
Was wie ein kryptischer Zahlen- und Buchstabenmix aussieht, beschreibt die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die wir langfristig auf keinen Fall überschreiten dürfen, wenn wir Klimaänderungen mit nicht absehbaren Folgen vermeiden wollen.
Der Klimarat der UN (IPCC) und der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) gehen davon aus, dass diese kritische Grenze von zwei Grad Celsius Erwärmung bei einer Treibhausgaskonzentration von 450 ppm CO2eq (2) erreicht und möglicherweise sogar überschritten werden wird. Die Treibhausgaskonzentration muss daher zwingend unter 450 ppm CO2eq bleiben.
Der Klimawandel kann nicht mehr komplett aufgehalten werden, aber das Ausmaß der Veränderungen können wir noch abschwächen. Dazu müssen wir sofort handeln, denn die Treibhausgase entfalten ihre Wirksamkeit noch lange, nachdem sie freigesetzt wurden. Selbst wenn wir jetzt sofort aufhören würden, fossile Energieträger zu verbrennen, würden die Temperaturen noch eine Weile weiter ansteigen, bevor sich das Klima stabilisiert. Noch können wir die Bremse ziehen, noch können wir die katastrophalsten Auswirkungen verhindern und uns allen eine lebenswerte Zukunft erhalten.
Zunächst - innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre - müssen wir einen weiteren Anstieg der Treibhausgasemissionen verhindern und eine Kehrtwende einleiten. Schon eine Verzögerung dieser Maßnahmen bis zum Jahr 2025 würde bedeuten, dass sich die Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um mehr als drei Grad Celsius erhöhen könnte. Dann muss der weltweite Ausstoß drastisch reduziert werden, und zwar bis 2050 auf weniger als die Hälfte des heutigen Niveaus (bezogen auf das Jahr 1990). Für die Industriestaaten mit ihren hohen Emissionen bedeutet das eine Reduktion um 80 Prozent. Wir können den weltweiten Temperaturanstieg im Vergleich mit vorindustriellen Zeiten nur dann unter zwei Grad halten, wenn wir jetzt unseren Energieverbrauch reduzieren und auf Erneuerbare Energien umsteigen. Doch auch dann werden wir uns an Überschwemmungen und Dürren anpassen müssen.
Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, brauchen wir eine völlig andere Energiepolitik. Ziel ist eine Energieversorgung auf Basis der klimafreundlichen Erneuerbaren Energien. Auf dem Weg zur vollständigen Energieversorgung durch Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse müssen wir zunächst alle Einsparmöglichkeiten und Effizienzpotenziale nutzen: Gebäude müssen so gut gedämmt werden, dass sie kaum mehr beheizt werden müssen, was bei Neubauten schon problemlos möglich ist. Beim Verkehr müssen öffentliche Verkehrsmittel gefördert, neue Mobilitätskonzepte erdacht werden und der Treibstoffverbrauch von Fahrzeugmotoren drastisch reduziert werden. Effiziente Techniken gibt es schon, trotzdem werden bislang kaum sparsame Motoren produziert. Strom sollte nur noch mit der effizienten Technik der Kraft-Wärme-Kopplung produziert werden, die gleichzeitig auch Wärme liefert und so eine doppelte Energieausbeute möglich macht. Besonders der Ausbau von Nahwärmenetzen ist hierfür wichtige Voraussetzung. Unsere Energieversorgungsstruktur auf der Basis von wenigen großen Kohle-, Atom- und Gaskraftwerken muss dezentraler werden und einem intelligenten Mix von Erneuerbaren Energien weichen, der von virtuellen Schaltzentralen gesteuert wird.
Gleichzeitig müssen wir noch eine zweite große Herausforderung meistern: den schnellstmöglichen Atomausstieg. Es gibt viel zu tun, und Politik, Wirtschaft und jede und jeder Einzelne sind gefragt, an dem Weg aus der energiepolitischen Sackgasse aus Braunkohle und Atom mitzuarbeiten. Die Speicherung von CO2 aus Kohlekraftwerken im geologischen Untergrund hilft uns bei den vor uns liegenden Herausforderungen genausowenig wie die gefährliche Atomkraft.
Dass diese Aufgabe ohne diese fragwürdigen Technologien zu bewältigen ist, hat Greenpeace mit einem weltweiten Energieszenario gezeigt: Der Masterplan zur Rettung des Klimas "Energy [R]Evolution" zeigt anhand verschiedener Länderszenarien, wie der Weg zur radikalen Energiewende aussehen muss. Für Deutschland hat Greenpeace im März 2007 mit dem Plan B für den Klimaschutz klar gemacht, dass sogar ein schnellerer Atomausstieg als im Atomkonsens zwischen bundesdeutscher Politik und Energiewirtschaft aus dem Jahr 2000 vorgesehen machbar ist. Im Gegenteil wird sogar deutlich, dass ein schneller Atomausstieg für die Umstrukturierung notwendig ist. Gleichzeitig können wir unsere CO2-Emissionen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent reduzieren.
Die wichtigsten Ergebnisse:
Lesen Sie in unseren Szenarien im Detail, wie die Energiewende zu schaffen ist!
Fußnoten
(1) Kohlendioxid (CO2) ist das am häufigsten vorkommende Treibhausgas, weitere wichtige Treibhausgase sind Lachgas, Methan und Fluor-Kohlenwasserstoffe.
(2) "eq" bedeutet "äquivalent" und steht für die Klimawirksamkeit aller Treibhausgase zusammen. Die Klimawirksamkeit von Kohlendioxid dient dabei als Richtgröße, die anderen Treibhausgase werden entsprechend ihrer spezifischen Wirksamkeit in ppm CO2 umgerechnet. Beispiel: Methan ist 21 mal klimawirksamer als Kohlendioxid. 10 ppm Methan sind demnach umgerechnet 210 ppm CO2eq.