Grönland in Zahlen: Es reicht vom 59 Grad 50 nördlicher Breite (Kap Farvel) bis 83 Grad 37 nördlicher Breite (Kap Morris Jesup). Die Insel ist 2.650 Kilometer lang und bis zu 1.000 Kilometer breit. Grönlands Nordküste ist das dem Nordpol am nächsten liegende Festland - mit 710 Kilometern Abstand.
Am 24. Juni lief das Greenpeace Schiff Arctic Sunrise aus dem Hafen von Reykjavik aus. Im Juli und August werden renommierte Wissenschaftler auf der Arctic Sunrise entlang der Küste Grönlands unterwegs sein, um die Folgen der globalen Erwärmung zu dokumentieren und deren Ursachen zu erforschen. Das Schiff besucht die arktischen Forschungsstationen und dient als Plattform für wissenschaftliche Erforschung der Auswirkungen der globalen Erwärmung auf Grönland und das Nordpolarmeer.
Fast 90 Prozent der Bevölkerung von Grönland sind Inuit, die restlichen zehn Prozent meist Dänen. Während die kulturelle Identität der Grönländer an die traditionelle Jagd gebunden ist, bildet die Fischindustrie das ökonomische Rückgrad. Vorherrschend ist die Garnelenfischerei. Import- und Exportpartner sind hauptsächlich die europäischen Länder.
Abgesehen von Birkenwäldern im Süden ist Grönland praktisch baumlos. Ungefähr 50 unterschiedliche Vogelarten brüten in Grönland. In den grönländischen Gewässern sind Seelöwen, Walrosse, Polarbären und Wale heimisch. Die sicherlich größte Aufmerksamkeit erregt der Narwal mit seinem hervorstehenden Stoßzahn von 1,5 bis drei Meter Länge.
Der bekannteste Vertreter der grönländischen Tierwelt ist jedoch der Eisbär. Er hat seinen eigentlichen Lebensraum im äußersten Norden und im nordostgrönländischen Nationalpark - dem größten Nationalpark der Welt. Mit dem Treibeis gelangt der Eisbär auf der Jagd nach Robben bis in den äußersten Süden und nach Nordwestgrönland. Unter den Landsäugetieren befinden sich auch Rentiere, Moschusrinder, Lemminge, Schneehasen, arktische Füchse und arktische Wölfe.
Grönland wird zu einem großen Teil durch seine dauerhafte Eiskappe bedeckt. Dieses Eisschild umfasst mehr als 1,8 Millionen Quadratkilometer. Das Inlandeis ist bis zu 3.000 Meter mächtig (durchschnittlich 1.500 Meter), an den Küsten driftet es in Richtung Meer. Dabei lässt es Eisberge von mehreren Kilometern Länge entstehen.
Zehn Prozent des gesamten Süßwassers der Welt ist im Grönlandeis gebunden. Wenn die globale Erwärmung - verursacht durch das Verbrennen fossiler Energien wie Öl, Kohle und Gas - ungehindert fortgesetzt wird, droht das gesamte Eisschild abzuschmelzen. In der Folge würde der Meeresspiegel weltweit um etwa sieben Meter ansteigen und tief gelegene Küstenstädte in den USA, große Gebiete von Bangladesch und viele pazifische Inselstaaten überfluten.
Wissenschaftler sagen in ihren Szenarioberechnungen voraus, dass ein Abschmelzen der Eismassen von Grönland sehr wahrscheinlich ist. Bereits heute hat sich die durchschnittliche Temperatur in den meisten Gebieten Grönlands fast zweimal stärker erhöht als im Rest der Welt. Damit wurde ein beispielloses Schmelzen des Seeeises, der Gletscher und des Schnees in der Region ausgelöst.
Auch wenn bisher nicht das gesamte grönlandische Eisschild von dem Schmelzprozess betroffen ist, so nahmen die Bereiche zwischen 1979 und 2002 um 16 Prozent zu. Zudem beginnt die Schmelze jedes Jahr früher. Der grönlandische Eisschild hat sich seit 1993 im Durchschnitt um rund einen Meter pro Jahr entlang seiner südlichen und östlichen Ränder verringert.
