
Der Film Eine unbequeme Wahrheit dokumentiert den Vortrag, begleitet Al Gore bei seinen Vortragsreisen und gibt auch Einblicke in sein Privatleben.
Im Folgenden werden wichtige und häufig gestellte Fragen zum Film aufgegriffen und beantwortet.
In den letzten 100 Jahren stieg die Jahresmitteltemperatur in Deutschland bereits um 0,9 Grad Celsius und damit stärker als die weltweite Temperaturerhöhung von 0,7 Grad. In den Alpen stieg die mittlere Temperatur sogar um 1,5 Grad Celsius. (1)

Im Auftrag des Umweltbundesamtes hat das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg Szenarien für mögliche Klimaänderungen in Deutschland bis zum Jahr 2100 erarbeitet. Je nach Anstieg der Treibhausgase könnten danach bis zum Ende des Jahrhunderts die Temperaturen in Deutschland - vor allem im Süden und Südosten - um mehr als vier Grad Celsius steigen. Die Sommer werden trockener, die sommerlichen Niederschläge werden um bis zu 30 Prozent abnehmen. Das heißt, es werden häufigere und heftigere Hitzewellen und Dürreperioden auf Deutschland zukommen. Vorboten waren die Sommer 2003 und 2006.
Im Mittelmeerraum werden die sommerlichen Niederschläge weiter abnehmen, das heißt die Dürreperioden werden sich dort nochmals verstärken.
Im Winter wird es dagegen feuchter, die Niederschläge werden um 30 Prozent steigen. Zusammen mit der Schneeschmelze bedeutet das erhöhte Hochwassergefahr im Frühjahr. Ereignisse wie Starkniederschläge und Überflutungen werden, wie schon in den letzten Jahren, häufiger.

Gletscherschmelze: Die Alpengletscher haben seit Beginn der Industrialisierung (Mitte des 19. Jahrhunderts) bis 1980 etwa ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihrer Masse verloren. Seit 1980 sind weitere 20 bis 30 Prozent des Eisvolumens abgetaut.
Gletscherforscher rechnen mit einem fast vollständigen Abschmelzen der Gletscher noch in diesem Jahrhundert. Das verstärkt abschmelzende Gletschereis lässt die Pegel der von ihm gespeisten Flüsse ansteigen - die Gefahr von Hochwasser und Überschwemmungen nimmt zu. Und wenn die Gletscher abgetaut sind, droht Wassermangel.
Die Meeresströmungen im Nordatlantik spielen eine wesentliche Rolle für das europäische Klima. Mit dem Golfstrom werden an der Meeresoberfläche warme Wassermassen aus den Tropen nach Norden gebracht, die abgekühlten Wassermassen fließen in großer Tiefe wieder nach Süden. Das führt zum relativ milden Klima in Westeuropa. Eine Abschwächung dieser Umwälzbewegung führt zu einer Reduktion des ozeanischen Wärmetransports nach Norden und somit zu einer möglichen Abkühlung in Europa. Diese wirkt der globalen Erwärmung entgegen.
Klimasimulationen sagen für das 21. Jahrhundert eine Abschwächung des Golfstromes um bis zu 30 Prozent voraus. Ein kompletter Abbruch des Golfstromes und damit eine deutliche Abkühlung ist in diesem Jahrhundert noch nicht zu erwarten, für später ist auch das jedoch nicht auszuschließen.

