stromerzeugung.

Was für Indonesien das Palmöl, sind für Brasilien Zuckerrohr und Soja. Der Urwald in der Amazonasregion, grüne Lunge der Erde genannt, wird für riesige Sojaplantagen vernichtet. Als Bio-Kraftstoff bleibt die Soja derzeit noch im Land. In Europa wird brasilianische Soja vor allem zu Tierfutter verarbeitet. Doch wenn der Markt für Bio-Kraftstoffe weiter expandiert, dürfte Soja aus Brasilien irgendwann auch bei uns in den Tanks landen. Damit würden die Gier nach Anbauflächen und die Urwaldzerstörung weiter angeheizt.
Thomas Henningsen, Waldexperte bei Greenpeace, sieht im Einsatz von Biomasse und Bio-Treibstoffen darum keine generelle Lösung für den Klimawandel. Im Gegenteil
, warnt er. Wenn wir sie nicht vernünftig einsetzen, könnten sie den Klimawandel sogar noch anheizen. Das zeigen die Beispiele am Amazonas und in Indonesien. Der massive Einsatz kann sogar zu Hunger und Armut führen, wenn Nahrungsmittel als billiger Ersatz getankt werden können.
Das erste Gebot im Kampf gegen die Klimaerwärmung kann nur lauten: Energie sparen. Wenn wir Energie nicht vernünftiger einsetzen, brauchen wir über den Einsatz von Biomasse und Bio-Treibstoffen gar nicht erst nachzudenken. Einen verschwenderischen Umgang werden sie nie ausgleichen können.