
In den letzten hundert Jahren hat die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre rapide zugenommen. Gleichzeitig stieg die globale Temperatur. Heute steht das gesamte Klimasystem der Erde auf der Kippe.
Der UN-Klimarat (IPCC) bestätigt in seinem Bericht von 2007, dass natürliche Faktoren bei der derzeitigen Klimaerwärmung kaum eine Rolle spielen. Mit der Intensität der Sonnenaktivität lässt sich die gemessene Erwärmung nicht erklären. Die Klimaforscher stellen fest, dass mit mehr als 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit menschliche Aktivitäten die Hauptursache des Temperaturanstieges sind. (1)

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts begann das Zeitalter der Industrialisierung. Seitdem hat sich die Lebensweise der Menschen in den westlichen Industrienationen radikal verändert. Für unsere Maschinen, Fabriken, Dampflokomotiven, Autos, Flugzeuge, Computer und Handys fördern wir Bodenschätze zutage, die in hunderten Millionen Jahren entstanden sind. Wir verbrennen Kohle, Öl und Gas in großen Mengen und setzen damit das Klimagas Kohlendioxid (CO2) frei. Dieses gelangt in die Atmosphäre und verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt.
Unser hoher Energieverbrauch ist aber nicht das einzige Problem. Auch die moderne Landwirtschaft mit Massentierhaltung und hohem Einsatz von Kunstdünger belastet das Klima. Die Abholzung von Urwäldern zerstört natürliche CO2-Speicher. Und auch unsere so hoch geschätzte Mobilität trägt ihren Teil bei. In Europa sind 20 Prozent des CO2-Ausstoßes auf den Verkehr zurückzuführen.
Die Industriestaaten haben eine historische Verantwortung für den Klimaschutz, denn sie sind für den größten Teil des Problems verantwortlich. Sie sind auch diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind zu handeln.
Alle Menschen haben die gleichen Rechte, auch auf die Nutzung von Energie. Zugleich dürfen die Emissionen nicht unendlich weiter wachsen. Eine global gerechte Reduktion von Treibhausgasen muss sich nach Ansicht von Greenpeace an der Pro-Kopf-Emission für jeden Weltbürger orientieren. Diese liegt durchschnittlich bei etwa 4,5 Tonnen pro Jahr. Wollen wir das Klima retten, müssen wir diesen Wert bis 2050 auf knapp zwei Tonnen senken.
Für die Industrieländer bedeutet das starke Verringerungen. Deutschland hat eine durchschnittliche CO2-Emission von rund zehn, die USA von 17 Tonnen pro Kopf. Diese Länder müssen ihre Energiepolitik sofort umstellen und die Energiewende sowohl im eigenen Land als auch im internationalen Rahmen vorantreiben.
| Rang | Staat | CO2-Emissionen 2010 in Millionen Tonnen |
|---|---|---|
1 |
China |
8.950 Millionen Tonnen |
2 |
USA |
5.250 Millionen Tonnen |
3 |
Indien |
1.840 Millionen Tonnen |
4 |
Russland |
1.750 Millionen Tonnen |
5 | Japan | 1.160 Millionen Tonnen |
6 |
Deutschland |
830 Millionen Tonnen |
7 | Südkorea | 590 Millionen Tonnen |
8 |
Kanada |
540 Millionen Tonnen |
9 |
Großbritannien |
500 Millionen Tonnen |
10 |
Indonesien |
470 Millionen Tonnen |
| Staat | Pro-Kopf-CO2-Emissionen in Tonnen |
|---|---|
USA |
16,9 Tonnen |
Kanada |
15,8 Tonnen |
Südkorea |
12,3 Tonnen |
Russland |
12,2 Tonnen |
Deutschland |
10,0 Tonnen |
Japan |
9,2 Tonnen |
Großbritannien |
8,1 Tonnen |
Italien |
6,8 Tonnen |
China |
6,8 Tonnen |
| Indien | 1,5 Tonnen |
Auch Entwicklungs- und Schwellenländer müssen ihre Emissionen verringern, wobei vor allem die großen Schwellenländer vorangehen müssen. Das Beispiel China zeigt, wie wichtig es ist, die Weichen rechtzeitig zu stellen. Noch 2004 lag die Pro-Kopf-Emission von China unter dem globalen Durchschnitt, mittlerweile hat auch China einen CO2-Ausstoß von 6,8 Tonnen pro Kopf – und liegt damit in etwa gleichauf mit Italien. Diese Emissionen sind allerdings zum großen Teil einer städtischen Mittel- und Oberschicht anzurechen. Zudem entsteht ein beträchtlicher Teil der chinesischen Emissionen durch die Produktion von Exportgütern, die wir als Verbraucher in westlichen Ländern konsumieren.
Selbst wenn der Klimawandel uns nicht zum Handeln zwingen würde, müssten wir auf eine klimafreundliche Energieerzeugung umsteigen, denn die Ressourcen fossiler Brennstoffe sind endlich. Experten rechnen damit, dass beim derzeitigen Verbrauch und der heute verfügbaren Technik Öl noch 41 Jahre, Erdgas noch 65 Jahre, Kohle noch 155 Jahre (3) und Uran noch 65 Jahre (4) reicht. Für unsere Ur-Urenkel werden Öl, Gas und Uran also knapp. Wir können nicht warten, bis die letzten Ressourcen verbraucht sind.
Fußnoten
(1) IPCC WG 1 2007
(2) Long-term trend in global CO2 emissions, PBL Netherlands Environmental Assessment Agency, 2011
(3) BP Statistical Review of World Energy, Juni 2006
(4) Greenpeace-Studie "Reichweite der Uran-Vorräte der Welt", 2006