Hauptursache für den derzeit stattfindenden Klimawandel ist der enorme Anstieg der Kohlendioxid-(CO2-)Emissionen. Im Jahr 2005 wurden weltweit fast 29 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt. Etwa 41 Prozent enstehen bei der Verbrennung von Öl (vor allem im Verkehr), circa 38 Prozent bei der Verbrennung von Kohle (vor allem zur Stromerzeugung durch Kohlekraftwerke). Weitere Quellen für CO2-Emissionen sind zum Beispiel Gasheizungen, Gaskraftwerke, Haushalte und Industrieanlagen.
Der Einfluss der Sonnenaktivität auf den Klimawandel ist gering. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Klimaerwärmung zum Teil auch durch die Sonnenaktivität beeinflusst. Für die letzten 50 Jahre sind keine derartigen Korrelationen mehr festzustellen.
Die renommiertesten Wissenschaftler weltweit arbeiten im IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), dem wissenschaftlichen Beratergremium des UN-Klimasekretariats, zusammen. Anfang 2007 werden diese Wissenschaftler einen neuen Sachstandsbericht zum Klimawandel veröffentlichen. In dem Bericht heißt es, es könne keinen begründeten Zweifel mehr daran geben, dass der Mensch den Klimawandel verursache.
In der letzten Zeit wird verstärkt die CO2-Speicherung als Lösung für das Klimaproblem gepriesen (Stichwort CO2-freie Kraftwerke). Dabei soll in Kraftwerken das bei der Verbrennung fossiler Energien (insbesondere Kohle) entstehende CO2 aufgefangen, konzentriert, transportiert und in geologischen Lagerstätten gespeichert werden.
Doch damit wird weder Kohle sauber noch werden Kraftwerke CO2-frei. Die Speicherung frisst Energie, so dass viel mehr Kohle verbrannt werden muss. Damit nimmt die Belastung durch den Bergbau zu. Auch kann nicht alles CO2 aufgefangen werden, weiterhin wird ein Anteil in die Atmosphäre gelangen. Das größte Risiko stellen allerdings mögliche Leckagen in den Speichern dar. Bei den Mengen CO2, die unter der Erde gespeichert werden sollen, reichen kleinste Undichtigkeiten, zukünftig eine weitere Klimabelastung zu erzeugen, die durch keine zusätzliche Reduktion gestoppt werden kann.
Eine andere Lösung erscheint auf den ersten Blick ebenfalls sehr einfach: Das CO2 wird mit Wasser und Sonnenenergie über die Photosynthese in Zucker, Sauerstoff und Wasser umgewandelt und damit der Atmosphäre entzogen. Das überschüssige CO2 wird so in Pflanzen (Wäldern, Algen) gespeichert. Doch auch das ist ein Trugschluss: Das CO2 wird wieder freigesetzt, es handelt sich also um keine dauerhafte Speicherung.
Es nützt alles nichts, die Ursachen des Klimawandels müssen gestoppt werden. Wenn die Badewanne überläuft, weil der Abfluss verstopft ist, kann man sich zwar bemühen, das überfließende Wasser mit Wischlappen und Handtüchern aufzunehmen. Notwendig wäre es allerdings, den Wasserhahn zuzudrehen. Erst danach können (und müssen) weitere Hilfsmittel zum Einsatz kommen.
Den Wasserhahn zudrehen heißt, das Verbennen von Kohle, Öl und Gas einzuschränken und mittel- bis langfristig zu beenden. Nur das ist wirklich Klimaschutz.
Nein, Atomenergie ist keine Lösung für das Klimaproblem. Viele Gründe sprechen dagegen:

