
Auf der Toronto Konferenz im Jahr 1988 kamen erstmalig Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus verschiedenen Ländern auf großem Parkett zusammen, um Möglichkeiten des Klimaschutzes zu diskutieren. Die Regierungen der Industrieländer versprachen, auf freiwilliger Basis ihren Kohlendioxidausstoß bis 2005 um 20 Prozent zu reduzieren.
Im selben Jahr wurde das UN-Klimagremium, der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), gegründet. Dieses Gremium hat die Aufgabe, den Stand der wissenschaftlichen Ergebnisse aus verschiedenen Forschungsbereichen zu bündeln, den jeweils aktuellen Stand darzustellen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Zwei Jahre später lag der erste Bericht des IPCC auf dem Tisch, und es war klar: Die Kohlendioxidemissionen müssen massiv gesenkt werden, wenn der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre stabilisiert werden soll.
In Rio de Janeiro fand 1992 ein großer Erdgipfel statt, in dessen Zentrum der Klimawandel stand. Die Industrienationen gründeten die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und verpflichteten sich in Rio mit wohlmeinenden Worten zur Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen. Sie beschlossen, bis zum Jahr 2000 die Emissionswerte aus dem Jahr 1990 wieder einzuhalten. Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung wollten sie dieses Ziel erreichen, denn Länder wie die USA lehnten jegliche Art einer bindenden Verpflichtung massiv ab. Jahre zogen ins Land, die Vertreter der Klimarahmenkonvention der UN trafen sich in regelmäßigen Abständen, Vorschläge wurden eingereicht, der zweite Report des IPCC erschien. Immer deutlicher zeichneten sich die Ausmaße des Klimawandels ab.
Im Jahr 1997 einigten sich die Industrieländer endlich auf der dritten UN-Klimakonferenz (COP3), sich auf ein rechtlich verbindliches Klima-Abkommen einzulassen. Das Kyoto-Protokoll war geboren, das über die Absprachen von Rio hinaus reicht und die Treibhausgas-Emissionen von 1990 als Vergleichswert und Basis für weitere Emissionsreduktionen nimmt. In den nächsten Jahren wurden in einem zähen Verhandlungsmarathon von Klima-Konferenz zu Klima-Konferenz die Einzelheiten dieses Abkommens ausgearbeitet und die Bedingungen zur verbindlichen Umsetzung verhandelt, fast immer mit dem Gegenwind der Industrie und einiger Regierungen.
Im Frühjahr 2001 veröffentlichte der IPCC seinen dritten Bericht, der keinen Zweifel mehr daran aufkommen ließ, dass der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid durch den Menschen die zentrale Rolle beim Wandel des Klimasystems spielt. Über 2000 renommierte Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern haben den Berichts mitverfasst. Direkt nach der Veröffentlichung kündigten die USA, verantwortlich für ein Viertel der weltweiten Kohlendioxidemissionen und mit einem von der Öllobby gesponserten Präsidenten, ihre Unterstützung des Kyoto-Protokolls auf. Dies war ein Rückschlag, der den ganzen Prozess in Frage zu stellen drohte. Auf der Klimakonferenz in Bonn 2001, nur wenige Monate nach dem Ausstieg der USA, entschied sich die Ländergemeinschaft aber für das Kyoto-Protokoll, und der Prozess der Ratifizierung konnte beginnen.
Um das Kyoto-Protokoll verbindlich zu machen, waren zwei Dinge nötig: Es musste zum einen von mindestens 55 Ländern ratifiziert werden. Dieses Ziel wurde zuerst erreicht, inzwischen haben 170 staaten das Kyoto-Protokoll ratifiziert (Stand 14.2.2007). Zum anderen mussten die Staaten, die ratifiziert haben, mindestens 55 Prozent der Treibhausgas-Emissionen der Industrieländer bezogen auf das Jahr 1990 repräsentieren. Dieses Ziel wurde erst im November 2004 mit der Ratifizierung durch Russland erreicht. Mit Russland (Emissionsanteil von 17,4 Prozent im Jahr 1990) waren 61,6 Prozent der Emissionen der Industriestaaten erfasst. Mit der Ratifizierung Russlands konnte das Kyoto-Protokoll am 16. Februar 2005 in Kraft treten.
Das Kyoto-Protokoll regelt die Reduktionsverpflichtungen für die unterzeichnenden Staaten für die sogenannte erste Verpflichtungsperiode von 2008 bis 2012. Wenigstens auf ein völkerrechtlich verbindliches Ziel der Reduktion der Emissionen um 5,2 Prozent bis zum Jahre 2012 im Vergleich zu 1990 hat sich die internationale Staatengemeinschaft mit dem Kyoto-Abkommen geeinigt. Ein kleiner Schritt und doch ein sehr schwieriger Prozess.
Nun geht es darum, weitergehende Klimaschutzziele über die erste Kyoto-Periode bis 2012 hinaus verbindlich festzulegen. Greenpeace fordert eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent für Industrieländer bis 2020. Wichtig ist auch, die Schwellen- und Entwicklungsländer, die für die erste Verpflichtungsperiode 2008 bis 2012 noch keinen Reduktionsverpflichtungen unterliegen, entsprechend ihrer Möglichkeiten in ein zukünftiges System der Treibhausgasreduktionen einzubinden. Denn eines ist klar: Selbst wenn alle Industrieländer, die USA mit eingeschlossen, ihre Emissionen auf Null herunter fahren würden, könnten wir die dringend notwendige Halbierung der Treibhausgas-Emissionen nicht erreichen. Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien müssen mit an Bord.
Auf der Klimakonferenz in Nairobi 2006 war noch kein Durchbruch für mehr Klimaschutz sichtbar. Wichtige Entscheidungen über zukünftige Reduktionsziele sowie die Verbesserung und Erweiterung des Kyoto-Protokolls werden in den kommenden Jahren getroffen. Industrie- und Entwicklungsländer belauern sich. Niemand möchte vorangehen. Je länger sich aber die Verhandlungen hinziehen, um so größer wird die Gefahr, dass ein Anschlussprotokoll für Kyoto nicht mehr rechtzeitig in Kraft tritt. Greenpeace fordert, dass die Verhandlungen für das Anschluss-Abkommen 2008, spätestens jedoch 2009 erfolgreich beendet sein müssen.
Mehr Informationen erhalten Sie auf den Seiten des United Nations Framework Convention on Climate Change (in Englisch).