
Wir müssen unseren Umgang mit Energie umstellen, doch es steht nicht unser ganzer Lebensstil in Frage. Allerdings müssen wir lernen, mit Energie vernünftig und effizient umzugehen. Wir müssen Interesse dafür aufbringen, woher unser Strom kommt, wie wir heizen und mit welchem Energieaufwand wir uns fortbewegen. Die Einstellung: "Der Strom kommt aus der Dose" ist nicht mehr zeitgemäß.
Der Aufbau einer klimafreundlichen Energieversorgung bedeutet nicht, dass wir von nun an im Dunkeln frieren müssen. Wir müssen aber lernen, Energie sparsam und sinnvoll einzusetzen. Wir hier in den Industriestaaten verschwenden Energie in großem Maßstab. Allein durch Verhaltensänderungen kann jeder Einzelne von uns ein Fünftel seiner Kohlendioxid-Emissionen einsparen. Gleichzeitig müssen wir entschlossen am Ausbau der Erneuerbaren Energien arbeiten. Erneuerbare Energien sind kein Zukunftstraum. Sie sind ausgereift, real und großflächig einsetzbar.
Der Klimawandel erfordert nichts Geringeres als eine Energie-[R]Evolution (1). Im Zentrum dieser Revolution wird eine Veränderung der Art und Weise stehen, in der Energie produziert, verteilt und verbraucht wird.
Die fünf Schlüsselprinzipien dieses Wandels lauten:
Im ersten Schritt der Energie-[{R]Evolution müssen wir das vorhandene Effizienzpotenzial in Industrie, Verkehr und Haushalt und Gewerbe konsequent ausnutzen. Intelligente Nutzung, nicht Verzicht, ist die Grundphilosophie der zukünftigen Energieversorgung. Die wichtigsten Energiesparmöglichkeiten sind Verbesserungen bei der Wärmeisolation und beim Hausbau, hocheffiziente elektrische Maschinen und Antriebe, das Ersetzen veralteter elektrischer Heizsysteme durch erneuerbare Wärmesysteme wie Sonnenkollektoren und eine Verringerung des Energieverbrauchs bei Fahrzeugen zur Güter- und Personenbeförderung. Industriestaaten, die ihre Energie zurzeit höchst ineffizient nutzen, können ihren Verbrauch drastisch senken, ohne dabei auf Wohnkomfort oder Informations- und Unterhaltungselektronik verzichten zu müssen.

Im zweiten Schritt muss Energie viel dezentraler eingesetzt werden als bisher. Energie muss zunehmend am Verbrauchsort oder in direkter Nähe erzeugt werden. Die dezentralisierte Energie ist an ein lokales Verteilungsnetz angeschlossen und versorgt Privathaushalte und Büros anstelle des Hochspannungsübertragungsnetzes. Die Nähe der stromerzeugenden Anlage zu den Verbrauchern ermöglicht den Transport von Abwärme zu nahegelegenen Gebäuden; ein System, das als Kraft-Wärme-Kopplung bekannt ist. Das bedeutet, dass nahezu die gesamte Eingangsenergie verwendet wird und nicht nur ein Bruchteil, wie bei den herkömmlichen zentralen Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Auch innovative Systeme wie Erd- und Luftwärmepumpen, Sonnenwärme und Biomasse-Heizsysteme gehören zu den neuen dezentralisierten Technologien. Diese Systeme können alle im Haushaltsbereich vermarktet werden und liefern nachhaltig produzierte Wärme zum Heizen mit geringen Emissionen.
Große Änderungen muss es im mobilen Sektor geben. Eine intelligente und umweltfreundliche Mobilität hat zum Ziel, Verkehr auf Bahn, Bus und Rad zu verlagern, wo er nicht zu vermeiden ist. Das Auto kann immer mehr durch umweltfreundliche Systeme ersetzt werden, denn fast die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege ist kürzer als drei Kilometer. Die Holländer zeigen, wie es geht: In vielen holländischen Kommunen fahren die Menschen drei- bis viermal öfter mit dem Fahrrad als sonst in europäischen Städten.
Im Verkehrsbereich müssen zügig sparsamere Antriebstechniken verwendet werden. Greenpeace hat schon in den neunziger Jahren mit dem Energiespar-Auto SmILE gzeigt, dass eine Verbrauchsreduktion auf drei Liter pro hundert Kilometer problemlos umsetzbar ist. Die Politik muss dringend eine strenge Obergrenze für CO2-Emissionen für Neuwagen vorschreiben, damit die Auto-Hersteller endlich sparsame Autos bauen. Technisch ist das kein Problem.
Der Flugverkehr ist nicht nur der am stärksten wachsende Transportsektor, er ist auch am umweltschädlichsten. Er trägt auf unterschiedliche Weise zum Treibhauseffekt bei. Der Anteil des Flugverkehrs am gesamten menschengemachten Treibhauseffekt wird derzeit auf rund neun Prozent geschätzt (2). Außerdem entstehen durch das Fliegen Luftschadstoffe wie Stickoxide, die zur Bildung von saurem Regen beitragen. Fürs Klima ist der Flugverkehr besonders fatal, weil die Abgase in einer Höhe von zehn bis zwölf Kilometern dreimal so klimaschädlich sind wie in Bodennähe. Zudem nimmt der Flugverkehr rasant zu. Dabei leisten sich bisher nur sieben Prozent der Weltbevölkerung den Luxus des Fliegens. Schon ein Flug nach Teneriffa schlägt, in Treibhausgasen gerechnet, zu Buche wie ein Jahr Autofahren.
Greenpeace hat eine klare Vorstellung davon, welche Veränderungen der Energiepolitik für die Energie-[R]Evolution nötig sind. Die Hauptforderungen sind:
Fußnote
(1) Studie Globale Energie-[R]Evolution, Greenpeace International und EREC, 2007, www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/klima/Energy_inside_D_final_web.pdf (13 MB)
(2) Anteil des Flugverkehrs am menschengemachten Treibhauseffekt nach Berechnungen von Atmosfair www.atmosfair.de/index.php