Die Erneuerbaren Energien bieten ein großes Potenzial für unsere Energieversorgung. Jede dieser Energieformen alleine kann keinen ausreichenden Ersatz schaffen. Die Summe aller Erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Geothermie, Wasser, Biomasse) macht es aber möglich. Zusammen können sie bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Energieversorgung in Deutschland sicher stellen. Dafür ist es jedoch notwendig, die Entwicklung der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz jetzt mit aller Kraft voranzubringen und nicht weiterhin in Atom- oder Kohlestrom zu investieren.
Wir könnten leicht 30 Prozent weniger Energie verbrauchen, würden die enormen Einsparpotenziale zum Beispiel durch bessere Wärmedämmung in Gebäuden oder verbesserte Automotoren mit geringerem Benzinverbauch genutzt. So ist ein wirksamer Klimaschutz möglich.
Der Klimawandel kann nicht mehr komplett aufgehalten werden. Das Ausmaß der Veränderungen kann allerdings noch abgeschwächt werden. Dafür muss aber sofort gehandelt werden, denn die Treibhausgase entfalten ihre Wirksamkeit noch lange, nachdem sie freigesetzt wurden. Selbst wenn wir jetzt sofort aufhören würden, fossile Energieträger zu verbrennen, würden die Temperaturen noch eine Weile weiter ansteigen, bevor sich das Klima stabilisiert. Noch können wir die Bremse ziehen, noch können wir die katastrophalsten Auswirkungen verhindern und uns allen eine lebenswerte Zukunft erhalten.
Seit Beginn der Industrialisierung sind die CO2-Konzentrationen von 278 ppm (parts per million, Teilchen pro Millionen Teilchen) auf 380 ppm in der Atmosphäre angestiegen. Sachverständige und Europäische Union fordern, die Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Eine Erwärmung darüber hinaus hätte katastrophale Folgen. So könnten die Eisschilde und Polkappen abschmelzen und zu einem Ansteigen des Meeresspiegels von mehreren Metern führen.
Diese Katastrophe zu verhindern bedeutet, die CO2 Emissionen nicht über 400 ppm steigen zu lassen. Internationale Klimaschutzabkommen sollen dabei helfen. Im sogenannten Kyoto-Protokoll haben sich Industriestaaten verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um einen festgeschriebenen Betrag zu verringern. Deutschland zum Beispiel muss um 21 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Nach 2012 darf jedoch nicht Schluss sein! Mehr Länder müssen sich an der Reduktion beteiligen und die Reduktionsmengen müssen sehr viel größer werden.
Bis 2020 müssen die Industriestaaten ihre Treibhausgase um 30 Prozent (gegenüber 1990) reduzieren und bis 2050 um 80 Prozent. Nur so schaffen wir es, unter 2 Grad Celsius zu bleiben und die schlimmsten Folgen des Klimawandels aufzuhalten.

Im Moment tut die Politik leider sehr wenig für den Klimaschutz. Dringend notwendig wäre eine Energiewende, weg von der Verbrennung von fossilen Energien, hin zu einer Energieversorgung auf Basis von Erneuerbaren Energien. Aber die Bundesregierung geht leider in die andere Richtung. Mit dem neuen Verteilungsplan für die Emissionszertifikate (NAP2) hat sie im Juni 2006 den Bau von neuen Braunkohlekraftwerken begünstigt. Und auch eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ist wieder in der Diskussion.
Es stimmt, gerade Indien und China weisen zurzeit ein enormes Wachstum auf, verbunden mit zunehmenden Emissionen klimawirksamer Gase wie CO2. Die Industrieländer sind jedoch nach wie vor für den Hauptanteil der CO2-Emissionen verantwortlich.
Weltweit werden circa 29 Milliarden Tonnen CO2 jährlich ausgestoßen. Der Anteil verschiedener Länder an diesen Emissionen ist wie folgt (Quelle: Max-Planck-Institut, 2006):
Europa |
7.404 Millionen Tonnen |
USA |
6.526 Millionen Tonnen |
China |
5.327 Millionen Tonnen |
Japan |
1.406 Millionen Tonnen |
Indien |
1.050 Millionen Tonnen |
Deutschland |
0.880 Millionen Tonnen |
ganz Afrika |
0.944 Millionen Tonnen |
Schaut man sich den jährlichen pro-Kopf-Verbrauch an, dann sehen die Verhältnisse noch einmal anders aus (Quelle: Deutsche Meteorologische Gesellschaft):
USA |
20 Tonnen |
Deutschland |
10 Tonnen |
Japan |
9 Tonnen |
China |
3 Tonnen |
Indien |
1 Tonne |
Afrika |
1 Tonne |
Will man Klimaschutz ernstnehmen und geht man davon aus, dass jeder Mensch das Anrecht auf die gleiche Menge an klimawirksamen Emissionen hat, dann dürfte jeder Mensch zwei bis drei Tonnen CO2 jährlich ausstoßen - weltweit.
Es gibt inzwischen zahlreiche Modelle im Internet, mit denen der persönliche CO2-Bedarf bestimmt werden kann (CO2-Bilanzen, ökologischer Fußabdruck). Dort kann jede/r feststellen, wo in ihrem oder seinem Leben die meisten Emissionen entstehen. Einige Beispiele:
Autorin: Ruth Drenckhan
Vi.S.d.P. Gabriela von Goerne