
Weltweit gibt es nur noch sieben große, zusammenhängende Urwaldgebiete: die Urwälder Nordamerikas, den Amazonas-Regenwald, die Bergwälder Chiles, die Wälder im Norden Europas, den Regenwald Zentralafrikas, die Schneewälder Sibiriens und die Regenwälder Südostasiens. Zerstören wir sie durch Raubbau oder Brandrodung, wird der gespeicherte Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 freigesetzt.
Alle zwei Sekunden verschwindet ein Stück Urwald so groß wie ein Fußballfeld. 120.000 bis 150.000 Quadratkilometer Wald - eine Fläche rund dreimal so groß wie die Schweiz - werden jedes Jahr abgeholzt, zerstückelt und verbrannt. Etwa ein Fünftel aller Treibhausgase in der Atmosphäre entstehen durch die Zerstörung dieser letzten Urwälder. Indonesien oder Brasilien gehören deswegen zu den weltweit größten CO2-Emittenten. Aber auch in Kanada und Sibirien wird zu stark in die weiten Waldgebiete eingeschlagen - für Papier, Pipelines, Transport oder Industrie.
Die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung wirkt sich wiederum negativ auch auf die Wälder aus: Wissenschaftler schätzen, dass bei einem Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius der Amazonas-Regenwald großflächig versteppen würde.
In Argentinien und Brasilien müssen Urwälder immer häufiger der Rinderzucht oder dem Anbau von Soja für Tierfutter weichen. Nordische Wälder in Europa und Kanada landen als Taschentücher, Zeitschriften- und Toilettenpapier in unseren Supermärkten. Edelhölzer aus Südostasien und Afrika werden aufgrund ihrer Härte und Witterungsbeständigkeit zu Fenstern, Gartenstühlen und Terrassenböden. Unser aller viel zu hoher Verbrauch und die damit weltweit rasant steigende Nachfrage nach Ressourcen machen den Urwäldern den Garaus.
Oft wissen die Verbraucher nicht: Was haben das von ihnen verzehrte Steak, die Creme oder der Sprit im Tank mit dem Urwald zu tun? Nur ein Beispiel: Deutschland importiert rund eine Million Tonnen Palmöl im Jahr, das in Lebensmitteln, Kosmetika, zur Stromerzeugung oder im Diesel verwendet wird. Seit 2007 muss dem Diesel in Deutschland sogenannter Agrosprit aus Pflanzenöl beigemischt werden. Regelmäßige Tests von Greenpeace zeigen seit 2008, dass darin nicht nur heimischer Raps, sondern auch Palmöl zu finden ist.
Ölpalmen werden in Monokultur auf riesigen Plantagen, z.B. in Indonesien angebaut. Diesen fallen kostbare, artenreiche Urwälder zum Opfer. Eine Katastrophe nicht nur für Menschen und Tiere, die auf den Wald angewiesen sind, sondern auch für das globale Klima: Für die Plantagen werden die meterdicken Torfböden trocken gelegt. Dabei entweicht der darin gespeicherte Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre.
Maßnahmen zum Klimaschutz kosten Geld. Und jeder Euro, der heute nicht investiert wird, muss in Zukunft um ein Mehrfaches ausgegeben werden, um den Schäden des Klimawandels zu begegnen. Der britische Ökonom Sir Nicholas Stern bezeichnet insbesondere "die Drosselung der Entwaldung als einen sehr kosteneffektiven Weg zur Reduzierung von Treibhausgasen". Durch Investitionen von zehn bis 15 Milliarden US-Dollar pro Jahr könnte seinen Schätzungen nach die Hälfte der Emissionen durch Entwaldung eingespart werden. Dabei tragen die reichsten Nationen mit ihrem hohen Verbrauch an Fleisch, Holz, Papier und Energie die Hauptverantwortung.