
Aber einige Länder zeigen sich renitent, und vor allem die USA, mit dem höchsten Anteil an Emissionen - vier Prozent der weltweiten Bevölkerung verursacht 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen - weigert sich stoisch, das Kyoto Protokoll zu ratifizieren. Während der Rest der Welt die nächste Etappe der Emissionsreduktionen vorbereitet, verbreitet Präsident Bush die Parole, dass es noch nicht wissenschaftlich bewiesen ist, dass das Klima sich ändert und dass vom Menschen verursachte Treibhausgase die Ursache sind. Solange die Bush-Regierung nicht vom menschengemachten Klimawandel überzeugt ist, so die Argumentation, sei es voreilig, Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen zu ergreifen.
Während Bush mit seiner Kopf in den Sand Politik versucht, seine Landsleute in Sicherheit zu wiegen, zeigen die neuesten Forschungsergebnisse, dass die Auswirkungen des Klimawandels in früheren Analysen eher unterschätzt als überschätzt worden sind, und dass die Schwelle zum gefährlichen Klimawandel viel eher erreicht wird als noch vor einigen Jahren berechnet. In anderen Worten: Wir haben keine Zeit zu verlieren.
Aber solange der größte Problemverursacher nicht kooperiert, ist es schwer für den Rest der Welt, die drohende Katastrophe abzuwenden. Was ist zu tun? Wenn internationaler Druck auf Präsident Bush nicht hilft, dann muss der Druck aus dem eigenen Land kommen. Der Bevölkerung in den USA muss die Augen geöffnet werden, was auf dem Spiel steht, dass Klimawandel schon jetzt Auswirkungen hat, und dass sie die Warnsignale nicht ignorieren dürfen.
Das ist der Grund, warum wir uns auf den Weg nach Grönland gemacht haben - um die Auswirkungen des Temperaturanstiegs in der Arktis aufzuzeigen. Auswirkungen, die regional zu Problemen führen, die aber auch global weitreichende Folgen haben können. In den Polregionen steigen die Temperaturen mehr als im globalen Durchschnitt, und in der Arktis führt der Anstieg der Temperaturen schon jetzt zu erheblichen Problemen für Mensch und Tier. Wenn es uns gelingt, dies in den USA zu vermitteln, und wenn die Amerikaner verstehen, dass Klimawandel nicht nur die irre Theorie von Feinden der USA ist, die versuchen, the american way of life zu zerstören, sondern bittere Realität ist, dann sind wir einen großen Schritt weiter auf dem Weg zur Lösung des Problems.
Zwei Monate lang werden wir mit der Arctic Sunrise auf Dokumentationsreise unterwegs sein. Wir werden Forschungsstationen besuchen und über die Ergebnisse der dort stationierten Wissenschaftler berichten; Augenzeugenberichte der Bevölkerung dokumentieren, die davon erzählen, wie der Klimawandel ihr Leben beeinflusst; und die mitreisenden Klimaforscher bei ihrer Arbeit unterstützen. Und zu Guter letzt alles in zwei Minuten Häppchen über die Medien in die amerikanischen Wohnzimmer senden. (Autorin: Martina Krüger)