Wärmere Temperaturen beeinflussen das Grönland Eisschild in vielfältiger Weise. Zunächst einmal schmilzt das Oberflächeneis. Aber damit nicht genug. Während das Eis schmilzt, tröpfelt Wasser durch Sprünge im Eis nach unten und dringt bis zum Grundgestein vor. Dort verhält es sich wie Schmiermittel und beschleunigt die Bewegung des Eises in Richtung Meer. Sobald das Eis das Meer erreicht, bricht es auseinander, riesige Eisberge lösen sich und treiben auf dem Meer.
Während Eis- und Schnee schneller schmelzen, ändert sich auch die Reflexion der Sonneneinstrahlung an ihrer Oberfläche (Albedo). Je mehr Eis schmilzt, um so dunkler ist die Oberfläche und um so weniger Sonneneinstrahlung wird reflektiert. So verstärkt die dunklere Eisoberfläche das Schmelzen noch zusätzlich (so genannte Eis-Albedo-Rückkopplung).
Daneben führt die zunehmende Eis- und Schneeschmelze dazu, das das Land häufiger und in größeren Teilen schneefrei ist. Auch das verstärkt die Erwärmung. Zudem absorbiert nasser Schnee dreimal soviel Solarenergie wie trockener Schnee - ein Effekt der das Schmelzen noch einmal befördert.
Im schlimmsten Fall könnte das Schmelzen des Grönland Eisschildes zu einer Unterbrechung des Nordatlantik-Stroms (Golfstrom) führen. Bekannt ist der Nordatlantikstrom als das große Förderband für warme Wassermassen und als Heizung für Europa. Warmes Wasser aus der Karibik wird von Süden nach Norden quer über dem Atlantik transportiert (Golfstrom). Während es sich Grönland nähert und auf kalte arktische Luft trifft, kühlt es ab und sinkt in tiefe Ozeanschichten ab.
Dieses Absinken wird dadurch verstärkt, dass dem Wasser in Grönland Süßwasser entzogen wird, indem es in den arktischen Eismassen gebunden wird. Das salzhaltige Wasser hat eine größere Dichte und fördert somit das Absinken des Stromes.
Das kalte Wasser wird dann wieder südwärts transportiert und schließlich über den Äquator und um Südafrika herum in den indischen Ozean gedrückt. Eine Zunahme des Süßwassergehalts des Nordatlantiks durch schmelzendes Seeeis und vom Grönland Eisschild könnte diese große Wärmepumpe verlangsamen oder sogar stoppen. Damit würde das Klima in Nordamerika und in Europa destabilisiert.
Nicht nur der Eisschild Grönlands schmilzt, auch die Gletscher reagieren auf die wärmeren Temperaturen. Der Ilulissat-Gletscher - seit 2004 als UNESCO-Weltnaturerbe verzeichnet und einer der größten Gletscher in Grönland - hat seine Geschwindigkeit seit den 90er Jahren verdoppelt und bewegt sich derzeit mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Meter pro Tag in Richtung Meer.
Eine mögliche Erklärung für die Zunahme ist, dass Ozeanwasser die Eisdecke vor dem Gletscher geschmolzen hat.
Die Modelle der Klimawissenschaftler sagen voraus, dass, wenn wir die globale Erwärmung nicht stoppen, das Nordpolarmeer im Sommer 2050 eisfrei sein könnte. Dadurch werden einzigartige arktische Arten wie die Polarbären und die vom Eis abhängigen Seerobben in ihrem Bestand bedroht. Viele Grönländer hängen mit ihrer traditionellen Lebensweise von der Jagd nach Polarbären, Walrössern und Seerobben ab.
Während das Eis sich vom Ufer zurückzieht, werden die Jäger zu längeren Reisen auf dem Eis gezwungen, das mittlerweile dünn und instabil geworden ist. Die Grönländer berichten vom Verschwinden des Seeeises und dass dies die lokalen Windfelder verändert hat. Folge: Der Schnee verhärtet sich stärker, und Jäger und andere Reisende sind nicht mehr in der Lage, aus diesem Schnee Iglus zu errichten. Zudem wird über Verletzungen und Todesfälle berichtet. Menschen, die von plötzlich auftretenden Stürmen überrascht wurden und keinen guten Schnee für den Bau von Iglus fanden.
Karsten Smid, 7/2005