
Klimaschwankungen kamen in der Erdgeschichte immer wieder vor, in der Regel schwankte das Klima einer Region aber über Jahrtausende und so langsam, dass Tiere und Pflanzen genug Zeit hatten, sich daran anzupassen. Die letzte Eiszeit mit bis zu zwölf Grad tieferen Temperaturen als wir sie heute kennen, begann vor rund 2,5 Millionen Jahren. Erst vor 12.000 Jahren endete dieses Eiszeitalter, in dem elf Prozent der Erde mit Eis bedeckt waren. Seitdem befinden wir uns in einer Art Zwischeneiszeit (geologisch: Interglazial) mit relativ stabilen klimatischen Bedingungen, die wir jetzt aber verändern. Zum Vergleich: Heute ist sind nur drei Prozent der Erdoberfläche mit Eis bedeckt.
Im Gegensatz zum Wetter ist das Klima über längere Zeiträume hinweg ziemlich konstant. Neu ist die rasante Erwärmung im vergangenen Jahrhundert und die rapide Zunahme der Treibhausgase in der Erdatmosphäre in den letzten hundert Jahren. Seit Beginn der Industrialisierung in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hat sich die Lebensweise der Menschen in den westlichen Industrienationen radikal verändert.

Für unseren neuen Lebensstil mit Maschinen, Fabriken, Dampflokomotiven, Autos, Flugzeugen und neuerdings Computer und Handys fördern wir Bodenschätze zutage, die sich über Hunderte von Millionen Jahren herausgebildet haben, und benutzen, verbrauchen oder verbrennen sie. Inzwischen wissen wir, dass die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die bislang noch unseren Energiehunger stillen, in großen Mengen das Klimagas Kohlendioxid (CO2) freisetzt und massiv zur Klimaerwärmung beiträgt. Denn das CO2 gelangt in die Atmosphäre und verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt. Dadurch steht inzwischen das gesamte Klimasystem der Erde auf der Kippe.
Der UN-Klimarat (IPCC) bestätigt in seinem jüngsten Bericht 2007, dass natürliche Faktoren bei der derzeitigen Klimaerwärmung kaum eine Rolle spielen. Mit der Intensität der Sonnenaktivität lässt sich die gemessene Erwärmung nicht erklären. In ihrem Bericht stellen die Klima-Wissenschaftler fest, dass menschliche Aktivitäten seit dem Jahr 1750 zur globalen Erwärmung beitragen. Der Ausstoß von Treibhausgasen durch Aktivitäten der Menschen ist mit mehr als 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit der Hauptverursacher des Temperaturanstieges seit Mitte der 1950er Jahre (1).
Unser hoher Energieverbrauch ist aber nicht das einzige Problem. Auch moderne Landwirtschaftsmethoden mit Massentierhaltung und hohem Einsatz von Kunstdünger belasten durch hohe Treibhausgas-Emissionen das Klima. Die Abholzung von Urwäldern zerstört nicht nur die Lebensgrundlage der dort lebenden Pflanzen und Tiere, sondern vernichtet mit den Wäldern auch eine unschätzbare Vielfalt an Pflanzen, die wir noch nicht einmal alle kennen (Verlust an Biodiversität) und natürliche CO2-Speicher.
Die Industriestaaten haben eine historische Verantwortung für den Klimaschutz, denn sie sind für den größten Teil des Problems verantwortlich. Die Industrieländer sind auch diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind, handeln zu können.
Alle Menschen haben die gleichen Rechte, auch auf Nutzung von Energie. Zugleich dürfen aber die Emissionen, egal welchen Landes, nicht unendlich weiter wachsen. Eine global gerechte Reduktion von Treibhausgasen muss nach Ansicht von Greenpeace auf dem Prinzip der Verringerung und Konvergenz basieren, das sich an einer Pro-Kopf-Emission an CO2 für jeden Weltbürger orientiert. Diese lag 2002 bei 3,8 Tonnen pro Jahr. Wollen wir das Klima retten und eine Erderwärmung um mehr als zwei Grad Celsius verhindern, muss es unser Ziel sein, diesen Pro-Kopf-Wert bis 2050 auf knapp zwei Tonnen zu senken.
Für die Industrieländer bedeutet dies starke Verringerungen. Deutschland hat eine durchschnittliche CO2-Emission von rund zehn, die USA von zwanzig Tonnen pro Kopf. Diese Länder müssen ihre Energiepolitik sofort umstellen und die Energiewende sowohl im eigenen Land vorantreiben als auch im internationalen Rahmen voranbringen.
| Rang | Staat | CO2-Emissionen 2004 in Millionen Tonnen |
|---|---|---|
1 |
USA |
5.800 Millionen Tonnen |
2 |
China |
4.732 Millionen Tonnen |
3 |
Russland |
1.529 Millionen Tonnen |
4 |
Japan |
1.215 Millionen Tonnen |
5 | Indien | 1.103 Millionen Tonnen |
6 |
Deutschland |
849 Millionen Tonnen |
7 | Kanada | 551 Millionen Tonnen |
8 |
Großbritannien |
537 Millionen Tonnen |
9 |
Italien |
462 Millionen Tonnen |
10 |
Korea |
462 Millionen Tonnen |
| Staat | Pro-Kopf-CO2-Emissionen in Tonnen |
|---|---|
USA |
19,73 Tonnen |
Kanada |
17,24 Tonnen |
Russland |
10,63 Tonnen |
Deutschland |
10,29 Tonnen |
Korea |
9,61 Tonnen |
Japan |
9,52 Tonnen |
Großbritannien |
8,98 Tonnen |
Italien |
7,95 Tonnen |
China |
3,65 Tonnen |
| Indien | 1,02 Tonnen |
Auch Entwicklungs- und Schwellenländer müssen ihre Emissionen verringern, aber eher mittel- bis langfristig. Das lässt sich am Beispiel China gut erklären. China hat heute einen CO2-Ausstoß von dreieinhalb Tonnen pro Kopf. Damit liegt das Land zwar unter dem globalen Durchschnitt, aber schon über dem Zielwert von knapp zwei Tonnen. Muss China also sofort reduzieren? Diese Forderung wäre vermessen angesichts der viel höheren Emissionswerte der Industrieländer. Gerechter ist der Ansatz, dass Chinas Emissionen zunächst auf den globalen Durchschnitt steigen dürfen. Dies muss so effizient wie möglich geschehen, damit China nicht unsere Fehler wiederholt und in eine fossile Sackgasse gerät. Danach muss das Land aber wie alle Länder reduzieren. Dies erlaubt wirtschaftliche Entwicklung und läuft parallel zu den notwendigen Klimaschutzzielen.
Selbst wenn der Klimawandel uns nicht zum Handeln zwingen würde, müssten wir auf eine klimafreundliche Energieerzeugung umsteigen, denn die Ressourcen fossiler Brennstoffe sind endlich. Experten rechnen damit, dass beim derzeitigen Verbrauch und der heute verfügbaren Technik Öl noch 41 Jahre, Erdgas noch 65 Jahre, Kohle noch 155 Jahre (3) und Uran noch 65 Jahre (4) reichen. Für unsere Ur-Ur-Enkel werden Öl, Gas und Uran also sowieso knapp. Aber bis die letzten Ressourcen verbraucht sind, können wir nicht warten.
Fußnoten
(1) IPCC WG 1 2007
(2) International Energy Agency, Daten von 2004
(3) BP Statistical Review of World Energy, Juni 2006
(4) Greenpeace-Studie „Reichweite der Uran-Vorräte der Welt“, 2006