
Einzelne Wetterereignisse wie der warme Winter 2006/2007 sind kein Beweis für den Klimawandel. Sie machen aber fühlbar, dass sich die Jahreszeiten auch langfristig ändern. Zwar freuen wir uns über geringere Heizkosten und Frühlingsgefühle schon zu Jahresbeginn, doch es stimmt auch bedenklich, wenn der Vegetationszyklus bei Bäumen und Büschen völlig durcheinander gerät. Haselnuss, Birke und Forsythien trieben im Winter 2006/2007 schon im Januar Blüten, Zugvögel änderten ihre Reisezeiten - die ersten Rotmilane kehrten Anfang Januar 2007 aus ihren Winterquartieren in Frankreich und Spanien zurück. Andere Vögel waren gar nicht erst zu ihrer traditionellen Winterreise aufgebrochen.
Regional unterschiedlich beginnt der Frühling inzwischen bis zu zwei Wochen früher, im Herbst werfen die Laubbäume ihre Blätter inzwischen alle zehn Jahre einen Tag später ab. Zecken, Stechmücken und die von ihnen übertragenen Krankheiten breiten sich in Folge wärmerer Temperaturen aus. Für Allergiker wird das Leben schwerer, denn die Belastung durch Pollen steigt. Wirtschaftliche Einbußen treffen die Tourismusindustrie in deutschen, schweizerischen und österreichischen Skigebieten.
Wärmeres Wetter muss nicht besseres Wetter sein. Höhere Durchschnittstemperaturen können je nach Region auch Dürre, Wassermangel oder Artenverlust bedeuten. Die 13 wärmsten Jahre seit Beginn der modernen Klimaerfassung 1850 lagen nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) alle in den vergangenen 15 Jahren. Im Jahr 2005 wurde die höchste Durchschnittstemperatur seit über einem Jahrhundert ermittelt.
In Europa starben im Hitzesommer 2003 über 70.000 Menschen an den Folgen der Hitze, in Deutschland waren es rund 9.000. Besonders Brandenburg litt unter der Dürre. Die nächste Hitzewelle folgte dort schon im Sommer 2006 und führte zu Ernteausfällen in Höhe von 110 Millionen Euro, das Land musste ein Hilfsprogramm für die Bauern auflegen.
Im Sommer 2002 führet eine besondere Wetterlage, die die Meteorologen Fünf B-Wetterlage nennen, zu einem Jahrhunderthochwasser. Über dem ungewöhnlich warmen Mittelmeer verdunsteten große Wassermengen, es bildeten sich starke Wolken. Die warm-feuchten Luftmassen aus dem Mittelmeerraum zogen um die Alpen herum nach Sachsen, wo es zu sintflutartigen Regenfällen kam. Die Niederschlagshöhen im Einzugsgebiet der Oberelbe erreichten mehr als das Dreifache, an einigen Orten sogar das Vierfache der durchschnittlichen Niederschlagsmengen des Monats August.
Das Wasser überflutete eine Fläche von circa 164.000 Quadratkilometern. 21 Menschen starben, 35.000 mussten allein aus Dresden evakuiert werden, insgesamt betraf die Elbeflut circa 337.000 Menschen. Ganze Landstriche entlang von Elbe und Mulde standen unter Wasser, Tausende von Menschen mussten mit ansehen, wie ihre Häuser von den Wassermassen weggerissen wurden. Die finanziellen Schäden überstiegen neun Milliarden Euro, Folgeschäden noch nicht mit eingerechnet.
Voraussagen über die Auswirkungen des Klimawandels für einzelne Regionen zu treffen, ist schwieriger, als globale Trends aufzuzeigen. Grobe Trends lassen sich aber anhand von modellhaften Klimaszenarien auch regional abschätzen.
Die Temperaturen in Deutschland könnten je nach Anstieg der Treibhausgase bis zum Ende des Jahrhunderts vor allem im Süden und Südosten Deutschlands um mehr als vier Grad Celsius steigen. Das zeigen Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, das im Auftrag des Umweltbundesamtes Szenarien für mögliche Klimaänderungen in Deutschland bis zum Jahr 2100 erarbeitet hat. Die Sommer werden trockener, die sommerlichen Niederschläge werden um bis zu 30 Prozent abnehmen. Häufigere und heftigere Hitzewellen und Dürreperioden werden auf uns zukommen. In den trockenen Regionen steigt die Gefahr von Waldbränden. Aber auch sommerliche Unwetter werden zunehmen.
Sehr strenge Winter werden in Deutschland seltener. Es wird feuchter, die Niederschläge werden um 30 Prozent steigen. Zusammen mit der Schneeschmelze bedeutet das erhöhte Hochwassergefahr im Frühjahr. Wetterextreme wie Starkniederschläge, Hagel, Hochwasser werden sich häufen. 2002 regnete es in Deutschland so heftig wie seit mindestens 1901 nicht mehr. Von besserem Wetter in unseren Breitengraden kann bei solchen Aussichten nicht die Rede sein.