
Betroffen sind in erster Linie Kleinbauern und Konsumenten in den Ländern des Südens. Agrar-Konzerne versuchen, die Gentechnik als Patentrezept gegen den Welthunger zu vermarkten. Gentechnik hilft aber nicht gegen den Hunger, im Gegenteil: Sie verschlimmert ihn. Denn Gentechnik fördert die Monopolstellung einiger weniger Agrarunternehmen. Der einzige Hunger, den die Konzerne stillen, ist nicht der Hunger in der Dritten Welt, sondern der Hunger der Aktionäre
, so die schwedische EU-Kommissarin Margot Walström.
Im Bericht des Weltagrarrats von 2008 kommen 400 Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die globale Landwirtschaft grundlegend umorientiert werden muss. Sie fordern eine Abkehr von der modernen landwirtschaftlichen Massenproduktion, die auf massivem Einsatz von Pestiziden und großflächigen Monokulturen basiert. Auch in der Gentechnik erkennen sie keine Lösung. Vielmehr sollten die landwirtschaftlichen Kleinproduzenten gestärkt werden. Die natürlichen Ressourcen der jeweiligen Region müssten genutzt werden.
Die Gen-Lobby lancierte einen Gen-Reis, der angeblich bei Vitamin-A-Mangel helfen soll, um zu demonstrieren, dass sie sich um die Belange der Entwicklungsländer bemüht. Der mit einer Vorstufe des Vitamins A angereicherte Reis soll den Vitamin-A-Mangel beheben, durch den nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr bis zu 500.000 Kinder in Entwicklungsländern erblinden. Der Mangel wird hauptsächlich durch einseitige Ernährung verursacht.
Bis heute ist aber völlig unklar, wie viel Vitamin A beim Verzehr des Gen-Reises noch beim Menschen ankommt und was bei der Lagerung und Zubereitung verloren geht. Die Gen-Manipulation greift stark in den Stoffwechsel der Pflanze ein. Selbst Befürworter des Vitamin-A-Reises bemängeln, die ökologischen und gesundheitlichen Risiken seien noch längst nicht geprüft. So werden keine Lösungen sondern zusätzliche Probleme geschaffen. Dabei gibt es Gemüsearten, die fast überall angebaut werden und die die Menschen mit viel Vitamin A versorgen können - ohne Gefahren für Mensch und Umwelt.
Mit Patenten versucht sich die Industrie ein Monopol über die landwirtschaftliche Produktion und Ernährung zu verschaffen. Patente im Bereich Landwirtschaft können exklusive Rechte über Saatgut, Ernte bis hin zu den Lebensmitteln beinhalten. Die Konzerne diktieren dann, wer was zu welchen Bedingungen und Preisen anbauen und verkaufen darf: vom Weizen bis zum Brot, vom Mais bis zum Popcorn.
Die Vielfalt der pflanzengenetischen Ressourcen steht seit jeher der Allgemeinheit zur Verfügung. Bauern nutzen sie zur Zucht neuer Ackerpflanzen. Patente blockieren dagegen diesen freien Zugang zum Saatgut: Bauern sollen auf einmal hohe Lizenzgebühren an die Industrie zahlen, die die Entwicklung neuer Pflanzen und Tiere zunehmend monopolisiert hat. Auf ein einzelnes Reiskorn können inzwischen einige Dutzend Patentansprüche fallen. Traditionelle Pflanzensorten, die für die Konzerne keine Gewinne versprechen, verschwinden. Und mit ihnen das Wissen.
Einst gab es in Indien etwa 30.000 Reissorten, heute spielen nur noch zehn eine Rolle. Genetische Vielfalt ist aber Ausgangsbasis für die Züchtung neuer, sich den wechselnden Umweltbedingungen anpassender Nutzpflanzen. Geht diese Vielfalt verloren, verschwindet die Grundlage zur Sicherung der Ernährung.